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Foto: OnlineReports

"Mir geht es gut": Basler FDP-Politikerin Andrea Frost-Hirschi
Gesprächspartnerin Andrea Frost-Hirschi ist seit 1999 Basler Grossrätin. Die 40jährige Juristin und Personalchefin des Claraspitals wurde diesen Sommer zusammen mit Polizeidirektor Jörg Schild als Teil einer freisinnigen Zweier-Kandidatur für die Regierungsratswahlen nominiert. Mitte August sagte Andrea Frost-Hirschi ihre Kandidatur auf dem bürgerlichen Fünfer-Ticket aus ernsthaften gesundheitlichen Gründen überraschend ab. Am 22. Oktober wurde sie als Grossrätin wieder gewählt. Von 1997 bis 1999 war sie im Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern Fachreferentin für Gesundheit, Kultur und Gleichstellung. Andrea Frost-Hirschi ist verheiratet und lebt in Basel.


"Das dramatische Ereignis traf mich überraschend in den Ferien"

Die Basler FDP-Grossrätin Andrea Frost-Hirschi über den überraschenden Rückzug von der Regierungsrats-Kandidatur und ihre künftige Rolle als Politikerin

VON PETER KNECHTLI

Erstmals seit ihrem überraschenden Rückzug als Basler Regierungsrats-Kandidatin Mitte August bricht die freisinnige Grossrätin Andrea Frost-Hirschi ihr Schweigen: Gegenüber OnlineReports erklärt sie, wie sie als Frau in den Ferien selbst von einem dramatischen gesundheitlichen Ereignis überrascht wurde, wie die Öffentlichkeit Mitgefühl zeigte, und weshalb sie engagiert weiter politisieren will.

OnlineReports: Frau Frost, wie fühlen Sie sich heute, wenige Tage nach dem ersten Wahlgang der Basler Regierungsratswahlen?

Andrea Frost-Hirschi: Ich habe mich gefreut über das Ergebnis der bürgerlichen Viererliste. Mein Entscheid, die Kandidatur frühzeitig zurück zu ziehen, war aufgrund dieses Ergebnisses richtig. Wenn ich kandidiert hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass einer meiner Kollegen oder ich in den zweiten Wahlgang hätten gehen müssen, grösser gewesen. Die Wahl war ein klares Signal dafür, was die Leute in Basel wollen: Eine bürgerliche Regierung, die Brücken baut und auch klare Zeichen setzt.

OnlineReports: Haben Sie bedauert, dass bei Bekanntgabe der Ergebnisse Ihr Name fehlte?

Frost-Hirschi: Ich denke nicht. Es war ein so eindeutiges und erfreuliches Ergebnis, das so herauskam, wie wir es eigentlich wollten.

OnlineReports: Welches wäre der Effekt gewesen, wenn Sie im ursprünglichen Fünfer-Ticket kandidiert hätten?

Frost-Hirschi: Das Risiko für die gesamte Fünferliste wäre grösser geworden, weil mehr Kandidierende in den zweiten Wahlgang hätten gehen müssen. Die Konzentration der Kräfte auf vier Kandidaten war sicher günstig. Ich habe mir natürlich auch Chancen ausgerechnet, sonst hätte ich mich nicht aufstellen lassen. Aber wahrscheinlich hätte ich in den zweiten Wahlgang müssen.

Es war ein dramatisches gesundheitliches und emotionales Problem, das mich als Frau in den Ferien überraschend traf.

OnlineReports: Sie haben sich Mitte August, für die Öffentlichkeit völlig überraschend, durch Rückzug Ihrer Kandidatur aus dem Wahlkampf zurückgezogen. Was war der Grund?

Frost-Hirschi: Es war eine dramatisches gesundheitliches und emotionales Ereignis, das mich als Frau in den Ferien überraschend traf. Und dies stellte mich vor den Kräfte-Entscheid: Ich konnte mich nicht voll im Wahlkampf engagieren und zugleich auch meine beruflichen Pflichten wahrnehmen. Es war ein sehr persönlicher Entscheid, den ich mit meinem Mann treffen musste.

