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Interview mit dem Basler Polizeidirektor Jörg Schild

© Foto by OnlineReports


"Sensible Öffentlichkeit": Täter/Opfer-Grafik, Tatort Marktplatz Basel

Im Fokus: Die Täter/Opfer-Grafik
von OnlineReports

Die Nationalitäten-Deklaration bei Kriminalitäts-Delikten stösst auf Zustimmung wie Ablehnung

VON PETER KNECHTLI

Seit knapp einem Jahr deklariert OnlineReports bei kommunizierten Kriminalitäts-Delikten die Nationalität von Tätern und Opfern in Form einer Grafik. Dieses Info-Element löste heftige Diskussionen aus: Während die Einen sie als zusätzliche journalistische Transparenz begrüssen, lehnen Andere sie als "populistisch" ab. Der Versuch einer Erklärung.

Was so heftige Debatten auslöst, ist eigentlich eine redaktionelle Marginalie. OnlineReports fügt in seinem "Aktualitäten"-Channel seit bald einem Jahr Kriminalmeldungen von Staatsanwaltschaft und Polizei, die sich mit Delikten wie Tötung, Körperverletzung, Einbrüchen, Raub, Rauschgift oder Raserei beschäftigen, in einer kleinen Text-Grafik zur optischen Verdeutlichung an, was schon in der offiziellen Meldung steht: Die Nationalität von Täter und - wo vorhanden - Opfer. Die Grafik ist selbstverständlich nationalitäten-neutral: Täter mit Schweizer Pass werden genauso aufgeführt. Wir berufen uns dabei auf die Zusicherung von Polizei und Staatsanwaltschaften, wonach die Nationalität von Tätern beim Entscheid darüber, was öffentlich gemacht werden soll, keinerlei Kriterium ist.

"Diese Grafik ist neu
in der Schweizer Nachrichtenwelt."


Das Spektrum der Meinungen ist breit gefächert: Es reicht von der grundsätzlichen Ablehnung ("Mir missfällt Ihre Pranger-Zeile", "xenophobe Tendenz") über eher ambivalente Standpunkte ("journalistisch vertretbar") bis hin zur radikalen Akzeptanz ("absolut notwendig"). Sicher ist: Dieses Info-Element stellt eine neue Vermittlungsform in der Schweizer Nachrichtenwelt dar - und ist möglicherweise gewöhnungsbedürftig.

Selbstverständlich ist die Frage zulässig, ob ein "Täter" bereits ein Täter ist, wenn er bei der Schussabgabe oder bei einem Kokain-Deal beobachtet wurde, und nicht erst nach seiner rechtskräftigen Verurteilung. Wer als Medienschaffender aber über Jahre den täglichen Nachrichtenfluss von Staatsanwaltschaft und Polizei verfolgt und eine überproportionale Häufung von Straftaten ausländischer Urheberschaft wahrnimmt, hat die Pflicht, mit gebotener Deutlichkeit darauf hinzuweisen. Wir müssen dabei den Applaus jener Kräfte in Kauf nehmen, die sich die Aufgabe nicht leisten, die Frage der Ausländerkriminalität als eine Folge komplexer sozialer und struktureller Umstände zu begreifen, sondern als Mittel, die Integrationspolitik und die sie betreibende Amtsstelle zu hintertreiben. Wir müssen aber auch mit den Widerständen jener leben, die zwar Gesellschaftskritik auf ihre Fahnen geschrieben haben, zu den harten Fakten aber geflissentlich schweigen.

Thomas Kessler, Integrationsbeauftragter der Basler Regierung, kann mit der Grafik nichts anfangen. Er sieht darin "eine Art Pseudoinformation, die vielleicht in guten Treuen mehr Aufklärung will, aber ohne die erforderlichen Begleitinformationen über Aufenthaltsstatus und -länge sowie weitere Charakteristika eher für mehr Verwirrung und Pauschalurteile sorgt". Mehr als die Hälfte der so genannten "Ausländerdelikte" in Basel-Stadt, so Kessler weiter, würden "von Personen ohne Wohnbezug zu Basel" begangen: Von illegalen Kriminaltouristen, anderen Kantonen zugeteilten Asylbewerbern und Touristen. Die hier wohnhaften Personen aus den GUS-Staaten, deren Nationalitäten zu den am häufigsten Verurteilten zählen, seien jedoch "keine notorischen Kriminellen".

"Die Ausländerkriminalität hat
das tolerierbare Mass überschritten."


Die reine Wahrheit gibt es nicht. Aber Thomas Kessler argumentiert so, als ginge es OnlineReports darum, mit der Täter-Opfer-Grafik die staatlichen und privaten Integrationsanstrengungen zu demontieren. Darum geht es uns ausdrücklich nicht. Wir sind hingegen der Auffassung, dass die Ausländerkriminalität in Basel das tolerierbare Ausmass überschritten hat. Daraus - und nicht aus unserer Grafik - erwächst in der Bevölkerung mit Unbehagen und latenter Fremdenfeindlichkeit ein Potenzial, das entsprechend gepolte Parteien langfristig auszunützen vermögen, wenn die delikate Problematik nicht endlich schonungslos auf die öffentliche Traktandenliste gesetzt wird.

