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© Foto by Claude Giger / Picturebâle

"Nicht im Klaren": Begehrter Arbeitsplatz Lehrstelle

Lehrstellen-Projekt: Zwei grosse Verbände steigen aus

Basler Volkswirtschaftsbund und die Handelskammer beider Basel wollen einen eigenen Weg gehen

VON PETER KNECHTLI

Eklat in der Lehrstellen-Task-Force des Basler Erziehungsdepartementes: Der Basler Volkswirtschaftsbund und die Handelskammer beider Basel ziehen sich aus dem Gremium zur Schaffung von 400 neuen Attest-Lehrstellen zurück und gehen einen eigenen Weg mit offenen Erfolgsaussichten. Der Entscheid löst Irritation aus.

Die Task Force hatte sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten drei bis vier Jahren 400 neue zweijährige Attest-Lehrstellen für leistungsschwache Jugendliche zu schaffen, die die früheren Anlehren ersetzen. Jetzt bleibt der Gewerbeverband als einziger Verein in der Task Force übrige. Volkswirtschaftsbund und Handelskammer begründen ihren Rückzug so: "In den von ihnen hauptsächlich vertretenen Branchen – wie Industrie, Banken, Versicherung und Beratung – sind kaum Stellen im niederschwelligen Sektor vorhanden. Aus diesem Grund halten es die entsprechenden Unternehmen auch nicht für zweckmässig, junge Menschen auszubilden, für die sie anschliessend keine eigene Einsatzmöglichkeit sehen. Ein Verbleib der beiden Verbände in der Task Force würde damit bei den interessierten Kreisen falsche Erwartungen wecken."

Beschränkte Ausbildungsbereitschaft

Auf die Frage von OnlineReports, ob diese Erkenntnis nicht auch schon vor dem Entscheid zur Teilnahme in der Task Force hätte vorhanden sein können, meinte Barbara Gutzwiller-Holliger, neue Direktorin des Basler Volkswirtschaftsbundes: "An sich teilen wir die Besorgnis der Regierung, dass wir zu wenig Stellen für Attest-Lehrlinge haben. Aber wir waren uns nicht im Klaren darüber, dass unsere Firmen zu wenig solcher Lehrstellen anbieten können." Dienstleistungsfirmen wollten nur Lehrlinge ausbilden, "die sie später auch beschäftigen können".

Die Volkswirtschaftsbund-Direktorin macht aber keinen Hehl daraus, dass sie die Erreichbarkeit von 400 Attest-Lehrstellen anzweifelt: "Das ist eine hohe Zahl. Ich will aber nicht behaupten, sie sei unerreichbar."

Die beiden Verbände, deren Mitgliedfirmen über vierzig Prozent der in Basel-Stadt angebotenen Lehrstellen anbieten, wollen jetzt "in einer internen, breit abgestützten Arbeitsgruppe evaluieren, wie ihre Mitgliedfirmen zur Problemlösung beitragen beziehungsweise ob und unter welchen Voraussetzungen sie Attest-Lehrstellen schaffen können". Laut Barbara Gutzwiller-Holliger wollen die beiden grossen Arbeitgeberverbände bis Ende dieses Jahres abklären, ob in ihren Firmen überhaupt Attest-Lehrstellen geschaffen werden können, und wie viele es allenfalls sein werden.

Erziehungsdirektor kündigt Communiqué an

Markus Grolimund, Generalsekretär des Basler Erziehungsdepartementes, äussert Bedauern darüber "wenn die beiden Verbände ausschieden". Daraus darf geschlossen werden, dass das Departement allenfalls noch für einen Verbleib kämpfen wird. Grolimund kündigte für morgen Freitag ein Communiqué des noch ferienabwesenden Erziehungsdirektors Christoph Eymann an: "Für uns ist wichtig, dass die beiden Verbände im Programm bleiben". Grolimund bekräftigte, dass "wir am Ziel der 400 Lehrstellen festhalten, das es hier um eine gesellschaftlich ganz wichtige Aufgbe geht". Das Hauptgewicht der Aktivitäten werde aufgrund des Lehrstellenprofils ohnehin beim Gewerbeverband liegen.

Gewerbeverband "irritiert"

Auf Kopfschütteln stösst der Rückzug der Verbände beim Basler Gewerbeverband, dessen Direktor Peter Malama von OnlineReports über die Neuorientierung erfuhr. "Wir sind irritiert und bedauern diesen Rückzug. Alle Akteure sollten am gleichen Strick ziehen. Niemand sollte sich aus der Verantwortung ziehen und Sonderzüglein fahren." Gemäss Malama "ist die Berufsausbildung als Verbundaufgabe, an der Eltern, Schule die Politik und die Wirtschaft ihre Verantwortung mittragen müssen". Auch die Wirtschaft habe somit ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

Angesprochen auf die neue Situation meinte Malama: "Für mich heisst dies, dass wir uns noch stärker engagieren und in die Lücke springen." Bis Lehrbeginn 2006 sollen erst einmal 100 zusätzliche Lehrstellen gechaffen werden. Seit zwei Wochen seien in verschiedenen Branchen, darunter auch im kaufmännischen Bereich, fünf Lehrstellenakquisiteure unterwegs. Malama zum bisherigen Rendement: "Erste Rückmeldungen hören sich sehr positiv an."

25. August 2005

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