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Köpfe der Zeit



Wahlkampf mirakulös
Während die einen mit 60'000 (CVP) oder 80'000 Franken (FDP) in die Wahlen des Basler Bürgergemeinderates ziehen, muss das Grüne Bündnis schmürzele: 3'000 Franken. Da muss keine KandidatIn tief in die Schatulle greifen. Warum auch? Die grüne Bewerberin Beatrice Alder (65) machts vor: An prominentester Stelle, von der andere nur träumen, steht ihre Wahlwerbung: In der SonntagsZeitung oder im "Magazin" (hier gleich noch mit Leserbrief auf der selben Seite), aber auch in grossen Tageszeitung - überall lacht uns die "vielbeschäftigte Rentnerin", die bereits Grossrätin ist und einmal gar SP-Regierungsratskandidatin war, auf einem vorzüglich beachteten Reklame-Raum entgegen, der allein eine fünfstellige Summe Wert ist: Es ist aber, anders als erst vermutet, keine Werbung für Wahlen - sondern, perfekt getimt, für den Online-Einkauf bei Coop.

14. Mai 2005

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Online-Pionier
Ehre für OnlineReports anlässlich der 1. August-Feier in Liestal: Unter den innovativen und zukunftsgerichteten Projekten, die das Baselbiet hervorgebracht hat, nannte Festredner Urs Steiner, der Direktor der Elektra Baselland und frühere FDP-Landrat, auch OnlineReports. Mit OnlineReports, in Gelterkinden erfunden, sei "im Baselbiet schweizweite Pionierarbeit im Onlinejournalismus gemacht" worden. Diese Pionierarbeit, so Steiner weiter, "ermöglicht heute regionalen Politikern, Wirtschaftsvertretern und allen Wissensdurstigen, dass täglich topaktuelle News auf ihren Bildschirmen erscheinen".

2. August 2004

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Locher-Sprache
Auf rätselhafte Weise wurden Bewohnerinnen und Bewohner der Bahnstrecke zwischen Ligerz und Twann auf unumgängliche nächtliche Lärm-Belästigungen durch Bahn-Arbeiten aufmerksam gemacht. „Lärmmeinung (Lärmansicht)“ lautete der Titel eines Flugblattes mit offiziellem SBB-Signet. „Betriff: Verschluß schienengleicher Bahnübergang.“ Und weiter im Text: „Die Nacht von 24. bis zu 25.10.2002 zwischen 22 Uhr und 06.00 Uhr, den endgültigen Strassenschnittstellen werden am Freitag, dem 25. Oktober kommen“. Entweder hat SBB-Generaldirektor Benedikt Weibel die Übersetzungsbudgets gestrichen oder der Unterzeichnende D. Locher von der „Agentur von Neuchâtel“ hat seinen französischen Text per Yahoo-Programm ins Deutsche übersetzen lassen.

2. November 2002

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Fussstapfen-Tochter
Vergeblich, so verkündete die Wirtschaftszeitung „Cash“, bemühe sich Ems-Chemie-Besitzer Christoph Blocher um einen Sitz im Lonza-Verwaltungsrat. Unter anderem solle verhindert werden, dass der SVP-Nationalrat das Unternehmen „doch noch einem seiner Söhne zuschanzt“. Heil dir, Helvetia! hast noch der Söhne ja. Zwar ist Christoph Blocher Vater von vier Kindern, doch Stammhalter gibt’s nur den einen, Markus. Als Verwaltungsrats-Vizepräsidentin und designierte Nachfolgerin des Vaters in der Ems-Chemie bereits engagiert ist dagegen Magdalena Martullo-Blocher, die älteste der drei Blocher-Töchter.

1. November 2002

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Closedbase.com
Nach Kanada, so ein zuverlässiger Hinweis, könnte die Basler Softwarefirma Obtree verkauft werden. Obtree dementierte. Nun hielt sich CEO Frank Boller vor wenigen Tagen just im Land mit dem roten Ahornblatt auf. Pikante Detail wie dieses sind freilich nicht im Intranet-System "openbase" nachzulesen - und auch nicht mehr auf dem teils rotzfrechen Internet-Forum von ehemaligen Obtree-Werkern: Auf sanften Druck von Obtree-Anwälten entschlossen sich die Betreiber von "closedbase.com", ihre nur Insidern zugängliche virtuelle Klatsch-Spalte zu kappen.

22. September 2002

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Nullmeldung
Im unterkühlten Brustton der Überzeugung verkündete Radio-Basilisk-Chef Christian Heeb die Unwahrheit: "Verkaufspläne gibt es nicht", schwindelte er Anfang Mai OnlineReports an. Als diese Newsportal aber herausfand, dass Heeb mit der Tamedia über mehr als einen Pappenstiel verhandelt, und das auch schrieb, nahm dies der Basler Chef-Journalist gegenüber der "Werbewoche" als "absolute Nullmeldung" wahr. Diesen Dienstag wurde der "Basilisken"-Totalverkauf an Tamedia offiziell. Pech für Heeb: Er höchstpersönlich musste die "Nullmeldung" bestätigen.

