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Foto Rosi Troxler

Zählt zu den bekanntesten Schweizer Reiseschriftstellern: René Gardi


Buch- und Filmautor René Gardi gestorben

Er vermittelte ein Afrika-Bild der glücklichen Menschen und unberührten Lebensräume

VON RUEDI SUTER

Der Schweizer Schriftsteller, Fotograf und Filmer René Gardi ist am Dienstag in einem Berner Pflegeheim eine Woche nach seinem 91. Geburtstag verstorben. Dies teilte sein Sohn Bernhard Gardi, Konservator am Museum der Kulturen Basel, am Mittwoch auf Anfrage dem Basler Informationsservice OnlineReports mit.

René Gardi hat mit seinem Werk das Afrika-Bild vieler Schweizerinnen und Schweizer von den 50er bis zu den 70er Jahren nachhaltig geprägt. Es war ein aus heutiger Sicht eher idealisierendes Bild, welches das Dasein der afrikanischen Menschen in ihren von der Zivilisation noch beinahe unberührten Lebensräumen zeigte.

Gardis bevorzugte Reiseziele waren die südliche Sahara mit den Tuareg-Nomaden, die dem europäischen Schönheits- und Freiheitsideal entsprachen, sowie Nordkamerun, wo er in den immer wieder besuchten Mandara-Bergen mit ihrer ursprünglich lebenden Bauernbevölkerung sein Paradies fand.

Zeugnisse verlorener Kulturen

"Mein Vater hat im Sinne "zurück zu den Wurzeln" nicht die modernen Städte, sondern das afrikanische Hinterland repräsentiert", erklärte Sohn Bernhard, ebenfalls Afrika-Forscher. René Gardi, der seine Fotos fast nie arrangierte und der Zivilistation vorwarf, "den materiellen Wohlstand mit dem Glück zu verwechseln", notierte und machte Bilder im Bewusstsein, dass seine Dokumentationen bald zu Zeugnissen verlorener Kulturen würden.

Gardi unternahm 1936 als Mittelschullehrer seine erste Reise - nach Skandinavien. Nach den vielgelesenen Knabenromanen "Schwarzwasser" und "Gericht im Lager" machte sich Pfadfinder Gardi 1945 selbstständig. Nun folgte eine Reise nach der anderen, 40 Jahre lang, vorab nach Afrika und Neuguinea. Zu seinen bekanntesten Buchtiteln, gehören "Blaue Schleier - rote Zelte (1950), "Mandara" (1953), "Der schwarze Hephästus" (1954), "Kirdi" (1955), "Tambaran" (1956), "Sepik" (1958) sowie die Monographien "Sahara" (1967), "Unter afrikanischen Handwerkern" (1969) und "Auch im Lehmhaus lässt sich's leben" (1973).

Träger zahlreicher Auszeichnungen

Seine Erlebnisse und Erkenntnisse gab der Berner Weltenbummler mit dem einmaligen und umfassenden Bilderarchiv auch an zahlreichen Vorträgen weiter. Grosse Aufmerksamkeit fanden seine Filme "Mandara" (1959) und "Die letzten Karawanen" (1967). Für sein Schaffen erhielt der rührige Selfmademan verschiedene Auszeichnungen wie den Jugendbuchpreis des Schweizerischen Lehrervereins (1963), den Ehrendoktor in Ethnologie der Universität Bern (1967) sowie eine Ehrengabe des Kantons Bern für das Gesamtschaffen (1979).

Ob René Gardi ganz anders oder überhaupt je über Afrika geschrieben haben würde, wenn er dort auch jahrelang gelebt hätte, bleibt eine offene Frage. Sicher ist aber, was Christraud Geary vom National Museum of African Art in Washington D.C. feststellt: "Kein Schriftsteller und Fotograf, der sich mit Afrika befasste, übte in den fünziger bis in die siebziger Jahre hinein einen solch prägenden Einfluss im deutschsprachigen Raum aus wie er."

9. März 2000

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(c) by Peter Knechtli