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Foto Claude Giger

Fühlt sich von seinen "Vorgesetzten" nicht mehr getragen: Niggi Schoellkopf


Der Berufs-Kleinbasler Niggi Schoellkopf wirft das Handtuch

Fehlendes Vertrauen in den Meister der Kleinbasler "Ehren-Gesellschaft zum Rebhaus" führt zu vorzeitigem Rücktritt des Meisters

VON PETER KNECHTLI

Mit einer ausländerfeindlichen Pauschal-Attacke wurde er vor vier Jahren überregional bekannt. Jetzt wirft der Kleinbasler Niggi Schoellkopf als Meister der "Ehren-Gesellschaft zum Rebhaus" das Handtuch. Eine mangelnde Vertrauensbasis innerhalb des "Vorgesetzten"-Gremiums führte zu seinem vorzeitigen Rücktritt.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf die Nachricht die heiligsten Zirkel der Kleinbasler "Ehrengesellschaft zum Rebhaus": Ihr Meister Niggi Schoellkopf, gewählt bis 2003, tritt vorzeitig zur Wahlversammlung vom 21. Februar vorzeitig zurück. Die Sache müsse über der Person stehen. Dies gab der ehemalige FDP-Grossrat diese Woche seinen 150 Gesellschaftsbrüdern und der Aufsichtskommission über die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften bekannt. Die "3E" sind die traditionsreichsten gesellschaftlichen Institutionen Kleinbasels, die den bekannten Frühjahresbrauch "Vogel Gryff" inszenieren.

Wegen pauschaler Angriffe auf Ausländer im Zwielicht

"Der vorzeitige Rücktritt traf mich wie aus heiterem Himmel", meinten von der SonntagsZeitung befragte Gesellschaftsbrüder übereinstimmend zum Entscheid Schoellkopfs, der es als "Berufs-Kleinbasler" nicht nur zu regionaler Bekanntheit brachte. Landesweite Aufmerksamkeit erregte er im Januar 1996, als er in einer Brandrede am "Gryffe-Mähli" zu einem brachial-verbalen Rundumschlag gegen die zahlenstarke ausländische Wohnbevölkerung Kleinbasels herzog.

Was Schoellkopf in der geschlossenen Männerrunde noch tosenden Applaus bescherte, schlug durch öffentliche Entrüstung auf die Ehrengesellschaft zurück. Als der Sozialdemokrat und ehemalige Journalist Martin Herter, Mitglied der Ehrengesellschaft "zum Greifen", Schoellkopfs Entgleisung öffentlich brandmarkte, wurde er aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Als gar die Staatsanwaltschaft die umstrittene Attacke nicht als rassistisch im Sinne des Gesetzes beurteilte, war Schoellkopf auch amtlich reingewaschen.

Skandal war "längerfristig heilsam"

Doch mittlerweile ist der Stern des 69jährigen Glaibasler "Fest-Organisators Nummer eins" verglüht. Unter den Vorgesetzten, wie die Mitglieder des Gesellschaftsvorstandes heissen, hat der langjährige Chef sein Vertrauen verspielt. Manchmal, so heisst es, seien seine engsten Gesellschaftsbrüder "aus seinen Worten nicht mehr draus gekommen". Bereits wird FDP-Grossratspräsident Rudolf Grüninger als Schoellkopfs Nachfolger genannt.

Aus dem Umfeld der drei Ehrengesellschaften verlautet aber, "Mister Festhütte" Schoellkopf soll dennoch ein würdiger Abschied geboten werden. Schoellkopf sei zwar tatsächlich eine "schillernde Figur" gewesen, er sei aber nicht herausgeekelt worden: "Es war sein freier Entscheid", sagte 3E-Sprecher Walter Studer gegenüber ONLINE REPORTS. Auch seien seine Verdienste um das gesellschaftliche Leben im Kleinbasel unbestritten. Der Skandal um seine Rede, so ein anderer 3E-Prominenter, habe sogar langfristig heilsam gewirkt: Die Ehrengesellschaften "bekennen sich heute noch mehr zur multikulturellen Gesellschaft", ihre soziale legitimation sei in den vergangenen Jahren verstärkt worden. Und Widersprecher Herter dürfte "allmählich rehabilitiert" werden.

 

REPORTS ECHO SCHOELLKOPF
REPORTS-Bericht die vorzeitige Demission von Niggi Schoellkopf

"In einer Position, wie sie Niggi Schoellkopf als 'Rebhaus'-Präsident inne hat, sollte man sich eigentlich bewusst sein, was für Meinungen man in der Öffentlichkeit von sich gibt, in diesem Fall war es billige Effekthascherei, weil ein paar Extremisten damals auf diesem Niveau kurzfristigen Erfolg hatten und nicht nachdachten, was solche Entgleisungen für Folgen bringen, auch für den Staat oder in diesem Fall der Stadt Basel. Dies gilt auch für seine "ehrenhaften Gesellschaftsbrüder", die durch den Rauswurf von Martin Herter noch dazu ein kapitales Eigentor schossen und den Kritikern solcher Männer-Gesellschaften sicher Auftrieb geben. Die Geschichte wiederholt sich leider immer wieder. Leider."

Bruno Heuberger
Oberwil
b.heuberger@bluewin.ch

26. Dezember 1999

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