Dass dafür insbesondere links-grüne Kreise und das Umfeld der Integrationsdienste nicht längst gesorgt haben, ist erstaunlich. Ist es die Angst davor, die eigene Klientel zu vergraulen, oder unangenehme Fakten auf den Tisch legen zu müssen? Sind es romantische Mulitkulti-Reflexe, die es verbieten, Ausländergewalt sachlich zu diskutieren, ohne selbstverständlich gleichzeitig die Gewalt unserer eigenen Landsleute auch nur ansatzweise zu legitimieren? Ist es schliesslich die fatale Auffassung, das aktuelle Mass an ausländischer Delinquenz sei unter Bezugnahme auf die sozialen Hintergründe der Täter zu dulden?

"Ausländische Kriminalitäts-Touristen
treiben die Zahlen in die Höhe."


Erstaunlich ist das Schweigen aus mehreren Gründen - vor allem aber aus einem: Eine vertiefte Analyse der Fakten (welche Umstände sorgen für den überdurchschnittlich hohen Delikts-Anteil ausländischer Täter und weshalb wird Basel der Austragungsort der Tat?) könnte ein brisantes Konglomerat an Anachronismen und Fehlentwicklungen im schweizerischen Ausländer-Föderalismus zutage fördern, das zu einer differenzierten Sicht des Problems führt. Eine wahrscheinliche Grund-Erkenntnis dürfte in der Tat sein: Nicht die hier ansässige ausländische Wohnbevölkerung treibt die Kriminalitäts-Zahlen in die Höhe, sondern spontan oder bewusst angereiste Täter, die mit Basel und seiner Integrationspolitik nichts zu tun haben.

Damit soll nicht gesagt sein, dass nicht auch fehlende oder gescheiterte Integration bei hier ansässigen Migranten mit ein Grund für Delinquenz sein kann. Darauf liesse auch eine winzige Bemerkung auf der Website des Basler Amtes für Statistik schliessen, das sich ansonsten vor politischer Wertung hütet: "Erhöhte Verurteilungsquoten bestimmter Einwohnergruppen können ein Hinweis auf deren mangelnde gesellschaftliche Integration sein." Ein weiterer Beleg für die amtliche Zurückhaltung im Umgang mit dem heissen Eisen "Ausländerkriminalität" ist die Bemerkung: "Der Problemkreis der Delinquenz ist ein sensibles und in den Ursachen hochkomplexes soziales Phänomen. Das öffentliche Interesse an den damit verbundenen Fragen ist gross. Eine umfassende und fachlich angemessene Analyse ist aber an dieser Stelle nicht möglich."

Dass analytische Erkenntnis-Vermittlung nicht Sache des Statistischen Amtes sein kann, leuchtet vollkommen ein. Die grosse Frage ist aber: Welche Amtsstelle leistet diese Aufgabe - und zwar konzeptionell und kontinuierlich? Offen gestanden: Wir wissen es nicht. Vermutlich niemand.

"Die Statistik ist veraltet und lückenhaft."


Wer auf eigene Faust den Versuch unternimmt, in die Zahlenberge des Statistischen Amtes einzudringen, stösst auf hoffnungslos veraltetes Material: Die aktuellsten Daten sind jene aus dem Jahr 2002; einige Angaben bleiben sogar im Jahr 2001 stecken. Offenbar scheint die Dokumentation von Zahlen, die mit Leib und Leben zu tun haben, in Zeiten des Sparens entbehrlich zu sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Statistik mit abstrakten technischen Begriffen arbeitet, die nur bedingt kommunikationsfähig und entsprechend interpretationsbedürftig sind. So verwendet sie - pikanterweise unter dem Haupttitel "Kennzahlen zur Integration" - den Begriff der "Verurteilungsquote". Gemeint ist die Anzahl Verurteilungen pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, woraus dann - je nach Jahr - Zahlen von 1,43 (1996), 1,77 (2000) oder 1,44 (2001) resultieren. Das heisst: 1996 wurden ausländische Erwachsene 1,43-mal so häufig verurteilt wie schweizerische Erwachsene.

Diese Aussage bietet dem politischen Laien indes wenig Orientierungshilfe in der politischen Diskussion. Also versuchen wir aufgrund der Daten aus dem Jahr 2001 für den Kanton Basel-Stadt eine anschauliche Aussage herauszulesen:

Anteil schweizerische Wohnbevölkerung 2001 72 Prozent
Anteil ausländische Wohnbevölkerung 2001 28 Prozent

Total Verurteilungen 2001 1'184 (100 Prozent)
Verurteilte schweizerische Erwachsene (18 bis 65 Jahre) 2001 705 (59,5 Prozent)
Verurteilte ausländische Erwachsene (18 bis 65 Jahre) 2001 479 (40,5 Prozent)


Was sagen diese Zahlen aus? Noch wenig, aber immerhin dies: Vorausgesetzt die Annahme, die Deliktbereitschaft unter Ausländerinnen und Ausländer soll jene der Täter mit Schweizer Pass nicht übersteigen, dürfte auch der Anteil an Verurteilungen nicht über 28 Prozent liegen. Er liegt aber bei 40,5 Prozent, was die Verurteilungshäufigkeit schweizerischer Delinquenten um über 44 Prozent übersteigt und die "Verurteilungsquote" von 1,4 ergibt. Dieser Wert ist inakzeptabel, auch wenn er noch nichts über Status und Herkunft ausländischer Täter aussagt.

"Die Datenbasis
erlaubt kein differenziertes Bild."