28. Mai 2002

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Neuwahlen
Im Anschluss an die Einweihung des Basilisken-Brunnens durch die Basler Regierung in Anwil BL fuhren die anwesenden vier Basler Regierungsräte in zwei von Pferden gezogenen Wagen durch Dorf und Feld. Vor der Abfahrt macht sich unter den Tieren - wen wundert's angesichts der prominenten Passagiere - Nervosität breit. "Passt auf, dass die Rösser nicht durchbrennen!", mahnt der Zweite Staatsschreiber Felix Drechsler die Aufgestiegenen. Meint Polizeidirektor Jörg Schild: "Was-isch, wotsch Neuwahle?" - Darauf Drechsler: "Ich sitze mit Robert Heuss bei den wilden Pferden auf. Dann braucht's nur zwei neue Staatssschreiber."

16. Mai 2002

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Damen-Besuch
Auf Papier des Grossen Rates, versehen mit seiner privaten Adresse als Absender und unterzeichnet als "alt Verfassungsratspräsident", hat der Basler Politiker Roland Stark (Bild) an Botschafter Thomas Borer einen Solidaritäts-Fax ins ferne Berlin geschickt. Thema: "Kloaken-Journalismus" sei es, was das Grossbuchstaben-Blatt über den inoffiziösen nächtlichen Besuch der jungen Dame in Borers Botschaft verbreite und wie "die Medien" skrupellos "das Privatleben von Politikern zur Auflagesteigerung benutzen". Bei den Machern des "Blick" handle es sich "offenbar um Journalisten, die 'Mängel ihres Talents durch Defekte des Charakters ausgleichen'", zitiert Stark den in Zürich verstorbenen österreichischen Publizisten Alfred Polgar. Doch Ähnliches hält der frühere Basler SP-Präsident offenbar auch von seinen Leidenschafts-Genossen: Das "Schweigen der Politik", schreibt Stark an den Show-Diplomaten, sei "beschämend": "Entweder hängt sie tatsächlich an der Nadel des Ringier-Konzerns oder sie wartet mit nassen Fingern auf die Reaktion der Stammtische." Woraus ersichtlich wird: Auch in der Kloaken-Politik gäbe es noch einiges aufzuräumen.
Ihre Meinung?

4. April 2002

> ECHO
 

Thomas Borer hat den Pomp gesucht

Herr Borer hat seine Karriere sehr bewusst geplant. Dazu gehört seine Trauung mit viel Pomp in Solothurn. Dass er sich jetzt über die Boulevardpresse mokiert, ist sehr eigenartig. Berlin interessiert sich nur für Ihn durch seine Aktivitäten neben der Diplomatie. Ich bin der Meinung, dass Herr Borer gut beraten wäre, sich wieder seinem Kerngeschäft der Diplomatie zu widmen.

Dominique Wyss
Rothenfluh

 

Eine Affäre zwischen erwachsenen Menschen sollte uns nicht interessieren

Ich bin der Meinung, dass die Artikelserie des "Blicks" von der Politik schlichtweg ignoriert werden sollte. Eine - tatsächliche, vermutete, inszenierte, wie auch immer - Affäre zwischen erwachsenen Menschen braucht uns doch wirklich nicht zu interessieren! Es ist nicht dasselbe, wie wenn eine Person des öffentlichen Lebens mit illegalen Machenschaften wie zum Beispiel Kinderpornographie in Berührung kommt. Wahren wir das Mass! Mit unserer Aufmerksamkeit und offiziellen Reaktionen erweisen wir dem "Blick" und anderen Boulevardzeitungen zu viel Ehre.

Simone Abt
Landrätin SP
Binningen

 

"Blick" ist jenseits des Anstandes und des guten Geschmacks

Ich finde nicht, dass Roland Stark vorschnell reagiert hat. Das Verhalten von "Blick" ist jenseits des Anstandes und guten Geschmacks - unabhängig davon, ob Botschafter Borer Damenbesuch gehabt hat oder nicht. Es braucht keine weiteren Informationen, um beurteilen zu können, ob "Blick" oder Borer im Unrecht ist. Ob Botschafter Borer Damenbesuch gehabt hat oder nicht, ist nicht von Interesse und geht weder "Blick" noch uns, sondern ausschliesslich ihn, seine Frau und gegebenenfalls diese Dame etwas an. Es ist einzig und allein deren Privatangelegenheit. Von öffentlichem Interesse ist allein, ob Botschafter Borer seine Arbeit gut tut. Wenn er sie nicht mehr gut tun kann, weil er eventuell Damenbesuch empfing, dann ist nicht Botschafter Borer, sondern "Blick" daran Schuld, der in dessen Privtleben herumgewühlt und völlige Belanglosigkeiten in die Welt hinausposaunt hat.

Ruedi Epple
Sissach

 

Borer als Botschafter in Burundi

Da wäre ich mal vorsichtig, Borer ist unter Insidern bekannt als Schwerenöter. Irgendwann wird er deshalb wohl einmal "unser Botschafter in Burundi"... und seine Frau wieder Miss Texas. Nur geht das eigentlich niemanden etwas an.

