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Fotos Claude Giger, OnlineReports

"Wir haben Methoden": Drogensüchtiger, Scientology-Drogenpapier


Scientology klopft an Basler Gassenzimmer

Die Sekte plant breit angelegte Anti-Drogen-Kampagne und das Sammeln gebrauchter Spritzen

VON PETER KNECHTLI

Scientology will in der Basler Drogenpolitik mitmischen: Eine Vertreterin der umstrittenen Sekte sondierte bei Amtsstellen und Suchthilfe-Einrichtungen Möglichkeiten einer Mitarbeit. Die Betreiber der Gassenzimmer wollen von einer Kooperation nichts wissen.

Scientology will in der Basler Drogenpolitik mitmischen: Eine Vertreterin der umstrittenen Sekte sondierte bei Amtsstellen und Suchthilfe-Einrichtungen Möglichkeiten einer Mitarbeit. Die Betreiber der Gassenzimmer wollen von einer Kooperation nichts wissen.

Zuerst hatte sich die Scientologin Annette Klug, in der Region Basel zuständig für Oeffentlichkeitsarbeit, bei der Stadtgärtnerei erkundigt. Vor einigen Tagen wurde sie von Samuel Bertschi, dem Leiter der Basler Fachstelle für Suchtfragen, zu einem Gespräch empfangen. Darin wollte sie laut Bertschi erfahren, "inwiefern Scientology einen aktiven Beitrag zur Drogenbekämpfung" leisten könne: "Ich habe ihr lediglich erklärt, wer wofür zuständig ist, nicht mehr und nicht weniger." Wenn sich Scientology schon drogenpolitisch "ins Zeug legen" wolle, dann sei koordiniertes Vorgehen angezeigt.

Scientology will Spritzen einsammeln

Im Büro von Walter Meury, dem Leiter der Gassenzimmer Riehenring und Spitalstrasse, hatte die Scientologin am Dienstag dieser Woche vorgesprochen. Meury: "Frau Klug erklärte, Scientology wolle sich an einer Spritzensammelaktion beteiligen."

Gegenüber OnlineReports bestätigte Annette Klug, dass die beabsichtigte Sammelaktion nur Teil eines grösseren internationalen Projekts sei: "Wir machen eine Anti-Drogen-Kampagne." Mit Standaktionen und Broschüren soll die Oeffentlichkeit "über unsere Methode aufgeklärt werden, Drogen aus dem Körper zu entfernen". Auch der regelmässig abgehaltene Basler Drogenstammtisch "würde uns interessieren". Aber: "Wir wollen nicht Drogenpolitik machen."

Defensiver Suchtstellenleiter: "Nicht einmischen"

Dezidiert defensiv äusserte sich Suchtstellenleiter Bertschi zur Frage, wie weit ein Engagement von Scientology in der Drogenfrage wünschenswert sei. Da wolle er sich "nicht einmischen": "Wir haben Frau Klug erklärt, dass Scientology für ihre Aktivitäten im Drogenbereich die Verantwortung trägt."

Bei der Suchthilfe Region Basel (SRB), für den Betrieb zweier Gassenzimmer zuständig, herrschte laut einer Quelle "basses Erstaunen", als die Scientologin den Eindruck erweckte, sie sei von Bertschi "weitergeleitet" worden sei. "Nein, danke", lehnt SRB-Geschäftsführerin Gabi Mächler das Angebot ab: "Die Drogenthematik ist brisant genug, dass hier Scientology noch mitmischeln muss."

Carlo Conti: Scientology "kein Partner"

Auch Walter Meury hat "keinerlei Bedürfnis", mit Scientology zusammen zu arbeiten: "Diese Sache ist politisch zu heiss." Basel ist gegenüber Scientology sensibel: Als erster Kanton der Schweiz erliess er ein Gesetz gegen aggressive Mitgliederwerbung auf öffentlichem Raum. Gemäss Meury bestehe "im Moment auch kein Bedarf" nach Spritzensammelaktionen: Das "Spritzen-Wäspi", das auf Anruf der Oeffentlichkeit gezielt Spritzen einsammle, erfülle seinen Zweck: "Es liegen heute nicht mehr kesselweise Spritzen herum." Die Aerztin Silva Keberle, Geschäftsleiterin des dritten Gassenzimmers in Basel, äussert Bedenken, dass Drogensüchtige "zu einem privaten Zweck instrumentalisiert werden könnten".

Klar ist die Meinung des Basler Sanitätsdirektors Carlo Conti (CVP). Es sei "zur Kenntnis zu nehmen", wenn Scientology eingesammelte Spritzen entsorgen wolle, aber die Gruppierung sei für Basel-Stadt kein Partner: "Es gibt aber keine Absicht und auch keinen Bedarf des Kantons, mit Scientology im Drogengebiet zusammen zu arbeiten."

HINTERGRUND: INTERVIEW MIT SEKTENSPEZIALISTIN URSULA CABERTA

25. Februar 2001

ECHO

Dass Gespräche mit verschiedenen Behördenvertretern stattgefunden haben, diente vor allem dazu, Informationen zu geben und zu erhalten. Das von Hubbard entwickelte Drogen-Rehabilitierungsprogramm hat schon Tausenden den Weg aus der Drogensucht ermöglicht. Es wird nicht viel helfen, "Drogenpolitik" zu machen. Konkrete Aktionen sind gefordert. Dies können verschiedene im sozialen Bereich tätige Gruppierungen machen oder eben auch die Mitglieder der Scientology Kirche im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Annette Klug
Pressesprecherin
Scientology Kirche Basel
(8. Februar 2005)

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