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"Architektur als Kunstkonzept": Stadt-Casino Entwickler Hadid, Heverin

Stadt-Casino: Architekten nehmen Kritik auf und passen Entwurf an

Regierung betont Vertrauen in Bauherrin / Auch Baselland scheint zu substanzieller Beteiligung bereit

VON PETER KNECHTLI

Die Mobilisierungskampagne und Debatte um das neue Stadt-Casino Basel geht weiter: Die Regierung beantragt dem Parlament einen Kredit von 38,5 Millionen Franken, Architektin Zaha Hadid präsentierte eine deutliche Optimierung des Projekts, die Casino-Gesellschaft steht geschlossen hinter dem kulturpolitisch historischen Vorhaben. Und aus dem Baselbiet scheint ein zweistelliger Millionenbetrag in Griffweite.

Die irakische Architektin Zaha Hadid war heute Donnerstagnachmittag direkt aus London eingeflogen, um zusammen mit ihrem Berufskollegen Jim Heverin den Medien die aktuellen Pläne des neuen Stadt-Casinos Basel vorzustellen - "Optimierungen, nicht Korrekturen", wie Gesamtprojektleiter Cyrill Häring präzisierend betonte. Auffälligste Anpassung ist eine Rücksichtnahme auf eine häufig gehörte Kritik: Im Bereich der Barfüsserkirche wurde das Projekt von 24 Meter Höhe auf 12 Meter abgesenkt, wodurch die Kirche und das Historische Museum einerseits mehr "Luft" erhalten und anderseits der Neubau eine zusätzliche elegante Note gewinnt.

Rücksicht auf Barfüsserkirche

Wie Häring auf eine Frage von OnlineReports meinte, werden durch die Absenkung des Entwurfs "verschiedene Nebenräume" wie Büros gestrichen, verkleinert oder andernorts platziert. Mit der neulichen Werbekampagne soll das Projekt, an dem schon seit vier Jahren gearbeitet werde, eine "breitere Akzeptanz erhalten". Hauptkritikpunkte waren die vermeintliche massive Verkleinerung des Barfüsserplatzes, eine Beeinträchtigung der Barfüsserkirche und die Auskragung in Richtung der Tramhaltestelle. Eine animierte Ansicht des Projekts zeigt nun das Casino als einen ebenso eleganten und transparenten wie fulminanten kulturellen Schauplatz im Herzen Basels, der es gegenüber dem heutigen Schrebergarten-Groove schwer macht, die Berechtigung einer Fundamental-Opposition zu erkennen.

Nach der Verkleinerung der Dimension ist laut Häring geplant, die Konturen des neuen Stadt-Casinos sichtbar zu machen. "Profilstangen sind aber der falsche Weg", meinte Häring und kündigte noch wenig konkret eine "künstlerische Darstellung" an. Der Projektleiter erklärte auch, dass sich die Casino-Gesellschaft Basel an einer Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen zu über 95 Prozent hinter das Projekt gestellt habe.

Vertrauen in die Casino-Gesellschaft

Dass das Hadid-Projekt auch das Vertrauen der Regierung gewonnen habe und die Casino-Gesellschaft als Bauherrin dieses Vertrauen auch verdiene, betonte die Basler Regierungspräsidentin Barbara Schneider. Zwei Ratschläge - eine Finanzierungsvorlage über 38,5 Millionen Franken und eine baurechtliche Vorlage, die eine Umzonung in eine Zone "mit Nutzung im öffentlichen Interesse" vorsieht - unterbreitet die Regierung dem Parlament. "Das Casino geniesst in höchstem Mass ein öffentliches Interesse", warb Schneider für das neue Kulturzentrum. Überdies kündigte sie an, dass der Musiksaal auch unter kantonalen Denkmalschutz gestellt werden soll. Die Baudirektorin unterliess bei allem Optimismus nicht den Hinweis darauf, dass der Bebauungsplan Gesetzescharakter hat und dem Referendum untersteht.

Die Regierungsrätin zeigte sich überzeugt davon, dass "der Bau jetzt in einer gesunden Umgebung zur Barfüsserkirche steht", und dass der Schattenwurf den gesetzlichen Erfordernissen entspreche. Zehn Einsprachen gegen die öffentliche Planauflage - fast allesamt aus dem Gastgewerbe, von Gigi Oeris "Stiftung Steineck" sowie vom Heimatschutz Basel - sind eingegangen. Die Regierung beantrage dem Grossen Rat, so die Baudirektorin, diese Einsprachen abzulehnen. Noch ungelöst ist der Streit mit dem im Casino eingemieteten Restaurationsbetrieb Gastrag, der den langjährigen Mietvertrag nicht vorzeitig auflösen will.