Edwin van der Geest
Neerach

 

Das Privatleben der "Blick"-Journalisten

Natürlich ist Borer eine Person der Öffentlichkeit, er muss mit solchen Situationen rechnen, wie wär's aber, wenn mal das Privatleben einiger "Blick"-Journalisten näher beleuchtet würde? Das interressiert zwar nicht so viele, könnte aber unter Umständen für diese "Berufsleute" persönlich sehr peinlich werden und erst noch lehrreich dazu!

Bruno Heuberger
Oberwil

 

Debatte mit Grossbuchstabierern?

Roland Stark hat ja recht, aber was sollen wir uns auf eine Debatte mit Grossbuchstabierern einlassen, die sich nach dem Motto "Fresst Scheisse, denn Millionen von Fliegen können sich nicht irren" in Auflagensteigerung üben.

Philippe Zogg
Basel

 

Erst hochgejubelt und dann in die Pfanne gehauen

Drei Gedanken zu dieser ungeheuerlichen "Blick"-Schlammschlacht: Erstens: Der "Blick" beweist wieder einmal in Reinkultur sein altes widerliches Rezept der doppelten Verkaufsstrategie: Zuerst wird eine Person hochgejubelt. Und zum geeigneten Zeitpunkt wird sie wieder gnadenlos vom Sockel gestossen - ohne jede Rücksicht auf Verluste (anderer). Zum Ko.... Zweitens: Thomas Borer sollte sich umgehend einen versierten PR-Berater zulegen. Sein bisher sehr ungeschicktes Verhalten beweist, dass er - selbst einmal als virtuoser PR-Profi gegen das angeschlagene Image der Schweiz in den USA aktiv - sein eigenes Image-Problem nicht selbst lösen kann. Drittens: Wer stopft endlich das widerliche "Lästermaul" des "Blick" - was auch immer in der Berliner Botschaft passiert ist. Nicht minder widerlich finde ich allerdings auch alle jene Trittbrett-Fahrer (allen voran SF DRS), die unter dem Deckmäntelchen der Informationspflicht und Pressefreiheit, aber mit vorsorglich als Hintertürchen platzierten Fragezeichen hinter ihren Schlagzeilen, ebenso wie der Blick Auflage bzw. Einschaltquote bolzen. Aber wahrscheinlich gilt auch hier: Jedes Volk hat diejenigen Medien, welche es verdient ...

Edi Borer
Basel
(mit Th. Borer weder verwandt noch bekannt)

 

"Das Schweigen der Politik hat System"

Roland Stark gebe ich in diesem Fall absolut Recht. Ringier muss sich wohl profilieren mit Themen auf tiefstem Niveau, weil die Auflage durch die Gratiszeitungen gelitten hat. Das journalistische Niveau ist in der Schweiz, nicht nur bei "Blick", bisweilen belanglos, unprofessionell oder widerlich. Aber nicht nur, wie ja auch OnlineReports beweist. Es werde in der Schweiz zu wenig gewissenhaft recherchiert, die Presse sei zu wenig unabhängig, hat kürzlich der deutscher Medien-Professor Michael Haller festgestellt. Als SP-Mann der starken Worte sollte Roland Stark jedoch auch genügend selbstkritisch sein, dass gerade die Befangenheit seiner Partei in manchen Fragen verunmöglicht, offen Stellung zu beziehen. Genau dann, wenn die ideologischen Hürden die Parteigenossen dazu bringen, eben nichts zu sagen, anstatt offensichtliche Probleme wie Gewalt an Schulen, Kriminalität zu artizukulieren. Das "Schweigen der Politik" hat eben durchaus System.

Karl Linder
Basel

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Beweinung
Er gilt als integrer Baselbieter Steuerverwalter, führte die erste digitale Steuererklärung der Schweiz ein und auch das Gewerbe schien an ihm Gefallen zu finden. An einer Grossveranstaltung der Wirtschaftskammer Baselland jedenfalls kam Hans Peter Salzgeber diese Woche zu ungewohnt öffentlichen Ehren. Vor über 500 Gästen überreichte Gewerbedirektor Hans Rudolf Gysin dem eher scheuen Fiskal-Administrator für seinen "freundlichen Umgang mit den KMU" unter anderem eine respektable Kiste Wein. Die Beschenkung des staatlichen Geldeintreibers wurde kräftig applaudiert - auch von der Baselbieter Kantonsregierung, die fast in corpore zu Gast war. Bemessungsvorteile indes können die Gewerbebetriebe durch die Aufmerksamkeiten nicht erwarten: Salzgeber wurde soeben pensioniert.

21. Januar 2002

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Sprachrohr
Um seine Basler Firmen "Bycom" und "Bygastro" rankten sich die "wildesten Gerüchte": Besitzer Dino Trovato (28) sei "seit Weihnachten" abgetaucht, "zwielichtige Unterwelt-Typen" machten ihm das Leben schwer, zudem habe er sich mit einem Discotheken-Partner verkracht, berichtete diese Woche der "Baslerstab" über den einstigen Besitzer des Internet-Providers Datacomm, der es vor zwei Jahren durch den Verkauf an Tiscali und einem Buchvermögen von mehr als 300 Millionen Franken unter die reichsten Schweizer schaffte. Alles nicht wahr, auch der Krach sei "längst beigelegt", dementierte nicht Trovato, der telefonisch nicht erreichbar war, sondern der Internetdienst "Netzpress". Der "Baslerstab" gehöre "für seinen menschenverachtenden Journalismus zur Kasse gebeten", forderte Chefredaktor Beat Alder in einem Ton, als sei er Trovatos Sprachrohr.

