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Trinationales Umwelt-Zentrum in Weil eröffnet

Das Oeko-Zentrum ist bei Benützung öffentlicher Verkehrsmittel kaum zu finden

Von Ruedi Suter

Die transnationalen Umweltprobleme der Regio gemeinsam anpacken will das Trinationale Umweltzentrum (Truz), das am Samstag in Weil am Rhein eingeweiht wurde. Ob es sich freilich erfolgreich für Umweltanliegen einsetzt oder zum grünen Feigenblatt ambitionierter Politiker und naturfremder Fortschrittler verkommt, muss sich erst noch zeigen.

In Scharen kamen sie am am 13. März zur Einweihung, die Gäste aus Umweltbereich, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Sie suchten sich ihren Weg zwischen den Trümmerfeldern und Wühlarbeiten für die bevorstehenden Landesgartenschau "Grün 99" zum bumerangförmigen Neubau der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid. Dank der Sonne kamen viele angeradelt oder anspaziert, oft auf Irrwegen, sind doch die Zugangswege erst mal für Autos angelegt. Und jene, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisten, hatte ihre liebe Mühe, das neue Zentrum überhaupt zu finden.

"Nichts desto Truz" (Motto) liessen die zahlreichen Rednerinnen und Redner das Zentrum und dessen Ziel (enger, professioneller und grenzüberschreitender Umweltschutz im Dreiländereck) hochleben. Bereits sind unter dem Dach der neuen Truz-Zentrale 49 Umweltinitiativen, Gebietskörperschaften, Institutionen und Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz versammelt. Die Schaffung eines über die Grenzen vernetzten Grünsystems ("Regiobogen"), Förderung der Solarenergie und die Umweltbildung wurden vom Weiler Bürgermeister und Truz-Förderer Klaus Eberhard als erste "ambitionierte Projekte" genannt.

"Die Ausschöpfung eines ausgesprochen hohen Potentials an fundierter Sachkenntnis aus drei Ländern ist eine enorme Chance, im Umweltbereich eine gleiche Auffassungs- und Sprachregelung zu finden, die die Besonderheiten der jeweils betroffenen Länder berücksichtigt", sagte Eberhard zur Begrüssung.

Schweizer Gäste sprechen Problemfelder an

Es gehe um die Förderung der Lebensqualität in der Regio, bei der "das Gemeinsame den Vorrang vor dem Trennenden" haben müsse, meinte der südbadische Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg: "Das Truz ist keine 'Truz-Burg' ökologischer Aktivisten gegen etwas, sondern ein Gemeinschaftsprojekt für die Region.

Auf europäischer Ebene werde das Oberrheingebebiet mit seinen Umweltbemühungen als "Pilotregion" beobachtet, versicherte Adrien Zeller, Präsident des Elsässischen Regionalrates. Er freue sich auf die "transregionalen Synergien".

Freude am Umweltzentrum bekundeten auch die offiziellen Gäste aus der Schweiz, ohne allerdings die möglichen Probleme zu verschweigen. Basels Baudirektorin Barbara Schneider lobte das Ziel der grenzüberschreitenden Umweltkooperation und die Absicht, das Zentrum auch von Betrieben, Wirtschaftsverbänden und Behörden tragen zu lassen - was "noch vor zehn Jahren an den verhärteten Fronten gescheitert wäre". Trotz der momentanen Euphorie aber sei das Truz "dem rauhen Wind des Marktes ausgesetzt: Es muss längerfristig die nötigen Mittel erwirtschaften und damit seine Dienstleistungen definieren und verkaufen können", warnte die Regierungsrätin. Basel bezahle darum dem Umweltspezialisten Markus Ritter ein befristetes Mandat, um die nötigen konzeptionellen Grundlagen für eine finanzielle Sicherstellung des Zentrums erarbeiten zu können. Dennoch dränge sich die Lösung grenzüberschreitender Aufgaben direkt auf. Stichworte: Abfallentsorgung, Verkehrsprobleme oder die Erhaltung der Naturschätze im Dreiländereck.

