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"Autonomie muss bleiben": CMS-Manager Moppert (links) und Felber (rechts)

"Es gilt, gegen Einmischung Grenzen zu setzen"

Christoph Merian Stiftung: Der abtretende Präsident Felix Moppert kritisiert Bürgergemeinde

VON PETER KNECHTLI

Die Basler Bürgergemeinde beschränke sich nicht nur auf die Oberaufsicht über die Christoph Merian Stiftung (CMS), sondern es gebe Tendenzen, sich auch in die operativen Geschäfte der Stiftung einzumischen. Dies sagte heute Felix CMS-Präsident und Bürgerrat Felix Moppert in der Bilanz kurz vor seinem Rücktritt. Bekannt wurde ausserdem, dass die Stiftung im unteren St. Johann-Quartier massiv in die Hebung der Wohn- und Lebensqualität investieren will.

Wie es sich für eine moderne, aktive und wirkungsorientierte Institution gehört, werden bei der Verabschiedung des Präsidenten nicht nur salbungsvolle Worte verbreitet. So auch heute Donnerstagmorgen im Kleinbasler Begegnungszentrum "Union", in dem die Spitze der wohlhabenden Christoph Merian Stiftung - grösste private Landeigentümerin der Schweiz - nach zwölf Jahren ihren Präsidenten Felix Moppert (49) verabschiedete und eine Bilanz des Erreichten und Unerreichten zog.

"CMS muss auf ihre Autonomie pochen"

Fest steht, dass die CMS je 4,5 Millionen Franken aus dem Vermögensertrag an die Bürgergemeinde und die Einwohnergemeinde abgibt. Während das Verhältnis der Stiftung zur Einwohnergemeinde als "problemlos" gilt, scheint die Bürgergemeinde begehrlicher, wie der abtretende CMS-Präsident Felix Moppert kritisch anmerkte. Seit rund vier Jahren seien in der Bürgergemeinde Kräfte wie Dieter Werthemann bemerkbar, die sich in operative Stiftungsgeschäfte einmischten, die nichts mehr mit der reguläre Mittelverwendung zu tun hätten. Moppert: "In der Zukunft wird es wichtig sein, dass die CMS auf ihre Autonomie pocht." Hier gelte es, "Grenzen zu setzen", denn der testamentarische Wille Christoph Merians sei gewesen, dass eine Kommission - der heutige Stiftungsrat - die Verwaltung der Stiftung "autonom besorgt".

Moppert tritt am 6. September zurück, die Wahl seines Nachfolgers - im Gespräch ist der Liberale Lukas Fäsch - dürfte eine Woche später erfolgen. Anwalt Moppert plant nun, wie er OnlineReports gegenüber erklärte, eine Ausbildung im Bereich der Wirtschaftsmediation in Brugg oder Konstanz: "Die Konfliktfälle in Firmen nehmen zu, auch die Auseinandersetzungen zwischen Firmen." Hier seien Vermittlerkräfte gefragt, die teure Prozesse mit Siegern und Verlierern verhindern könnten.

Fokus neu auf unterem St. Johanns-Quartier

CMS-Direktor Christian Felber liess in einer Würdigung Mopperts zahlreiche erfolgreiche - und auch einige gescheiterte - Projekte der letzten zwölf Jahre Revue passieren - vom Ausstieg aus dem "Lohnhof"-Projekt und dem Umstieg der stiftungseigenen Landwirtschaftsgüter auf biologischen Landbau über Migrationsprojekte und Austausch-Künstlerateliers bis zur Budget- und Schuldenberatungsstelle, dem Bau des Begegnungszentrums "Union" im Kleinbasel oder der Renovation des Museums für Gegenwartskunst.

Wie Walter Brack in seinem "Werkstattbericht" erklärte, will die Stiftung nach intensiven Aktivitäten im Kleinbasel den Hauptakzent jetzt ins untere St. Johann-Quartier verschieben. Derzeit finden Bestandesaufnahmen und Bevölkerungsbefragungen statt. Aufgrund des bisherigen Rücklaufs, so Brack, lasse sich klar erkennen, dass die Schwächen des Quartiers die Stärken bei weitem überwiegen, was Handlungsbedarf nahe legt.

Investitionen von mehreren Millionen Franken

Als Stärken genannt wurden bisher die Hoffnung auf Aufwertungsimpulse durch den Novartis-Campus und den Kanton durch den Abschluss der Nordtangente, die sozialen Institutionen, die Bevölkerungsdurchmischung und die Nähe zu Rhein und Innenstadt. Die Schwächen: Die besser situierte Bevölkerung zieht weg, zu geringe Grünflächen und unvollendeter St. Johannspark, ein Mangel an grösseren und bezahlbaren Wohnungen, Lärm und Verkehr, Drogenhandel und Kriminalität, fehlende Begegnungszentren und Quartierkontaktstellen, keine geeigneten Räume zur Durchführung von Anlässen sowie ein ausgedünntes kulturelles und gastronomisches Angebot.

Laut Brack sollen schon ab Mai kommenden Jahres in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und zu ihrem Nutzen die ersten Projekte realisiert werden. Bis ins Jahr 2010, so Direktor Felber, "ist es möglich, dass wir mehrere Millionen Franken investieren".

1. September 2005

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