17. Januar 2002

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Gnadenbrot
Für das körperlich-geistige Wohlergehen seiner Belegschaft sorgt sich Beat Meyer, CEO der Basler Mediengruppe ("Basler Zeitung", Noch-Jean-Frey-Verlag). Zu Jahresbeginn und als Aufmunterung schenkte er den durch Spardruck und Gesundschrumpfung gepeinigten Mitarbeitenden 82 Gramm "Basler Mediensuppe" der Marke Knorr "Feinerbs mit Schinken". Der Inhalt reiche für mehrere Personen, mahnt Spender Meyer auf einer opulenten Verpackung, "ihn zu verwässern oder gar ein eigenes Süppchen daraus zu kochen, lohnt sich nicht". In der Tat: Mit 25 Kalorien pro Dezi ist die Mediensuppe der Mediengruppe kaum ein leistungssteigerndes Kaft-Mahl - schon eher ein Gnadenbrot.

6. Januar 2002

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Kranken-Verunsicherung
Um die Ordnung im Abrechnungssystem der Krankenversicherung Helsana müsste sich Chef Manfred Manser vermehrt kümmern. Ein Versicherter erhielt diesen Monat eine ärztliche "Leistungsabrechnung" über Fr. 655.75, obschon er gar nicht beim Arzt war. Wenige Tage später beglückte ihn Helsana mit der Prämienrechnung für die "sechs Monate August-Juni 2002". Als er eine korrekte Rechnung "Januar-Juni 2000" anforderte, erhielt er bloss einen Einzahlungsschein, allerdings mit Fr. 25.80 Ermässigung. "Leider", so Backoffice-Sachbearbeiterin Monika Frey, sei bei der Prämienrechnung "der Skonto von 1,2 Prozent nicht berücksichtigt" worden. Bloss ein Einzelfall? Helsana hat immerhin 1,4 Millionen Mitglieder.

30. Dezember 2001

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Salami-Taktik
Striktes Kostenbewusstsein hat sich der Basler Pharmakonzern Novartis unter Chef Daniel Vasella verschrieben. Das musste auch Urs Fricker, Mitglied der Werkmusik, erfahren. An Generalversammlungen und andern offiziellen Anlässen hatte er als Mitbegründer der Tambourengruppe während 28 Jahren die Trommel für Ciba-Geigy und später für Novartis gerührt. Zu Jahresende belohnte die Firmenleitung das Engagement der musizierenden Mitarbeiter jeweils mit einem würzigen Salami. Vergangenes Jahr zogen die Manager des Konzerns (Nettogewinn 6,6 Milliarden Franken) die Sparbremse: "Aus Kostengründen" gabs keinen Salami mehr. So zahlte der Werkmusikverein die Wurst eben aus dem eigenen Sack. Dem gedienten Tambouren Fricker schmeckte die selbstbezahlte Fleischware nicht mehr: Er gab den Austritt aus der Werkmusik.

22. Januar 2001

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Gegen-Genuss
Ciba und später auch die Novartis pflegten den Brauch, die Basler Journalisten jeweils zu Jahresbeginn zu einem abendlichen "Presse-Plausch" mit kulturellem Anstrich einzuladen. Während Novartis dieses Jahr erstmals darauf verzichtete (Kostengründe?), führte der im November ausgegliederte Agrokonzern Syngenta den Anlass weiter. Diese Woche ging's erst ins neue Basler Musik-Museum und dann zum Essen in den "Teufelhof". Damit zeigte sich Syngenta liberales Flair: Das Speiselokal zählt zu den ersten, die garantiert gentechfreie Speisen anbieten. Syngenta-Manager Arthur Einsele, überzeugter Gentech-Botschafter, scheint's dennoch geschmeckt zu haben.

22. Januar 2001

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Internet-Feuer
Nicht weniger als 50 Millionen Franken wollen Swisscom, UBS, Valora, Mobilar und der Schweizerische Gewerbeverband in das KMU-Portal "plenaxx.com" investieren und ab Herbst kleineren Unternehmen die Nutzung des Internet erleichtern. Beim vorgängigen Pilotversuch mit dem Kantonalzürcher Gewerbeverband hat auch der FDP-Nationalrat und Gewerbeverbands-Direktor Hans Rudolf Gysin die Nase weit vorn. Der Chef der Baselbieter KMU-Wirtschaftskammer hat für den Cyberspace plötzlich Feuer gefangen. Das war nicht immer so: Als hartnäckiger Internet-Skeptiker, der lange eine eigene Verbands-Homepage für entbehrlich hielt, musste Gysin noch vor zwei Jahren allein schon beim Abschicken eines E-Mails um fachlichen Rat nachsuchen.