Wer allerdings ins Detail gehen will und in den einzelnen Deliktskategorien nach dem Status der ausländischen Täter Ausschau hält, sucht vergeblich. Auch die aktuell nachgeführte Kriminalitätsstatistik der Staatsanwaltschaft kann hier keine weiteren Aufschlüsse geben. "Fälle erledigen, nicht Statistiken", scheint die Devise zu sein. So muss die Frage offen bleiben, ob einzelne Deliktskategorien - wie Vergewaltigungen - nicht allenfalls doch integrations-relevant sind. Fazit: Die Angaben reichen nicht aus, um sich ein differenziertes Bild der Ausländer-Kriminalität zu machen. Und wer die SVP davon überzeugen will, dass für das Übermass an Ausländerkriminalität in Basel nicht die Integrationspolitik die Verantwortung trägt, müsste an vollständigen Daten und regelmässigen Analysen erst recht ein Interesse haben.

Insofern ist es kein Wunder, dass auch die "Kriminalitätsstatistik" der Strafverfolgungsbehörden in der lokalpolitischen Debatte versandet - schon fast so, als sei sie entbehrlich. Dabei enthält sie gesellschaftlichen Sprengstoff, der Parteien wie der SVP direkt in die Hände spielt. Denn anders als die etablierten Parteien vielleicht glauben, nimmt die Bevölkerung Meldungen über Vorfälle und Urheber von kriminellen Handlungen im öffentlichen Raum sehr sensibel wahr.

Werden die beiden Polizisten nicht mitgerechnet, die letzten Sommer in Notwehr von der Schusswaffe Gebrauch machten, läge im Jahr 2004 der Ausländeranteil bei Tötungsdelikten bei 100 Prozent, entnehmen wir der Kriminal-Bilanz der Staatsanwaltschaft. Klartext: Alle Tötungsdelikte (Polizei-Notwehr ausgenommen) stammten von Tätern ausländischer Herkunft. Im Bereich der Körperverletzungen lag der Ausländeranteil seit 1992 immer über 50 Prozent (2001: 73 Prozent). Bei den Vergewaltigungen lag der Ausländeranteil im gleichen Zeitraum zwischen 44 (2001) und 89 Prozent (1997) - eigentlich erstaunlich, dass beispielsweise bei Frauenorganisationen Ruhe im Walde herrscht, wenn, wie im Jahr 1997, neun von zehn Vergewaltigungen von Ausländern verübt wurden.

"Nötig wäre ein gemeinsames Ziel
und eine Strategie zur Umsetzung."


Nicht besser sieht die Drogenhandels-Bilanz aus: Der Deal mit Kokain und Heroin liegt "vorwiegend in der Hand von Personen ausländischer Herkunft", bilanziert de Leitende Staatsanwalt Beat Voser, Chef des Basler Kriminalkommissariats. Kein Problem für Basel? Bei den "Kügeliverkäufern" handle es sich "meist um in den verschiedensten Kantonen untergebrachte Asylbewerber, die zum Zweck des Drogenverkaufs in der ganzen Schweiz herumreisen". Kein Problem für Basel?

Wie frustrierend muss es für die Strafverfolger an der Front sein, wenn die Politik auf ihre erschreckenden Befunde mehrheitlich mit Schulterzucken, Schweigen oder gar Missinterpretationen reagiert. Entschlossene und breit abgestützte Programme, wie auf die Befunde der Statistiker und Strafverfolger wirkungsvoll reagiert werden soll, liegen bisher nämlich nicht vor - eine bedenkliche Unterlassung. Aufgabe der Politikerinnen und Politiker wäre es, die Daten beispielsweise in einer überparteilichen Allianz an einem "runden Tisch" in eine Strategie umzusetzen und die Schlüsse zu ziehen: Ausländerkriminalität in Basel auf ein gemeinsam definiertes Ziel zu senken.

"Opfer und Hinterbliebene haben Recht
darauf, ernst genommen zu werden."


Doch hier geht es letztlich nicht um abstrakte statistische Bagatellfälle: Hinter den Zahlen verbergen sich Menschenopfer und traumatisierte Hinterbliebene, die einen Anspruch darauf haben, von der Politik ernst genommen zu werden. Der oft gehörte demografische Einwand, dass sich die meisten ausländischen Täter in einer Altersgruppe befänden, in der Migranten übervertreten seien, ist ein zynisches Ausweich-Argument.

OnlineReports geht es also um die Diskussion und einen Bewusstseinsprozess. Wir sind der Auffassung, dass die weit überproportionale Häufung von Ausländer-Kriminalität im öffentlichen Raum ein Problem ist, das nicht weiter tabuisiert werden darf. Wir sind auch der Meinung, dass die offiziellen Zahlen auch eine Diskussion über fehlende oder gescheiterte Integration auslösen sollen. Aber wir behaupten nicht die Basler Integrationspolitik sei gescheitert, ebenso wenig halten wir die hier ansässige Wohnbevölkerung für überdurchschnittlich kriminell.

Im Gegenteil: Wir sind von der Notwendigkeit der Basler Integrationspolitik überzeugt und meinen, sie müsse ihren Weg weiter gehen. Aber sie muss sich als Fachorgan auch Fragen gefallen lassen: Wie stellt sie sich zu den Statistiken der Basler Staatsanwaltschaft über die "ermittelte Täterschaft"? Weshalb fordert sie keine aktuellen und detaillierten Statistiken ein? Welche Strategien zur Senkung der Ausländerkriminalität schlägt sie vor? Müssten in den Medienbulletins von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht auch Status und - wo möglich - aktueller "Wohnkanton" ausländischer Straftäter deklariert werden?