Michael Koechlin, Leiter der Abteilung Kultur im Basler Erziehungsdepartement, erinnerte daran, dass die private Casino-Gesellschaft "ohne staatliche Betriebssubventionen sehr günstige Konzertsäle" anbiete. Das Projekt stelle die "architektonische Formulierung eines Kulturkonzepts" dar, das für Offenheit, Transparenz und Nutzung für alle stehe. Koechlin: "Der neue Konzertsaal wird sehr schnell über die Region hinaus zu einem gefragten Ort." Er hoffe, dass der Basler heimatschutz "nicht nur Gebäude schützt, sondern auch die Entwicklungsfähigkeit der Stadt". Koechlin stellte sich bei allen Sparbemühungen auch hinter das Basler Sinfonieorchester und kündigte an, dass diese Formation das Konzert zur Eröffnung des neuen Basler Casinos geben werde.

Baselbiet mit zweistelligem Millionenbetrag?

Als kleine Überraschung liess Koechlin auch aus dem Sack, dass das Baselbiet eine substanzielle Beteilung plane, zu deren Höhe schwieg er aber beharrlich. OnlineReports fragte beim Baselbieter Erziehungsdirektor Urs Wüthrich nach. Fazit: Die Regierung werde kommenden Dienstag einen Grundsatzentscheid fällen, ob ein solcher Beitrag gesprochen werden soll und - falls ja - in welcher Höhe er ausfallen werde. Nach seiner persönlichen Vorstellung befragt, sagte Wüthrich, es müsse "mehr sein als ein Beitrag an die Vorhänge". Er gehe von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Diese Bereitschaft des Baselbiets dürfte unter den Basler Projektverantwortlichen aus finanziellen, aber auch aus taktischen Überlegungen äusserst willkommen sein.

Die Bauherrin hält am Ziel eines Baubeginns am 7.7.2007 und an der Eröffnung am 9.9.2009 fest.

Animation des Entwurfs von Zaha Hadid Architects, vor Modifikation, Stand Januar 2005 (Quicktime, 29 MB)


  > ZAHA HADID IN BASEL

Am Freitag, 16. Juni 2006, 16.30-18.00 Uhr, präsentiert Zaha Hadid das Projekt "Neues Stadt-Casino Basel" der Öffentlichkeit.

Ort: Stadtcasino Basel, Steinenberg 14, 2. Stock, Grosser Festsaal. Eintritt frei.

15. Juni 2006

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  > ECHO

"In höchstem Masse inspirierend"

Verschiedenste architektonische Stilarten, auch wenn sie in einem - optisch - krassen Widerspruch zueinander stehen, empfinde ich deshalb als in höchstem Masse inspirierend, weil sie den "ewigen Beweis" führen, dass die Stadt lebt, weil die Stadt denkt, dass die Stadt sich verändert, weil die Stadt schöpft! Dass unsere Polis - Gott, den alten Griechen oder wem auch immer sei Dank - die Fähigkeit noch nicht verloren hat: Aus der Freiheit des Denkens und des Handelns zu schöpfen, sich Monumente dieses höchsten aller Werte zu schaffen!

Die Gefahr, dass "Uniformität", dass "perfekte architektonische Harmonie" die Oberhand gewinnt, sollte nicht unterschätzt werden. Sie ist akut, wie dieses und andere Foren zeigen. Zu meinem nicht geringen Erstaunen massen sich hier und dort Leute - selbstverständlich ohne nähere, geschweige denn plausible Begründung - an, anerkannte architektonische Kunstwerke als "Klotz" und dergleichen mehr zu bezeichnen. Meistens wird das durch eine mindestens ebenso ignorante ökonomische Begründung arrondiert.

Die Alternative zum Wagnis Freiheit, des Denkens, des Sein, des Handelns, kann man in Geschichtsbüchern "bewundern". Die "architektonische Vollkommenheit" in Nazi-Deutschland und in der DDR zum Beispiel oder auch in Norkorea.