17. Juni 2000

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Flinten-Liebe
Immer im Mai kracht's in Liestal, wenn die Mannen des Garnisonsstädtchens früh morgens zum Banntag mit Flieder, Tulpe und Welschgras auf dem Hut aufbrechen, in vier "Rotten" die Gemeindegrenzen abmarschieren und mit ihren Böllerschüssen Präsenz markieren. Mit einem Gewehr, in dem zwecks Erzeugung eines Zweifach-Knalls zusätzlich ein mit Schwarzpulver gefülltes Röhrchen in den Lauf gesteckt wurde, kam es letztes Jahr zu einem Unfall: Ein Mädchen am Bein verletzt, Flinte beschlagnahmt, Strafanzeige. Nun sorgte sich die "Basellandschaftliche Zeitung" (BZ) von Verleger Mathis Lüdin dieser Tage gleich vierspaltig darüber, dass sich die Flinte noch immer in amtlicher Gewahrsam befindet - weniger aber darüber, dass das Strafverfahren gegen den Böller-Mann kaum vom Fleck kommt. Nun denn: Der Unglücksschütze ist Sohn des BZ-Verlegers. Ihn, aber auch die besorgte "Basellandschaftliche Zeitung" können wir beruhigen. Denn "OnlineReports" weiss: Die inkriminierte Flinte wird noch vor dem diesjährigen Liestaler Banntag vom 29. Mai dem rechtmässigen Besitzer zurück gegeben, auf dass er auch dieses Jahr nicht auf seine geliebten Böllerschüsse verzichten muss.

21. Mai 2000

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Phantom-Interviewer
In ihrer neusten Ausgabe publiziert die "Weltwoche" eine peinliche Berichtigung. Im Interview "Nachfrage nach teuren Uhren ist steigend" vom 25. November sei Nicolas G. Hayek, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der Swatch Group, "auf Grund eines Missverständnisses" als Interviewpartner erschienen. Tatsächlich stammten die veröffentlichten Antworten "von der Swatch-Group-Pressestelle und nicht von Herrn N. G. Hayek". Das Missverständnis bezog sich wohl auf die journalistische Berufsauffassung, die Etikettenschwindel - ein Hayek-Interview ist immer gut - ächtet: Das Phantom-Interview war dem Uhren-Boss offensichtlich nicht zur Autorisierung vorgelegt worden, sonst wäre das sogenannte Missverständnis rechtzeitig aufgeflogen.

9. Januar 2000

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Intakte Stricke
Obschon die SP in den Nationalratswahlen an Wählerstimmen leicht zulegen konnte, war der Zürcher Nationalrat Andreas Gross mit der Leistung von Generalsekretär Jean-François Steiert nicht zufrieden. Er habe den Wahlkampf "schlecht, nicht besonders kreativ oder originell" geführt, berichtet der "Bund". Der angegriffene Funktionär dürfte sich umgekehrt die Frage stellen, wie effizient und kreativ Gross Unterschriften für die dümpelnde Uno-Initiative sammelt. Dem Vernehmen nach habe der Basis-Demokrat und Ko-Initiant diesbezüglich nicht allzu grosse Stricke zerrissen.

5. November 1999

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Stumm-Signale
Der eidgenössische Wahlkampf liegt in der Schlussphase. "Jede Stimme zählt!", fleht es unisono aus allen Parteizentralen. In einer "Wahlzeitung der SP Schweiz" (Impressum), garniert mit einem Beitrag von Präsidentin Ursula Koch, haben die Sozialdemokraten vorsorglich das nackte Notenblatt der "Internationalen" abgedruckt - ohne Verse. So kann durchaus sein, dass die linke Hymne nach SP-Wahlerfolgen, so sie denn eintreten, bloss im Summton erklingt. Denn sie hörten, ach, die Signale: Wer schon die Melodie nicht kennt, kann den Vers auch missen.

17. Oktober 1999

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Heimspiel
Ein halbes Jahr nach Lancierung von Bertelsmann Online International öffnet der deutsch-amerikanische Mediengigant Bertelsmann jetzt auch einen schweizerischen Medien-Shop. Es wird ein echtes Heimspiel für Heinz Wermelinger. Der Chef des internationalen Online-Geschäfts von Bertelsmann ist Schweizer und ebenso begeisterter wie erfolgreicher Wettbewerbs-Tänzer. Gegenüber "Bilanz" gab einmal zu Protokoll: "Das Tanzen gab mir viel. Ich lernte, vor die Leute zu stehen." Ab kommendem Mittwoch kann er zeigen, dass die Schweizerinnen und Schweizer Buchkonsumenten auch hinter ihm stehen und künftig bei ihm online ihre Schmöker kaufen.

29. September 1999

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Aha-Erlebnis
"Falsche Zahlen!", tönte es defensiv entrüstet aus der Novartis-Zentrale, als die SonntagsZeitung über einschneidende Abbaupläne in der Agro-Division berichtete. Im Werk Monthey werde keine einzige Stelle abgebaut. Selbst die Gewerkschaft GBI adaptierte die Novartis-Version. Diesen Mittwoch, bei der Präsentation der neuen Agro-Strategie, liess es Divisionschef Heinz Imhof ganz beiläufig fallen: Nicht wie angekündigt 200, sondern 250 Stellen würden in der Schweiz abgebaut - davon 50 Stellen durch Frühpensionierungen im Werk Monthey.