"Kriminalitäts-Touristen beschädigen
den Ruf der Anständigen."


Mehr Debatte, mehr Offenheit und bessere Transparenz machen Sinn. Denn Kriminalistäts-Touristen beschädigen den Ruf der ausländischen Wohnbevölkerung, die sich anständig verhält.

OnlineReports steht der sich entwickelnden multikulturellen Gesellschaft positiv, aber nicht naiv und blauäugig gegenüber. Zu einer differenzierten Wahrnehmung gehört die offen geäusserte und nachhaltig thematisierte Ablehnung von Gewalt - egal, ob von Menschen schweizerischer oder ausländischer Herkunft verübt. Die Täter/Opfer-Grafik soll helfen, im täglichen Nachrichtenfluss ein kleines Steinchen im Mosaik der Meinungsbildung zu sein. Wenn dies gelingt, hat sie ihren Zweck erfüllt.

Interview mit dem Basler Polizeidirektor Jörg Schild








Quelle: Statistisches Amt Basel-Stadt



Quelle: Staatsanwaltschaft Basel-Stadt

15. April 2005

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Weitere Publikums-Reaktionen zu diesem Thema

  > ECHO

"Nicht primär ein Ausländer-, sondern ein Männlichkeitsproblem"

Wer grossen Wert auf die Nationalität krimineller Täter legt, sollte auch Wert auf die Veröffentlichung des biologischen Geschlechts des Täters legen. Dann bemerkt man nämlich, dass - rein statistisch gesehen - Männer das grössere Problem in Bezug auf kriminelle Handlungen darstellen. Wir müssen daher das Problem vor allem auch als Männerproblem verstehen. Das ergibt sich schon alleine aus der Beobachtung, dass zwar ca. 50 Prozent der Kriminellen Ausländer, aber etwa 90 Prozent der Kriminellen Männer sind. Die Ursachen von Gewalt sind komplex. Eine wichtige Ursache ist aber der fatale Glaube, Männer seien das "starke" bzw. das "privilegierte" Geschlecht (wie es schon in der Bibel steht). Die vorherrschende Mentalität (die bei weitem nicht nur aus dem Ausland importiert wird), dass der Mann keine Gefühle zeigen dürfe und sich als "starkes" Geschlecht zu bewähren hätte, äussert sich in Gewalt gegenüber Frauen und Homosexuellen oder im "wagemutigen" Überschreiten von Tempolimiten im Strassenverkehr. Wir haben es hier nicht primär mit einem Ausländerproblem zu tun, sondern mit einem kulturellen (Männlichkeits-)Problem, der zwar auch aus ost- und südeuropäischen Kulturen kommt, aber hierzulande auch unter Schweizern weit verbreitet ist.

Thomas Läubli
Zürich



"Regierung hält Problem unter dem Deckel"

Ich habe Ihren Report gelesen und gehe mit Ihren Ausführungen völlig konform; denn die Ausländerkriminalität ist auch bei uns in der BRD ein ganz grosses Problem, welches aber von Seiten der Regierung unter einer Decke gehalten wird und nur ungern publiziert bzw. mit entsprechender Zensur freigeben wird. Bei uns sind die Gefängnisse überfüllt und das mit einem Ausländer-Anteil von etwa 65 Prozent.

Klaus Piekut
Ettlingen / BRD



"Gefahr, dass Vorurteile geschürt werden"

Die Nationalitäten-Deklaration bei Kriminalitäts-Delikten auf OnlineReports finde ich schlecht. Dies aus mehreren Gründen: Einerseits, und das ist meine grösste Sorge, besteht die Gefahr, dass geschürte Vorurteile gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen bestätigt werden. Dies erschwert das Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen unnötig. Auch frage ich mich, ob das Bild vollständig ist: Wenn schon Kriminaltaten aufgezählt werden - müsste man konsequenterweise auch die Wirtschaftskriminalität ausweisen. Wie sieht denn die Statistik hier aus?

Andererseits bezweifle ich, was mir eine solche Angabe an zusätzlicher Information bringt. Man kann durchaus auf gewisse Missstände aufmerksam machen. Dazu dient jedoch ein ausführlicher Artikel zu dieser Problematik, wie dies Peter Knechtli im obigen Artikel auch macht. Bei einer Kurznotiz zu einer Kriminaltat habe ich aus der Nationalitätsangabe des Täters und Opfers jedoch keinen zusätzlichen Nutzen. In Frankreich geht man sogar noch weiter und betont, dass beispielsweise der Täter zwar Franzose ist, aber ausländischer Herkunft. Das ist genauso unnötig wie die hier getätigte Informationspolitik zur Nationalität der involvierten Personen.

Emmanuel Ullmann
Mitglied FDP
Basel



"Statistik nur in die Hände von Fachleuten"

Eine öffentliche Verbrechensstatistik, aufgeschlüsselt nach Nationen, ist strikte abzulehnen. Dies aus folgenden Gründen: Keine Ethnie ist per se eine Verbrechensethnie. Jede Untat hat ihre Hintergründe und mehr oder weniger schlimme Folgen. Vorsorge und Ursachenbekämpfung ist angesagt. Zweifelsohne ist die Statistik Voraussetzung für eine gezielte Ursachenbekämpfung. Sie gehört aber ausschliesslich in die Hände von kompetenten Fachleuten. Allzu leicht liessen sich falsche Schlüsse ziehen und die Gefahr ist gross, dass eine latent vorhandene Fremdenfeindlichkeit mit den entsprechenden Folgen aktiviert wird. Ergo: Statistik ja, aber keine Veröffentlichung.