"Ein Oeko-Valley Oberrhein"

Klare Worte auch von Rita Schiavi Schäppi, der Vizepräsidentin des Oberrheinrates, der sich als wache Vertretung der Bevölkerung am Oberrhein versteht: Das Truz könne auch aufzeigen, "dass strengere Massnahmen im Umweltbereich nicht zum wirtschaftlichen Ruin" führten. Ihr persönlich schwebe ein "Öko-Valley Oberrhein" vor, in dem Umwelt- und Wirtschaftsleute mit der Einsicht zusammenarbeiteten, "dass nur eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung längerfristigen Erfolg verspricht", schloss Schiavi.

Welchen Beitrag Basel-Stadt an die trinationale Zusammenarbeit leisten kann, erklärte der Basler Nationalrat und Direktor des Gewerbeverbandes, Christoph Eymann: "Ein für Umwelt- und Energiebelange aufgeschlossenes Klima, eine neue Lenkungsabgabe auf Strom und die internationale Kongresswoche für eine nachhaltige Energiezukunft, die SUN 21".

WWF mit Vorbehalten

Gegen das Truz gibt es aber auch Vorbehalte. Noch nicht beteiligt ist u.a. der WWF Region Basel. Koordinator Dieter Stumpf: "Ich persönlich habe Mühe mit Politikern, die sich für das Truz stark machen und gleichzeitig die angrenzende landschaftszerfressende Zollfreistrasse durchboxen wollen." Das Truz wird nun beweisen müssen, dass es im Verlaufe der nächsten Jahre standhaft die Umweltanliegen vertritt und nicht zum grünen Feigenblatt ambitionierter Politiker und Baulöwen wird.




Stichworte zum Truz

Was ist das Truz?
Unter dem Dach des 1995 gegründeten und jetzt in den "Hadid-Bau" umgezogenenen Trinationalen Umweltschutzzentrums Truz (CET auf Französisch) engagieren sich zurzeit 49 Umeltinitiativen, Gebieteskörperschaften, Firmen, Unternehmen und Ämter aus den drei Ländern Schweiz, Deutschland und Frankreich für den regionalen und grenzüberschreitenden Umweltschutz.
Welche Ziele verfolgt das Truz?
• Beratung, Entwicklung und Umsetzung des lokalen und grenzüberschreitenden Naturschutzes; Betreuung von Schutzgebieten; Erstellung von Naturschutzprogrammen.
• Förderung und Verbreitung von optimierten und ressourcenschonenden Energiesystemen.
• Entwickeln von Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität im Dreiländereck; Förderung von intelligenten umwelt- und menschengerechten Verkehrssystemen.
• Entwicklung und Verbreitung von Programmen, die der lokalen Erhaltung und Verbesserung der Umwelt dienen.
• Natur- und Umweltbildung in Kindergärten, Schulen etc. und in den Schulungsräumen des Truz in Weil oder der Petite Camargue Alsacienne in Saint-Louis oder draussen in der freien Natur (Verantwortungsbewusstsein entwickeln und fördern, Ergänzung des Schulunterrrichts, grenzüberschreitende Aktivitäten im Naturschutz koordinieren und verstärken)
Wer finanziert den Truz-Betrieb? Die Finanzierung des Truz ist vorab dem EU-Interreg-Programm zu verdanken. Mehr als 163.000 Euro fliessen dem Truz hierfür in der Pilotphase bis zum Ende des Interreg II-Programmes zu. Dazu kommen nochmals über 300.000 Euro für das in der Petit Camargue vorgesehene Schulungszentrum.
Was plant das Truz in nächster Zukunft? • Umsetzung des Pflegekonzeptes für das Kiesgrubenbiotop "Käppelin" mit einem Informationspfad.
• Die Schaffung des "Regiobogens" als ein über die Grenzen vernetztes Grünsystem unter Einbezug der Langen Erlen, des Thülinger Hügels und der Petite Camargue.
• Umweltbildung auf breiter Ebene.
• Ausübung der südbadischen Plattform in der grenzüberschreitenden Förderung der Solarenergie.

15. März 1999

 

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(c) by Peter Knechtli