16. September 1999

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Service privé
Reto Braun, tarifgieriger Konzernchef der Schweizer Post, verkündete diese Woche mit einer Zustelldauer von zwei Tagen das Ende des Paket-Chaos. Doch seine Botschaft war offensichtlich nicht rechtzeitig an die Basis der Kundenfront gesickert. Irgendwo in einer Filiale der Schweizer Schneckenpost wollte letzten Dienstag ein Kunde zum normalen Preis von Fr. 4.70 ein Paket aufgeben, das bis zum Wochenende am 40 Kilometer entfernten Ort eintreffen sollte. "Da kann ich gar nichts garantieren", meinte die Schalterbeamtin sorgenvoll, nur eine Express-Lieferung zum Tarif von 15 Franken könne aus der Patsche helfen. Der Kommentar eines Beobachters: "Das ist die Umkehr des Service publique: Bestraft für das Chaos der Paketpost wird der Kunde."

20. Juni 1999

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Business-Harmoniker
Eine Neujahrskarte mit führungspolitischer Note versandte Pedro Reiser, seit dreieinhalb Jahren Präsident der Novartis Pharma in Japan. Darin schildert er, wie er den durch seinen rüpelhaften Vorgänger gefeuerten Direktor wieder einstellte, was unter dem Management Tränen der Rührung ausgelöst habe. In Japan gründe das Geschäften - anders als in den USA und in Europa - "auf der Harmonie unter den Menschen". Schon 48 Stunden nach seiner Ankunft in Tokyo habe er etwas begriffen, "was in keinem Manager-Handbuch steht".

22. Dezember 1998

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FlorissiDirectmailer
Internet-Handel ist in aller Munde und online georderte Blumenbouquets immer häufiger in aller Augen. Dass bei der Bestellung per E-Mail die Adressangabe unerlässlich ist, macht sich Peter Widmer vom Migros-Genossenschaftsbund zunutze: Wer einmal via "Florissimail" geordert hat, wird hinterher sofort mit Werbeprospekten eingedeckt. "Florissimail sind Blumengrüsse, die ankommen", jubiliert Peter Widmer in seinem neusten Angebot. Und wir fügen an: "Auf Florissimail folgt das Directmail."

18. November 1998

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Mehrfachlernender
Die Hintergründe, die die SonntagsZeitung und REPORTS über die Datenmanipulationen im Novartis-Krebslabor aufdeckte, gereichten Konzernchef Daniel Vasella nicht zur Freude. Falsch waren sie nicht: Die Fälschung sei "eine Katastrophe", bestätigte Alex Matter, Leiter der Krebsforschung der Novartis Pharma AG, in einem Leserbrief in der NZZ. Nicht nur seien Millionenschäden entstanden, auch seien "mehrere Tausend von Tieren in der Tat nutzlos geopfert" worden. Noch schlimmer aber sei, dass "möglicherweise Krebspatienten zu Schaden hätten kommen können". Matters selbstkritisches Fazit: "Der Fall war uns sicher eine Lehre in mehrfacher Hinsicht, und Massnahmen sind ergriffen oder noch geplant, um die experimentelle Forschung sicherer zu machen vor Manipulation und Fälschung."

12. Oktober 1998

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Qualitäts-Entwickler
Die geschäftliche Entwicklung von Novartis befindet sich derzeit in einer Talsohle. Doch die Novartis-Spitze schafft anderweitig Reputation: Während Alexander Krauer als Vertrauensträger interimsweise das UBS-Präsidium übernahm, liess sich Konzernchef Daniel Vasella durch den American Jewish Congress (AJC) ehren. Vasella erhielt den diesjährigen "Humanitarian Award". Der Novartis-Chef habe zur "Hebung der Lebensqualität für alle Menschen" beigetragen - so durch sein Engagement für das Friedenszentrum Shimon Peres in Tel Aviv oder das von Novartis unterstützte Programm "Seeds of Peace", mit dem israelische und arabische Kinder zuammengebracht werden.

4. Oktober 1998

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Versuchs-Chef
Hoffmann-La Roche legt jeweils Wert auf die Feststellung, dass die Gewichtspille Xenical ausschliesslich gegen "krankhafte Fettleibigkeit" konzipiert wurde, "und nicht für Models, die an der Hüfte gern zwei Zentimeter weniger hätten" (so Sprecher Peter Wullschleger). Nun erfahren wir aus gewöhnlich gut informierten Kreisen, Roche-Präsident Fritz Gerber habe Xenical persönlich im klinischen Versuch getestet. Von "krankhafter Fettleibigkeit" freilich haben wir beim ranken Roche-Primus bisher noch nichts entdeckt.