Beatrice Alder
Basel



"Medien müssen unterdrückte Themen schonungslos bewirtschaften"

Es ist faszinierend, die Reaktionen zu beobachten, wenn die Vierte Gewalt ihrer Informations-, Analyse- und Kommentierungspflicht in exemplarisch objektiver Weise nachkommt. Peter Knechtli führt abermals den Beweis seiner hohen journalistischen Ethik! Zur Erinnerung: Der Aufstieg der SVP zürcherischer Prägung unter Christoph Blocher gründete einzig auf dem konstanten Tabubruch. Also darauf, die von den fusionierten Ersten bis Vierten Gewalten aus "stilistischen Gründen" unterdrückten Themen schonungslos zu bewirtschaften. Eminent wichtige Themen sind nun mal die Bevölkerungsstruktur und ihre Konsequenzen. Punkto krimineller Relevanz, punkto schulischer Leistung, punkto sozialer Perzeption und punkto sozialen Vollkosten.

Der auch von Peter Knechtli mit eindeutigen Worten forcierte radikale Wandel des grössten Basler Mediums "BaZ" und die im letzten Jahr auch dort geführte Debatte punkto Bevölkerungsstruktur hat meiner Ansicht nach dazu beigetragen, dass die Basler SVP landesweit mit dem Jura und dem Tessin das weit abgeschlagene Schlusslicht bildet. Mit anderen Worten: Der journalistisch ethisch vollzogene Bruch des SVP-Monopols auf Tabubruch scheint unmittelbar mit einem drastisch verminderten Wähleranteil der SVP zu korrelieren. Wohl deshalb, weil dann offenkundig wird, dass bei der SVP, nicht bei Christoph Blocher, ansonsten nur ein Gemischtwarenladen an inkohärenten Inhalten bleibt. Wovon der Gewichtigste ist, zum Zwecke der Protektion von Monopolen in Gewerbe, Landwirtschaft und Militär die "totale Unabhängigkeit" der Schweiz zu postulieren.

Der Konsument - und somit das Volk - realisiert, dass er/es den Preis der surreal nationalistischen Politik der SVP zahlt. Denn diese bewirkt kausal, dass die Preise und die Steuern in diesem Land hoch bleiben - zu den Lasten des Volkes, zum Nutzen einiger SVPler.

Patric C. Friedlin
Basel



"Für eine offene, tolerante Informationspolitik"

Als engagierter Lehrer im Kleinbasel arbeite ich seit über 30 Jahren mit vielen Ausländern zusammen. Ich mache viele positive Erfahrungen – aber auch negative. Was ich nicht schätze, ist die bewusste Augenwischerei vor den wirklichen Problemen – wenn eine Mehrheit bestimmter ausländischer Kreise eine Vielzahl der kriminellen Taten in unserem Kanton begeht, darf, ja muss, dies gesagt werden. Wenn die Statistik etwas anderes aussagen würde, würden wir sie auch veröffentlichen.

Dass es dabei schwierig ist, nicht alle Landsleute einer bestimmten Nationalität in einen Topf zu werfen, erschwert das objektive Bild – aber deswegen ganz zu schweigen – nein, das geht auch nicht. Dass wir auch Positives vermelden in der Presse, von Schweizern und Ausländern ist wünschbar, zum Beispiel, was im Bläsi tagein tagaus für wertvolle Integrationsarbeit mit – nicht nur, aber auch - korrekten und motivierten, freundlichen und integrationsbereiten Kindern und Eltern geleistet wird, ist wünschbar und nötig. In diesem Sinn trete ich für eine offene, tolerante Informationspolitik ein, die nicht blauäugig Gutes oder Schlechtes verschiedener Menschengruppen verschweigt – nur weil nicht sein darf, was nicht ins Weltbild passt.

Christoph Zacher
Parteipräsident DSP
Basel



"Wenn ich schon das Wort 'Volksempfinden' höre ..."

Obwohl der Autor alles versucht, seine "Pranger-Zeile" (Täter/Opfer-Graphik) als hilfreich und Novum hinzustellen, muss als Begründung die unbelegte Empfindung des Volkes herhalten. Wenn ich schon das Wort "Volksempfinden" oder gar "gesundes Volksempfinden" höre, schwindet mein Glaube an den Rechtsstaat. Das ist und bleibt populistisch.
 
Den demographischen Faktor in Einwanderungsländern mit schlechter Integrationspolitik als "zynisches Ausweich-Argument" hinzustellen, zeugt von Ahnungslosigkeit. Der demographische Faktor wird seit Jahrzehnten zur Analyse von Kriminalstatistiken herangezogen. Wer differenziertere Antworten sucht, kann sich zunächst an den Graphiken des Autors selbst gütlich halten. In jeder Bevölkerung gibt es eine Altersgruppe (meistens zwischen 15 und 30), die in Kriminalstatistiken hervorsticht. Wenn nun durch Zuzug genau diese Altersgruppe überproportional zunimmt, nimmt auch die Kriminalität generell zu.

