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"Gelegenheit zur Beobachtung": Neuer Basler Kiesstrand an Rhein

Kleinbasel erhält eine Riviera am Rhein

Oberhalb der Wettsteinbrücke entsteht ein Dorado für Wasserratten und Sonnenanbeter

VON PETER KNECHTLI

Basel ist um eine - noch heimliche - Attraktion reicher: Durch die Aufschüttung des Rheinufers auf Kleinbasler Seite oberhalb der Wettsteinbrücke entstand eine kleine Oase der Lebensfreude. Der noch schmale Kiesstreifen hat Potential: Wenn er sich bewährt, könnte daraus in drei Jahren ein 30 Meter breiter Fluss-Strand entstehen.

Es ist schulfreier Mittwochnachmittag. Trotz der feuchten Bruthitze von 32 Grad sind es erst wenige, die im Rhein schwimmenderweise Erholung suchen. Auch auf dem gut zehn Meter breiten und etwa 500 Meter langen Kiesstreifen zwischen Wettsteinbrücke und St. Alban-Fähre tummeln sich erst vereinzelte Sonnenhungrige, die meisten zieht es in den Schatten. Ein jüngerer Mann lässt sich nicht beirren und gibt sich am strandartigen Ufer seiner Buchlektüre hin.

"In erster Linie Uferschutz"

Was Aussicht hat, in den bevorstehenden Sommermonaten scharenweise Flussbadende anzulocken, entstand jedoch aus ganz anderem Zweck: Der dieses Frühjahr geschaffene Uferstreifen ist nichts anderes als 3'000 Kubimeter Kies, die rheinaufwärts auf der Höhe der Birs-Mündung ("Birsköpfli") aus der Schifffahrtsrinne gebaggert und schräg gegenüber auf der rechten Uferseite deponiert wurden. "Wir bauten hier keinen Strand, sondern schützten den Böschungsfuss durch Einkiesen", betonte Ruedi Bossert, Leiter der Abteilung Wasserbau im Basler Baudepartement, gegenüber OnlineReports. Vor zwanzig, dreissig Jahren lag an der gleichen Stelle auch schon Kies. "Es wurde aber insbesondere durch Hochwasser sukzessive abgetragen." Auch Tiefbauamts-Sprecher André Frauchiger betont: "Es ist in erster Linie Uferschutz, der verhindern soll, dass die Böschung unterspült wird."

Ganz ohne Hintergedanken freilich dürfte der Birskies nicht am Kleinbasler Ufer deponiert worden sein. Denn dieses Gebiet steht im Rahmen des "Aktionsprogramms Stadtentwicklung" als eigentlicher Rhein-Strand zur Diskussion: Eine ausladende Kieselstein-Fläche von 25 bis 30 Metern Breite und 800 bis 900 Metern Länge, die sich von der Wettsteinbrücke bis zum Anfang der Solitude erstreckt, befestigt durch mehrere Steinbuchten. Dieses Projekt, das Kosten von mehreren Millionen Franken zur Folge hätte, wurde aber aus finanziellen Gründen auf das Jahr 2008 zurückgestellt.

Die jetzige Mini-Aufschüttung, meint Ruedi Bossert, "gibt uns die Gelegenheit, die Standfestigkeit zu beobachten". Bei normalem Wasserstand, ist er überzeugt, sollte die Kiesbank halten. Eine andere Frage sei, wie sie sich bei Hochwasser verhalte.

Blosse lebensfreude oder Party-Szene

Zur geplanten "Riviera am Rhein" steht Bossert ambivalent. Bisher waren freudige Zustimmung ("eine enorme Sommer-Attraktion"), aber auch kritische Einwände etwa von Anrainern und Wasserfahrern zu hören. Die Ängste betreffen nicht einen geordneten Bade- und Freizeitbetrieb, sondern die potenzielle Gefahr, dass sich am neuen Basler Badestrand eine dumpfe Drogen- und Partyszene etabliert, die lärmt und nicht davor zurückschreckt, Bierflaschen in die Kiesel-Landschaft zu schmettern: Scherben verderben den Spass. Bosserts persönliche Meinung: "Ich würde den Uferstreifen so lassen, wie er sich heute präsentiert, eventuell etwas ausgeweitet. Ein breiter Strand entspricht nicht dem Charakter einer Stadt."

Garantiert steht aber auch die heutige Teil-Aufschüttung den Erholung Suchenden nicht immer zur Verfügung: "Steigt der Wasserpegel um 20 Zentimeter", weiss Ruedi Bossert, "ist der Strand weg".

23. Juni 2005

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"Alles, was das Federvieh so fallen lässt"

Gewiss, dieser aufgeschüttete Kieselstrand wertet das Rheinufer auf und lädt natürlich die Bevölkerung dazu ein, am Rhein etwas Kühlung zu erhaschen. Eine Ausdehnung Richtung Mittlerer Brücke wäre sicher sinnvoll. Aber eben, da kommen sie dann wieder, die lieben Vandalen: Zerschlagene Glasflaschen, Unrat jeder Art, einfach alles, was das liebe Federvieh so fallen lässt. Sobald es dunkel wird, ist dieser jetzt noch kurze Kieselstrand an Rheinbord der ideale "Cruising-Point" für Homos, wie ich jüngst feststellen konnte. Kiffer, Säufer, Bongotrommler und Typen mit Ghettoblaster werden sicher bald auftauchen. Dann muss wieder die Polizei ausrücken, um die Nachtruhestörer auszuschalten. Die hässlichen, blauen Abfallcontainer müssten dann schleunigst an den Kieselstrand umparkiert werden - so fest montiert, dass diese Dinger kein Weich-Ei in den Rhein schmeissen kann.

Ich sehe eher schwarz für diese Basler Rhein-Riviera am oberen Rheinweg, leider, leider wohl nur total verschwendete Steuergelder. Den Vandalen sei Dank!

Amelie Christen
Basel



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