Patric C. Friedlin
Basel



"Grössenwahnsinniges Projekt"

Nach rund 40 Jahren bin ich vor einem Jahr nach Basel zurückgekehrt und beginne meine Stadt wieder zu entdecken. Unwahrscheinlich, was einem da für Bausünden aus den sechziger und siebziger Jahren ins Auge springen. In der Zeit der Hochkonjuktur war offenbar niemand interessiert, auf die alten Bauten Rücksicht zu nehmen.  Zwischen schönen Altstadthäusern stehen hässliche Beton-Klötze. Und nun soll tatsächlich der Barfi auch noch verschandelt werden, durch ein völlig grössenwahnsinniges Projekt. Grössenwahnsinnig bezüglich Ausmass, aber auch bezüglich Kosten. Offensichtlich wollen sich da ein paar Leute, darunter auch Baudirektorin Schneider, ein Denkmal setzen. Ich hoffe fest auf ein Referendum. Der Preis von 40 Millionen Franken, den wir Steuerzahler aufbringen dürfen, ist eindeutig zu hoch für diesen überdimensionierten Klotz.

Rita Dubois
Basel



"Nicht geschlossen hinter dem Projekt"

Die Mitglieder der Casino-Gesellschaft stehen keinesfalls geschlossen hinter dem Projekt. Es gab 11 Gegenstimmen, die Enthaltungen wurden nicht gezählt.

Alexandra Nogawa
Basel



"Soll eine weitere Chance verpasst werden?"

Wer unter Google nach "Kulturstadt Basel" sucht, findet etwas über 1700 Einträge. Vielschichtig werden Anstrengungen unternommen, Basel als Kulturstadt zu positionieren. Doch Chancen werden nicht ausgelassen, um dem entgegen zu wirken. Man denke nur an die verpasste Chance der Wettsteinbrücke von Calatrava, welcher letztendlich ein "namenloses" teureres Projekt vorgezogen wurde. Mit dem neuen Casino hat Basel eine Möglichkeit, wieder einen Schritt weiter Richtung Kulturstadt zu gehen. Sollte dieser verpasst werden? Basel wäre damit auf bestem Wege, weiter in die Provinzialität abzugleiten. Hätten Baslerinnen und Basler in den vergangenen Jahrhunderten ähnlich gedacht und gehandelt, was wäre Basel heute?

Patrice J. Baumann
Oberwil



"Der Neubau passt nicht zum Puppenmuseum"

Was soll denn dieser Fremdkörper des geplanten Casino-Neubaus in unserer schönen alten Stadt Basel? Hier ist "alt" ein Kompliment, denn die Stadt Basel hat eine wunderschöne Altstadt, die unbedingt erhalten werden soll und dazu gehört auch der Barfi.
 
Warum wird denn nicht auf die Architektur der Häuser in der Nachbarschaft Rücksicht genommen? Danke Gigi Oeri (und natürlich allen anderen Einsprechern auch), dass Sie eine Einsprache deponiert haben, denn zu Ihrem hübschen Puppenmuseum passt nun dieser überdimensionerten Neubau nicht - oder besser ausgedrückt - der Neubau passt nicht zum Puppenmuseum sowie zu den übrigen Häusern in der direkten Nachbarschaft.

Liselotte Groeflin
Füllinsdorf



"Werden Schwächen verschwiegen?"

Unverständlich, dass die Casino-Gesellschaft keinerlei Anstalten macht, die wirklichen Ausmasse des Architektur-Wunderbaus mit Profilstangen für jedermann deutlich sichtbar zu machen. Die Ankündigung, mit einer "künstlerischen Darstellung" über das Projekt zu informieren, lässt vermuten, dass auch das neue Projekt Schwächen hat, die lieber verschwiegen werden. Dank dem Referendum über den Millionenbeitrag aus er leeren Staatskasse werden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger letztlich entscheiden, was ihnen das historische Stadtbild wert ist. Vielleicht überlegt sich die Casino-Gesellschaft angesichts des sicheren Nein zum Beitrag aus der Staatskasse, ob ein anders Projekt, eventuell auch an einem anderen Standort, bessere Chancen hat. Den Rat von Dieter Stumpf zu befolgen, wäre ein kluger Schritt.

Bruno Honold
Basel



"Endlich die richtigen Fragen diskutieren"

Meiner Meinung nach geht es bei der Auseinandersetzung und Opposition rund um das Hadid-Casino nicht um die Erhaltung des alten, eher hässlichen und nicht mehr zeitgemässen Casinos, sondern um die Verhinderung eines hässlichen neuen Hadid-Casinos! Dieses unsensible, auf die Altstadt-Umgebung und die Barfüsserplatz-Situation keinerlei Rücksicht nehmende Projekt wird vor dem Volk keine Chance haben. Wenn Basel schnell zu einem neuen Casino kommen will, muss die Übung jetzt sofort abgebrochen und ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben werden. Der Umweg über eine lediglich einen Scherbenhaufen zurücklassende Volksabstimmung geht auch mir zu lang. Reculer pour mieux sauter!

Dieter Stumpf
Basel



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