Ausserdem gab es 2001 in Zürich schon die zweite Fachtagung der Stiftung Erziehung zur Toleranz, die mit dem Thema sehr differenziert umgeht. Zum Beispiel zeigt sie, dass schon die häusliche Gewalt als kulturelles Phänomen grosse Unterschiede je nach Herkunftsland zeigt (www.schulsozialarbeit.ch/downloads/gewalt_an_schulen.pdf)

Nicht weniger interessant ist ein Fragebogen zur Kriminologie-Laufbahnprüfung des deutschen Bundeslandes Hessen aus dem Jahr 2000 (www.vfh-hessen.de/P_Giessen/
Klausuren/Klausur-Kriminologie_Laufbahnpruefung-2000.pdf)

Sogar die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes spricht von einer abnehmenden Kriminalität seit 1982. (http://internet.bap.admin.ch/d.archiv/stat/stats-2002.htm)
Genauso haben tödliche Verkehrsunfälle in den letzten Jahren abgenommen. Berichtet wird aber nur über Raser, die ich auch für ein Ärgernis halte. Allerdings dezimieren sie sich selbst. (Das mag als zynische Bemerkung gelten.)
 
Die meiste Integrationsarbeit in Basel leisten die hiesigen Ausländerverbände. Allerdings ist es seltsam, dass sie sich praktisch alle selbst finanzieren, während von der Basler Integrationspolitik die meisten Gelder an rein schweizerische Insitutionen zu fliessen scheinen.
 
Was bleibt also? Die Notwendigkeit einer Integrationspolitik, die ihren Namen verdient, und eine Abkehr vom Sensationsjournalismus.

Thomas Richers
Therwil



"Peinlich, falsch und gefährlich"

Die Abhandlung ist peinlich, falsch und gefährlich, die Analyse in fast jeder Hinsicht verfehlt, manches gerät durcheinander ("harte Daten", obwohl bloss eine polizeilich gefärbte Anzeigenstatistik gemeint ist) und ist im Ansatz verfehlt (In-/Ausländerdebatte - Ordás sagt alles dazu was nötig ist).

Besser erst mal die alte Studie "Kriminalität ist männlich" nachzulesen. Oder eine seriöse Recherche beim Bundesamt für Statistik vorzunehmen. Oder die Kriminalstatistik Baden-Württemberg, Anhang, nachzulesen. Oder die Fachzeitschrift "Plädoyer". OnlineReports ist zu schade für eine solche "ecopop"-light-Diskussion.

Beat Leuthardt
Basel



"Endlich kein linker Schönwetter-
Journalismus"


Endlich kein linker Schönwetter-Journalismus, sondern Tatsachen. Es kann nicht sein, dass die Bevölkerung andauernd von Politik und Medien angelogen wird, was die Ausländerkriminalität betrifft. Macht weiter so!

Philippe Hurni
Basel



"Diese Probleme haben wir vor hundert Jahren auch gehabt"

Die "Errungenschaft" mit der Angabe der Nationalitäten bei Gewalttaten ist leider an sich nichts Neues. Damit wird eben nur ein Schritt in eine Richtung getan, und es werden keine Zusammenhänge und kein Hintergrund recherchiert! Weshalb die Männer gewalttätig und die Frauen "anders" tätig sind, interessiert leider auch niemanden. Es wird der gleiche Schluss gezogen: Die sind halt einfach (von Natur) so und haben entweder nichts bei uns (die wir doch so gut sind!) zu suchen, oder sollten ausgeschlossen werden. Diese Denkweise nähert sich langsam wieder den historischen Auffassungen von biologistischem Kriminalitätsdenken! Heute erteilt auch niemand mehr einem Basellandschäftler Stadtverbot, und keiner geht mehr überprüfen, ob die beiden jungen Leute, die zusammenwohnen auch verheiratet sind.

Grundsätzlich bringen diese "Ausländer" fast nur Probleme "zu uns", die wir alle auch gehabt haben, die uns also vertraut sein sollten. Wozu also die ganze Aufregung (Kopftücher, Alkohol vor hundert Jahren, Migration - aber von Schweizern ins Ausland)?

Peter Thommen
Basel



"Mut und Sachlichkeit bei der Enttabuisierung gefragt"

Probleme haben die Tendenz, dass sie bei Nichtbeachtung eskalieren. Vor Jahren gab es bereits humanistische Warner, die aber von "Everything goes"-Toleranten in der Rassisten-Schublade (Diffamierung) versorgt und mundtot gemacht wurden. Die Zeit scheint ihnen leider Recht zu geben.

Basel steht mit seinen Problemen (z.B. Ehrenmord auf dem Marktplatz) nicht alleine da. Heute gibt es Schätzungen, dass in Grossbritannien, Frankreich und Deutschland jedes Jahr (!) etwa 10'000 Mädchen genitalverstümmelt werden. In Malmö geht die Ambulanz nur noch mit Polizeischutz in gewisse Gebiete (und Leute verbluten deshalb), in Kopenhagen können Juden ihre Kinder nicht mehr in gewisse Schulen schicken (und islamische Reformer wie rechte Islamkritiker müssen aus einigen Quartieren wegziehen), der Bürgermeister von Berlin-Neukölln (SPD) befürchtet, dass in 10 Jahren einige Gebiete unregierbare Elendsviertel werden (Neukölln: 30 Prozent Ausländer, 70 Prozent der jugendlichen Ausländer Neuköllns haben keinen Schulabschluss, 80 Prozent der Straftäter sind ausländischer, 85 Prozent der Verbrechensopfer deutscher Herkunft).

