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© Fotos by Ruedi Suter / OnlineReports

"Ohne eine Tropfen Treibstoff": Transatlantic-Katamaran, Aktivist Vosseler


Weltrekords-Traum: Im Sonnen-Katamaran über den Atlantik

Im Muttenzer Auhafen wurde Martin Vosselers rekordverdächtiges Energiesparschiff in den Rhein gelassen

VON RUEDI SUTER

Der ausschliesslich mit Sonnenenergie betriebene Katamaran "sun21" wird Mitte Oktober von Basel aus seine Fahrt zum Meer und über den Atlantik nach Amerika starten. Heute Donnerstagnachmittag wasserte das Gefährt in Muttenz. Hinter dem Vorhaben steckt ein Basler Engagement für erneuerbare Energien. Und der Traum, es mit Hilfe der Sonne in das Guinness-Buch der Rekorde zu schaffen.

Langsam, sehr langsam schwebte der Katamaran aus dem makellos blauen Himmel auf den Rhein hinunter. Um 15.10 Uhr setzte der hoch oben in der Kabine sitzende Kranführer im Muttenzer Auhafen das breitbeinige Boot auf das Wasser. Mit chirurgischer Präzision, kein Ruck, kein Laut, nicht einmal ein Spritzer.

Dafür spürbare Erleichterung bei den Beteiligten. Das grosse Abenteuer einiger Querdenker schien gut zu beginnen, an diesem sonnendurchfluteten Donnerstag. Und womöglich geht dieser erste Wasserkontakt des auf "sun21" getauften Katamarans gar in die Geschichte der Seefahrt ein. Denn mit dem ausschliesslich durch Sonnenenergie angetriebenen Schiff soll in Bälde der atlantische Ozean überquert werden. Gelänge dies, hätte die Menschheit einen neuen Weltrekord zu feiern.

Zwei Tage im Schneckentempo von Yverdon zum Auhafen

Gebaut worden ist der 14 Meter lange, 6,5 Meter breite und 11 Tonnen schwere Katamaran von Bootskonstrukteur Mark Wüst. In seiner Werft MW-Line SA in Yvonand bei Yverdon wurde das Boot vom Spezialtransportunternehmen Friderici nach etlichen Berechnungen und dem Einholen zahlreicher Sonderbewilligungen auf einen Mercedes-Lastwagen gehievt und im Schneckentempo mit Polizeieskorte nach Muttenz gefahren.

Zwei Tage dauerte der Transport, mit Umwegen, Stopps und viel Zirkeln, bei dem Chauffeur Marcel immer wieder heikle Zentimeterarbeit zu leisten hatte. Endlich im Auhafen, kam die aufgeladene "sun21" ausgerechnet neben den schweren Kisten des Alstom-Energiekonzerns zu stehen, die für den von Umweltschützern und Menschenrechtlern heftig kritisierten Dreischluchten-Staudamm in China bestimmt sind.

Das Solarboot wird vom Basler Geist getragen

Just auch gegen solche Projekte will der Sonnen-Katamaran antreten. Nicht zufällig fährt er unter dem Namen "sun21". Dieser steht seit 1997 auch für einen unterdessen international bekannten Verein in Basel, der sich mit Erfolg die Nutzung und Bekanntmachung erneuerbarer Energien auf die Fahne geschrieben hat. Sein jährliches Energieforum am Rheinknie hat schon viele Anstösse gegeben, Projekte in Gang gesetzt, Spezialisten vernetzt und weit blickende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik nach Basel geholt.

Auch Katamaran "sun21", der von dem 2005 gegründeten Verein "Transatlantic21" getragen wird, ist mit dem Energieforum verbunden. Das gegen eine Million Franken teure Experimentier-Schiff mit den Zwillingsbugen soll im nächsten Frühling zum zehnjährigen Bestehen des Vereins "sun21" beim UNO-Hauptsitz in New York anlegen. Mit dabei sein wird der Basler Arzt und Mitweltschützer Martin Vosseler. Der Gründer der "sun21" ist auch Präsident von "Transatlantic21". Er pflegt enge Kontakte zur visionären Basler Ärztin und Mäzenin Daniela Schlettwein, die mit ihrer Unterstützung und ihren Kontakten die meisten Sun-Projekte erst möglich machte.

"Der Solarschifftechnik gehört die Zukunft"

Die Überfahrt mit dem Katamaran wird allerdings eine reine Männersache. Neben Vosseler und Wüst, der die Solarboot-Technik zur kommerziellen Nutzung entwickeln will, kommt als erfahrener Hochsee-Skipper Michel Thonney hinzu. Ferner beteiligen sich der Historiker Beat von Scarpatetti und der Biologe Urs Wehrli am solaren Transatlantik-Abenteuer. Mit von der Partie ist schliesslich David G. Senn, Professor für Zoologie und Meeresbiologie an der Universität Basel. Für ihn ist die "sun21" ein Forschungsschiff, mit dem er vor allem das Plankton untersuchen will.

Alle Beteiligten wollen mit dem Solarboot, das "ohne einen Tropfen Treibstoff" auf die Reise gehen wird, insbesondere den "Durchbruch der Solartechnik in der Schifffahrt" unter Beweise stellen. Ihre Begründung: "Ein Grossteil der zunehmenden Gütertransporte auf unseren Weltmeeren, aber auch viele Freizeitboote könnten mit umweltfreundlicher Solarenergie betrieben werden. Der Solarschiffstechnik gehört die Zukunft. Was ihr für den Durchbruch noch fehlt, sind mehr Bekanntheit und Vertrauen."

Kein Mangel an Kommunikationsmitteln für Notrufe

Doch vorher soll der unter Schweizer Flagge fahrende Katamaran mit dem Flachdach aus robusten Solarmodulen am 14. Oktober in Basel getauft werden. Danach schwimmt "sun21" auf dem Rhein gen Rotterdam. Dort wird es nach Spanien verschifft. Der Rekordversuch über den Atlantik startet voraussichtlich im Dezember in Sevilla. Nach der Fahrt auf dem Guadalquivir zum Meer nimmt das Sonnenboot Kurs auf die Kanarischen Inseln und die Kapverden, um darauf die Karibik und Florida anzupeilen. Von dort aus geht es schliesslich die Ostküste hinauf nach New York.

Die Crew hofft, dass die insgesamt 7'000 Seemeilen ohne Stürme und Wellenbrecher gemeistert werden können. Jedenfalls verfügt sie über modernste Kommunikationsmittel, mit denen im schlimmsten Fall auch Notrufe abgesetzt werden können. Doch die Mannschaft zeigt sich zuversichtlich. Anstelle eines dreifachen "MAYDAY" erwartet sie vor allem Erfreuliches: Glück, einen weiten Horizont, Sonnenschein à discretion - und damit ganz automatisch auch den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.


Massarbeit von Chauffeur Marcel.
Die "sun21" auf dem Sattelschlepper.
New York ist das Ziel:
7'000 Seemeilen.
Der Katamaran hebt ab:
Gewicht 11 Tonnen.
Im Wasser vor Anker. Die Solarmodule sind noch nicht montiert.
Vosselers erster Einsteig


16. Oktober 2006: Katamaran-Start mit Bundesrätin Micheline Clamy-Rey in Basel

21. September 2006

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