OnlineReports: Können Sie uns sagen, welches die medizinische Diagnose war?

Frost-Hirschi: Es war ein einmaliges Ereignis, das man als Frau einmal erleben kann. Und es braucht einige Zeit, um dieses Ereignis zu verarbeiten.

OnlineReports: Wie geht es Ihnen heute?

Frost-Hirschi: Meine tägliche Arbeit als Personalchefin im Claraspital habe ich bereits nach anderthalb Wochen wieder aufgenommen. Heute geht es mir persönlich gut. Ich habe mich gut erholt. Und bin froh, dass ich mir diese politische Auszeit erlaubt habe.

OnlineReports: Fühlten Sie sich in der schweren Zeit nach dem Rückzug durch Parteileitung und Mitglieder getragen?

Frost-Hirschi: Ja, sehr stark. Ich habe 500 Briefe erhalten und zahlreiche Telefonanrufe von Leuten aus der Politik, die ich teils nicht einmal so gut kannte. Es waren Kontakte von rechts und links, Alten und Jungen, Frauen und Männern. Ebenso war der Kontakt zur Partei ungebrochen. Schliesslich haben sich auch die Medien mir gegenüber sehr professionell verhalten und mir den nötigen persönlichen Freiraum gewährt. Das ist eben auch baslerische Qualität: Man hat einen Umgang mit einander.

Die FDP sollte ab und zu ein menschlicheres Gesicht zeigen und dies auch kommunizieren.

OnlineReports: Die Parteileitung sprach damals davon, dass die Partei "im Moment Zielscheibe von Schicksalsschlägen" sei und durch Ihren Rückzug "Schaden genommen" habe. Hat Sie diese Aussage verletzt?

Frost-Hirschi: Es war für die Partei tatsächlich eine schwierige Situation. Die Partei hat aber keinen Schaden genommen, wie das hervorragende Ergebnis im ersten Wahlgang zeigt. Die FDP sollte aber ab und zu ein menschlicheres Gesicht zeigen und dies auch kommunizieren.

OnlineReports: Welches war der Grund, weshalb Sie damals keine öffentliche Begründung Ihres Verzichts abgaben?

Frost-Hirschi: Auch als Person des öffentlichen Interesses gibt es einen bestimmten Anspruch auf Schutz der Persönlichkeit und der Privatsphäre. Durch die Umstände, die ich nicht näher nennen will, war ich in meinen persönlichen Bereichen sehr stark betroffen.

Ich wusste, dass meine Probleme vorübergehender Natur sind.

OnlineReports: Sie haben damals Ihre Grossratskandidatur nicht zurückgezogen - was war der Grund?

Frost-Hirschi: Ich wusste, dass meine Probleme vorübergehender Natur sind und ich gern Grossrätin bin. Ich wusste, dass ich die parlamentarische Arbeit weiterführen kann, wenn ich mich wieder erholt habe.

OnlineReports: Sie wurden am Wochenende glanzvoll wiedergewählt. Werden Sie Ihr Amt antreten und ausüben können?

Frost-Hirschi: Natürlich, in vollem Umfang, und ich freue mich auch sehr darauf.

Eine erneute Regierungskandidatur würde ich nicht ausschliessen.

OnlineReports: Können Sie sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt erneut als FDP-Regierungskandidatur zur Verfügung zu stehen?

Frost-Hirschi: Dieser Entscheid wird immer durch die Gesamtpartei gefällt. Wenn sich diese Frage wieder stellt, dann schauen wir dies wieder gemeinsam an. Ausschliessen würde ich es nicht. Aber ich bin nicht die Einzige, die über die entsprechenden Möglichkeiten verfügt. Es gibt einige fähige Frauen in unserer Partei.

VORGESCHICHTE

26. Oktober 2000

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© by Peter Knechtli