In Frankreich wird das Thema "Rassismus gegen Weisse" diskutiert, in Deutschland fordert Necla Kelek Massnahmen gegen Zwangsheiraten (Studie des Bundesfamilienministeriums: Jede zweite Türkin gab an, ihre Eltern hätten den Ehepartner für sie ausgesucht), im politisch sehr korrekten Schweden wird nach einigen Vergewaltigungen sehr junger einheimischer Mädchen durch ausländische Jugendliche nun ebenfalls der religiös-kulturell-nationale Hintergrund der Täter beachtet.

Die Schweiz ist zwar kleiner, dennoch könnte es sich lohnen, frühzeitig von anderen Ländern zu lernen.

Ich habe festgestellt, dass es bezüglich den erwähnten Problemen grob vier Arten von Leute gibt: 1. Unwissende (Parallelgesellschaften heissen nicht umsonst "paralell"), 2. wahrheitsorientierte Wissende, zum Teil mit Mut, viele auch mit Angst, 3. eigentlich Wissende, deren Ideologie aber ein Eingeständnis/Erkennen nicht zulässt, 4. Wissende, die aber (fast) alles zu tolerieren bereit sind ("everything goes") respektive denen unterdrückte Immigrantinnen egal sind.

Politisch hat man heute die Wahl zwischen keinen Lösungsansätzen (abgesehen von mehr Einbürgerungen für die Beschönigung der Statistik) resp. Nichtwissenwollens (links, grün, auch Mitte) und einer harten Linie (SVP). Kein Wettbewerb der Ideen und Massnahmen. Je dringender diese Probleme werden (und je mehr Leute damit in ihrem Alltag konfrontiert sind), umso eher wird man es überhaupt mal mit einer Lösung versuchen wollen. Dumm für die Linken...

Ich bin gespannt, was in der Schweiz noch alles zu Tage gefördert wird, und wünsche all jenen, die eine Enttabuisierung der Probleme möchten, Mut und Sachlichkeit.

Andy Wolf
Muttenz



"Präzise Statistiken könnten Integrationsprobleme aufzeigen"

Gratulation zu diesem Artikel. Ein heikles Thema mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl angegangen und mit Denkanstössen für alle politischen Lager gespickt. Objektiver Journalismus, wie ihn sich die Leser der Basler Monopolzeitung sicherlich nicht mehr gewohnt sind.

Schade finde ich indes, dass im Artikel nicht auf Eingebürgerte und vor allem Doppelbürger, also Personen mit ausländischen und Schweizer Pässen, eingegangen wurde. Diese Personenkreise in den Statistiken - und hierbei spreche ich nicht nur von den sicherheitsrelevanten - einzeln auszuweisen, würde es einerseits ermöglichen, potenzielle Problemfelder in der Integrationspolitik frühzeitig zu erkennen und andererseits auch dem Volk, gerade bei umstrittenen Themen wie etwa der vereinfachten Einbürgerung, eine objektive Entscheidungsgrundlage bieten.

Es ist bedauerlich, dass sich gerade jene politischen Kreise, welche sich für unsere Ausländerpolitik verantwortlich zeigen, selbst davor zu scheuen scheinen, was solche Zahlen zu Tage fördern könnten, obwohl diese Zahlen gleichwohl auch als "Leistungsausweis" dienen könnten und so dazu beitragen würden, Misstrauen gegenüber all jenen Ausländern, welche sich hier korrekt verhalten, abzubauen.

Was Thomas Kesslers Aussagen betrifft, muss ich insofern beipflichten, dass tatsächlich eine nicht unerhebliche Zahl der Delinquenten, gerade im Bereich der Drogendelikte, auch aus dem angrenzenden Ausland und den anderen Kantonen stammt. Dass er dies jedoch geradezu als Entschuldigung zu missbrauchen versucht, kann ich nicht verstehen, sollte es uns doch viel eher zu denken geben, dass Basel als Drogenumschlagsplatz inzwischen eine dermassen starke Anziehungskraft ausübt, dass selbst Dealer aus Zürich oder Bern den Weg nach Basel auf sich nehmen.

Tommy E. Frey
Grossrat JSVP
Basel



"Wem macht man damit einen Gefallen?"

Die Täter/Opfer-Grafik sollte eigentlich ein Informationsmittel im journalistischen Sinne sein, wäre da nicht? Eben. Leider werden solche Informationen auch dazu missbraucht, politisch/populistisch tätig zu werden. Dabei besteht die grosse Gefahr, dass unkritische Bürger solche Infos gewollt oder ungewollt falsch deuten, wie dies weiter unten schon Peter Graf feststellte. Zu bedauern sind dabei unsere anständigen ausländischen Mitbürger, die nie auffallen und ihrer Arbeit nachgehen wie die meisten Schweizer auch. Da darf schon die Frage gestellt werden, wem macht man da welchen Gefallen!

Bruno Heuberger
Oberwil



"Positive Seiten von Ausländern loben"

Die durchaus plakative Darstellung von OnlineReports ist wohltuend offen und transparent, und hebt sich von vielen Mainstream-Presseerzeugnissen ab. Wer in einer Demokratie Fakten aus den Medien verbannen will, hat Mühe mit der Wahrheit.

