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Foto Swissolar

Auch Randgebiete profitieren: Mit Solarstrom versorgte Berghütte


Schweizer Solarstrom-Gewerbe droht Kurzschluss

Subventionsloch im Jahr 2000 hätte Entlassungen in der Zukunftsbranche zur Folge

VON PETER KNECHTLI

Das Schweizer Solarstrom-Gewerbe schlägt Alarm: Wenn die Subventionen des Bundes im Jahr 2000 auf dem geplanten Stand bleiben, müsste gegen die Hälfte der in dieser Branche tätigen Mitarbeiter entlassen werden. Zudem geht der Schweiz unschätzbares Know-how verloren, das Land ist auf den erhofften solaren Aufschwung nicht vorbereitet, der durch die künftige Förderabgabe erhofft wird.

Für David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar, der Arbeitsgemeinschaft für Solarenergie, beginnt das neue Jahrtausend mit stockdickem Nebel. "Das Jahr 2000", klagt er, "könnte für die Schweizer Sonnenenergie-Branche zum Schicksalsjahr werden". Besonders hart betroffen ist mit der Photovoltaik (Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie) jener Teilbereich, der zwar noch stark von öffentlichen Subventionen abhängig ist, aber zu den zukunftsträchtigsten Zweigen nachhaltiger Entwicklung gehört.

Grund für Stickelbergers Warnruf: Weil einerseits alte Investitionsprogramme des Bundes auslaufen und die Förderung der erneuerbaren Energien an die Kantone übergeht, und anderseits die neue Energieabgabe die Hürde des Volkes im kommenden Jahr erst noch nehmen muss, fällt die Branche kommendes Jahr in ein gefährliches Loch.

Subventionen auf den Tiefstand

Mit gegen gegen fünf Millionen Franken unterstützte die öffentliche Hand bisher Solarstrom-Anlagen auf Dächern von Privathäusern und Industrieanlagen. Ohne zusätzlichen politischen Effort werden es im nächsten Jahr nur gerade noch drei Millionen sein.

Diese Entwicklung ist dramatisch. Denn im vergangenen Jahrzehnt erlebte die Schweizer Solarstrom-Branche einen eigentlichen Boom. Die installierte Leistung verzwölffachte sich, das Jahr 1998 verzeichnete mit 1,8 Megawatt einen Rekord. Weit über tausend Anlagen sind bereits im Betrieb. Und obschon die Schweiz keine eigene Solarzellindustrie aufweist, geniessen Wechselrichter und Montagesysteme aus einheimischer Fabrikation einen international ebenso guten Ruf wie die universitäre Zellenforschung.

Nachbarländer fördern Solarstrom im grossen Stil

Dieses Know-how ist in Gefahr. Denn während Deutschland, Italien, Holland, Japan und die USA Förderprogramme im grossen Stil lancieren und die Bank Sarasin ein weltweites Marktwachstum von über 20 Prozent prognostiziert, droht die Schweiz in die Bedeutungslosigkeit abzustürzen. Eine Umfrage von Swissolar unter einheimischen Sonnenstrom-Firmen ergab: Wenn das Subventionsloch im Jahr 2000 nicht gefüllt wird, müssen die Betriebe rund 40 von 80 Mitarbeitern entlassen - Planer, Monteure Ingenieure.

Ohne zusätzliche Förderbeiträge im "Quarantäne-Jahr 2000" (Stickelberger) "steht die Branche hart am Abgrund", glaubt der Liestaler Sonnenenergie-Pionier Heinrich Holinger: "Wir schieben unsere Schulden vor uns hin." Weil sich viele Solarstrom-Interessenten angesichts höherer Bundesbeiträge aus der künftigen Energieabgabe ab 2001 derzeit "extrem abwartend verhalten" (Holinger), sei ein "zum Teil selbstmörderischer Preiskampf ausgebrochen". Die noch laufenden Aufträge reichten nicht aus, um das Jahr 2000 unbeschadet zu überstehen.

Ein Abbau von 25 der insgesamt 50 Stellen droht der Berner Firma Atlantis, die auch Solar-Pannels herstellt. Jörn Jürgens, der Betriebsleiter des mitarbeiterstärksten Photovoltaik-Betriebs des Landes: "Unter den aktuellen Bedingungen können wir uns nicht einfach ein Jahr über Wasser halten. Wir müssten uns wohl im Ausland umsehen."

Mit dem Massenmarkt senken sich die Investitionskosten

Um den Niedergang des zukunftsträchtigen Gewerbes zu verhindern, setzt Swissolar vor allem auf den Bund. Denn mit Ausnahme von Basel-Stadt und Genf sind die Kantone bei der Unterstützung der noch teuren Solarstrom-Anlagen sehr zurückhaltend. Bundesmittel sollen den Teufelskreis durchbrechen helfen: Je schneller sich ein Massenmarkt entwickelt, umso tiefer fallen die Investitionskosten.

"Die Preise für Solar-Pannels würden purzeln wie jene der Taschenrecher", sagt der freisinnige Berner Nationalrat Marc F. Suter. Dem Mitglieder der parlamentarischen Arbeitsgruppe Solarenergie ist die jahrelange "Stop-and-go-Politik" im Bereich der Förderung erneuerbarer Energien schon lange ein Dorn im Auge. Aber: "Wir haben im Parlament halt nicht eine so starke Lobby wie die Bauern."

Schon sechs Millionen Franken könnten helfen

Im Kreise weiterer Politiker mit Flair für nachhaltige Entwicklung will Suter in der Budgetdebatte kommenden Dezember einen entsprechenden Antrag stellen. Laut Swissolar-Geschäftsführer Stickelberger wäre eine Erhöhung des Bundesbudgets für Solarstrom-Förderung von drei auf neun Millionen Franken nötig, um die Branche auf sonnigere Zeiten ab 2001 fit zu machen.


Subventionsgesuche Photovoltaik: Trend nach unten

Quelle: Swissolar



REPORTS ECHO
REPORTS-Story über Quarantäne-Jahr im Solarstrom-Gewerbe

"Als einer von zwei Co-Präsidenten der SSES Regionalgruppe Basel liegt mir persönlich "Jammern" nicht. Für mich liegt dieser Text aber quer in der Landschaft. Ich fürchte auch, das Ganze ist kontraproduktiv im Hinblick auf die Solar-Initiative, denn ich weiss nicht, ob man mit Angstmachen eine Abstimmung gewinnen kann (die Alpeninitiative wurde mit positiven Aktionen gewonnen)."

Max Blatter-Spalinger
Münchenstein BL
maxblatter@bluewin.ch


"Auch wir sehen es nicht gern, wenn die Förderbedingungen dauernd geändert werden. Trotzdem geht es laufend aufwärts. Mit den Solaranlagen im Verbund mit einer Solarstrombörse haben wir eine neue Möglichkeit erhalten, produktiv zu arbeiten. Wir sollten in der Richtung Solarstrom-Marketing als zweites Standbein neben dem traditionellen Anlagenbau denken. Politisch gesehen ist jammern nicht ideal."

Lukas Herzog
Alteno AG
Basel
lukas.herzog@alteno.ch

21. November 1999

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