30. September 1998

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Falschzähler
Auf die derzeitige Preissenkungsrunde im Auslandbereich scheint die Swisscom von Tony Reis technisch nicht suboptimal vorbereitet zu sein. Zahlreiche Gebührenzähler zeigen derzeit noch die falschen alten Tarife an. Grund seien technisch veraltete Telefonzentralen, die nicht in der Lage seien, "dieses neuen Tarife direkt zu verrechnen". Radu C. Rüdisühlis Basler Swisscom-Geschäftsstelle betont indes, es gebe "keinen Grund zur Besorgnis": Wirklich in rechnung gestellt würden die neuen (günstigeren) Tarife und in einigen Wochen seien auch die Telefonzentralen in der Lage, Tarifsenkungen auf dem Gebührenzähler korrekt widerzugeben. Eine Rückfrage von "Reports" auf die in der Referenz des Swisscom-Briefs angegebene Telefonnummer erbrachte zunächst nur Fassungslosigkeit: "Mit dem, was Sie mich hier fragen, kann ich nichts anfangen", meinte die Dame, die über den Brief der Swisscom basel an die betroffenen Kunden offensichtlich nicht Bescheid wusste.

22. Juli 1998

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Meteopolitiker
Die in Positionsnot stehende CVP will ihr Profil der "dynamischen Mitte" zurückgewinnen - vor allem dort, wo es etwas zu holen gibt. So beispielsweise einen Nationalratssitz im Kanton Basel-Stadt, wo die mandatslosen Parteichristen schon den Niedergang der Rheinstadt beschwören, falls wiederum kein CVP-Vertreter nach Bern entsandt wird. Wie Parteipräsient Carlo Conti seinen Mitgliedern diese Woche schrieb, bestimmt bei der CVP jedoch vor allem das Wetter die Agenda: Durch den frühsommerlichen Mai, so Conti, seien die politischen Tagesgeschäfte "eher in den Hintergrund" gerückt, heisst es im Parteiorgan, das bereits eine "erholsame Sommerpause" wünscht. Bleibt die Frage: Erholen wovon?

21. Juni 1998

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BAiZer
Nicht nur in Zürich will die "Basler Zeitung" mit ihrem Jean-Frey-Verlag mehr Präsenz markieren - auch auf der stark frequentierten SBB-Linie Olten-Basel. "Eine gute Million" steckt Generaldirektor Peter Sigrist derzeit in die Renovation des firmeneigenen Restaurants "Bahnhof" in der Oberbaselbieter Gemeinde Gelterkinden. Nicht nur gemeinnützige Motive dürften den Basler Print-Patron zum Entscheid bewogen haben, die leicht miefige Rauch-und-Bier-Beiz in einen freundlichen Treffpunkt mit Gästezimmer und Säli zu verwandeln: Die Planer evaluieren offenbar auch einen geeigneten Standort für eine BaZ-Werbetafel überm Wirtshausschild.

21. Juni 1998

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Zutritts-Aktionär
Mitten in der Versammlung der Clariant-Aktionäre befand sich am 12. Juni auch ein Ueberraschungs-Investor: Christoph Wiedmer, Chef der Waldkampagne von Greenpeace. Die Umweltorganisation hatte vor einem Monat eine Clariant-Aktie erstanden - allerdings nicht zum Zweck profitabler Anlage von Spendengeldern, sondern um sich Zutritt zur Generalversammlung zu verschaffen und gegebenenfalls das Wort zu ergreifen. Vor dem Basler Kongresszentum protestierten nämlich Aktivisten vor einem Riesenbären gegen die Abholzung des westkanadischen Regenwaldes zur Gewinnung von Zellstoff. Gemäss Wiedmer soll es bei der einen strategischen Zutritts-Aktie bleiben.

15. Juni 1998

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Aussteiger
Allmählich, von Jahr zu Jahr etwas mehr, beginnen die Schweizerischen Bundesbahnen ihre Ticketkäufer(innen) als Kunden wahrzunehmen. Gelegentlich jedoch muss Bahn-Boss Benedikt Weibel sektoriell Rückschläge hinnehmen. Schon fast chronisch falsch sind die Ansagen in den Regionalzügen von Olten nach Basel. "Basel Endstation, bitte alle aussteigen", tönt es bei der Einfahrt in die Rheinstadt, obschon derselbe Zug anschliessend gleich nach Laufen und Delsberg weiterfährt. Chronisch ist mittlerweile auch das mitleidige Lächeln der Zugpassagiere: Mit ihrer Hartnäckigkeit bekommt die Falschansage zunehmend Unterhaltungswert - vielleicht ein neues Profitcenter der SBB!