Zur Vervollständigung wäre es aber auch angebracht, ausländische Gruppen im positiven Sinn zu loben. Man kann zum Beispiel auch einmal erkennen, dass ex-tschechische und ungarische Staatsbürger unter dem Durchschnittswert der Kriminalitätsrate liegen (oder so ähnlich). Es geht hier nicht um die Frage von Schweizer oder Nicht-Schweizer, sondern um die Problematik bestimmter Minoritäten. Wer - von welcher Seite auch immer - keine Differenzierung zulässt, heisst totalitäre Meinungsmache gut, oder senkt sich auf Stammtischniveau ab.

Karl Linder
Basel



"Mehrzahl der Täter sind männlich"

Ja, Ausländer! Aber noch etwas anderes sagt die Statistik aus: Die Mehrzahl der Täter ist männlichen Geschlechts. Auch das könnte man als "schon lange bekannt" abhaken, und dennoch lohnte es sich nachzudenken, wieso dem so ist.

Pascal Marchal
Basel



"Sind Diabetiker krimineller als Nichtdiabetiker?"

Bekanntlich soll man nur jenen Statistiken trauen, welche man selber gefälscht hat. Doch nicht nur das Verfälschen von Statistiken kann zu einem Zerrbild führen, sondern auch die Tatsache, dass Statistiken überhaupt erstellt werden. Mit dem Publizieren einer „In- Ausländer-Statistik“ impliziert der Statistik-Erheber automatisch, dass dieses Verhältnis (In-, Ausländer) bei der Kriminalität von Belangen ist. Im Übrigen setzt er den Fokus und suggeriert eine Relevanz, die nicht gegeben sein muss. Es käme niemandem in den Sinn, statistisch zu erheben ob die Opfer und Täter über- oder untergewichtig sind oder ob sie Katholiken oder Protestanten sind.

Hat sich schon jemand gefragt, ob Diabetiker krimineller sind, als Nichtdiabetiker und sind Velofahrer anders kriminell als Autofahrer. Selbst wenn alle Mörder der Schweiz Plattfüsse hätten, würde dies nichts über das Verhalten der nicht kriminellen Plattfüssler in unserem Land sagen. Im Übrigen verlange ich, trotz meiner Glatze, nicht, dass die Haarträger sich schuldig fühlen, obschon die Mehrheit der Gefängnisinsassen eine volle Haarpracht hat. Genauso wenig bin ich bereit, mir das Etikett der Kriminalität anhängen zu lassen, nur weil ich Ausländer bin, selbst wenn ich der letzte nichtkriminelle Ausländer der Welt wäre.

Nach einem Jahr In- und Ausländerstatistik wäre es mutig von OnlineReports, im nächsten Jahr bei der Statistik anzugeben, ob die Täter und Opfer Vegetarier oder Fleischfresser sind. Ich freue mich auf die Interpretation der Statistik durch die politischen Parteien. Im Übrigen bitte ich all jene, die nun süffisant zur Kenntnis nehmen, dass sie in der OnlineReports-Statistik als nichtkriminell erscheinen, zu bedenken, dass sie beim nächsten Elsass-Besuch zu Ausländern werden, aber hoffentlich nicht automatisch zu Kriminellen.

Daniel Ordás
Basel



"Mut zur Transparenz und zum Tabu-Bruch"

Gratuliere zum Mut zur Transparenz und zum Tabu-Bruch der Unterdrückung der Herkunft von Tätern und Opfern. OnlineReports leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur echten Versachlichung der Probleme ohne Scheuklappen. Nur das kann die Basis sein für die Lösung der Probleme.

Conrad Engler
Binningen



"Den Rahmen einer nötigen Diskussion gesetzt"

Das nenne ich Qualitätsjournalismus. Die offene Gesellschaft zeichnet sich nicht durch Wegschauen sondern durch die schonungslose und damit oftmals auch quälende Analyse aus. Wir haben ein Problem und stehen vor der Wahl, dieses den extremen politischen Strömungen an den Rändern zu überlassen oder selbst die Grenzen der Toleranz zu ziehen. OnlineReports hat den Rahmen dieser absolut nötigen Diskussion gesetzt. Gratulation zu dieser gründlichen Analyse.

Manfred Messmer
Basel



"Vorgefasste Negativ-Einstellung wird bestätigt"

Ich finde eine solche Grafik äusserst heikel in Bezug auf die Wahrnehmung von Leserinnen und Lesern. Vor allem natürlich bei jenen Leserinnen und Lesern, die schon eine vorgefasste, negative Einstellung zu Ausländerinnen und Ausländern haben. Solche Leute achten doch in erster Linie auf die Herkunft von Tätern und schon ist die vorgefasste Meinung bestätigt: "Aha, ganz klar, natürlich schon wieder ein Ausländer!"

Dabei wird umgekehrt bei Schweizer Tätern die Herkunft in den Köpfen zwar bedauernd, aber grundsätzlich unter: "Ja gut, eine Ausnahme" abgehakt. Bei den Opfern verhält es sich entgegen gesetzt. Selbst wenn die Statistik zeigt, dass prozentual mehr Ausländer Straftaten begehen als Schweizer, sollte man diese (noch mehr) Hass schürende Statistik weglassen. Seien Sie mal ganz ehrlich, Herr Knechtli, warum haben Sie überhaupt damit angefangen? Und bitte kommen Sie mir nun nicht mit "journalistischer Dienstleistung" oder so.

Peter Graf
Basel


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