1. Februar 1998

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Vor-Fahrer
Das traditionelle englisch-schweizerische Politiker-Skirennen in Davos gibt noch immer psychologische Rätsel auf. Dass Bundesrat Adolf Ogi mit einem Abstand von neun Zehntelssekunden auf den Bündner Turbo-Nationalrat Duri Bezzola bloss Zweiter wurde, soll dem Magistraten emotional stark zugesetzt haben. "Er nimmt das todernst. Man konnte vor dem Rennen gar nicht richtig mit ihm reden", meinte ein Teilnehmer. Um Bezzolas Bestzeit doch noch zu unterbieten, ging der neue Sportminister ebenso kämpferisch wie unprogrammgemäss nochmals an den Start - als Vorfahrer der Kategorie "Frauen". Zwar verbesserte sich die 55jährige Skikanone um wenige Zehntel, zu neuer Bestzeit reichte es nicht. Abermals gab sich der Verteidigungsminister nicht geschlagen. Doch der dritte Angriff auf den Sieg scheiterte vollends: mit einem veritablen Sturz. Da machte es der Basler FDP-Nationalrat Johannes Randegger mit einer reifen Familienleistung besser: Er verpasste als Vierter knapp die Medaillenränge, dafür gewann seine Frau in der Kategorie "Frauen" und seine beiden Söhne Gian-Andrea und Flurin holten gar die Plätze eins und zwei in der Kategorie "Kinder".

14. Januar 1998

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Kolumnismus
Am 19. Dezember 1997 geht eine aussergewöhnliche Schweizer Polit-Karriere zu Ende: Nach 34 hingebungsvollen Jahren tritt der Basler SP-Nationalrat Helmut Hubacher aus dem Parlament zurück. Für ihn rückt die Grossrätin Christine Keller nach. "Ich könnte problemlos e fuule Siech sein", kommentiert der epochale Linke gewohnt markant seinen Abschied aus dem Bundeshaus. Doch damit keine Deminenz auftaucht, will er sich unstandesgemäss "selber unter Produktionsdruck setzen": Er bleibt dem Publikum erhalten, indem er ab Januar nicht weniger als drei Angebote für Kolumnen wahrnimmt - in der "Schweizer Illustrierten", der "Basler Zeitung" und in seinem gewerkschaftlichen Leibblatt "Der Eisenbahner".

14. Dezember 1997

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Dampfkochtopf
Der öffentliche Missmut gegenüber der Gentechnologie scheint sich in den letzten Jahren kaum verringert zu haben. Dafür hapert es zunehmend mit dem Job-Sharing im Haushalt, was sich das neuformierte "Frauenkomitee Ja zur Genschutz-Initiative" zunutze macht. Kritischer stünden die Frauen der Gentechnik gegenüber, weil sie "auch heute noch meist als Hauptverantwortliche für das Wohl ihrer Familienangehörigen sorgen". Frauen seien es, "die einkaufen und kochen und sich dabei bewusst sind, dass eine gesunde Ernährung gerade für Kinder von elementarer Bedeutung ist", heisst es im bewahrenden CVP-Stil einer Verlautbarung die neben Verena Soldati auch die frühere Poch-Landrätin Florianne Koechlin unterschrieben haben. Die Aussage trifft wohl zu, zukunftsgerichtet ist sie kaum: Die familienpolitische Rückwärtsrolle ist insofern nützlich, dass auch im Genschutz der Dampfkochtopf immer lauter pfeift.

6. Dezember 1997

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Abhebung
Der Basler SP-Ständerat Gian-Reto Plattner entpuppt sich mehr und mehr als anpassungsfähiger Verwandlungskünstler. Wie das bei Amts- und Würdenträger so ist, legte er erst sein Bergler-Outfit (handgestrickter Pullover und Bart) ab, dann verschob sich allmählich auch seine politische Optik. Die Genschutz-Initiative lehnt er ab und im Ständerat votierte er jüngst gegen die von der überparteilichen Solar-Lobby längst geforderte Energielenkungsabgabe. Solche "Monsterkalberei" (Peter Bodenmann) hat Folgen: Jetzt trat Plattner aus dem Stiftungsrat der Greina-Stiftung zurück - und kam damit einem Ausschluss zuvor. Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Greina-Stiftung, hielt für "nicht mehr tragbar", wie sich Plattner "vom Paulus zum Saulus" gewandelt hatte. Beobachter aus Plattners SP-Fraktion registrieren seit einiger Zeit, wie der Basler Standesherr zynisch und abgehoben politisiert. Ihn braucht's nicht zu kümmern, schliesslich muss er als einziger Basler Ständerat das ganze Volk vertreten: Bis zur Wahl die Linken, nach der Wahl die Rechten.

28. November 1997

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Sämchen
Im drogenpolitischen Fortschrittskanton Baselland wächst Hanf aus bürgerlicher Zucht am wuchtigsten. Dies stellte sich in einem innerparlamentarischen Wettbewerb heraus, nachdem im Frühjahr grüne Landräte jedem Ratsmitglied ein Briefchen mit Hanfsamen aufs Pult gelegt hatten. Offiziell gewann mit einer beglaubigten Höhe von 1.93 Metern zwar der SP-Jurist Claude Janiak. Der freisinnige Paul Schär reichte aber hinterher die Angabe von 2.13 Metern nach. Sein Parteikollege Dölf Brodbeck nahm an der Konkurrenz zwar nicht teil, will aber schwindelerregende Höhen von drei Metern erreicht haben. Auch aus der SVP-Fraktion waren - inoffiziell - schöne Ergebnisse gemeldet worden. Doch nicht überall schien die Pflanzung auf Anhieb geklappt zu haben: "Teilweise", so die grüne Landrätin Maya Graf, "mussten wir noch Sämchen nachliefern..."

27. September 1997



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