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Gemeindeversammlungs-Protokoll vor Einführung des Nacktbadens in Gelterkinden: "Reife Leute"


Nacktbaden ist nicht mehr gefragt

Gelterkinder Hallenbad stoppt den wöchentlichen Nudisten-Abend

VON PETER KNECHTLI

Ein Abend pro Woche ist im Gelterkinder Hallenbad für's Nacktbaden reserviert. Jetzt heisst es: Hüllen an! Grund: Zu geringes Interesse.

Die Baselbieter Landgemeinde Gelterkinden erregte überegionale Aufmerksamkeit, als sie vor zwanzig Jahren einen unkonventionellen Entscheid fällte: Jeweils am Freitagabend konnten sich die Badelustigen textilfrei im Hallenbad tummeln. Hintergrund: Im Nacktbaden sah der Gemeinderat eine innovative Massnahme zur Erhöhung der Besucherfrequenz. Der damalige Gemeindepräsident Urs Winistörfer hatte sich persönlich für die Einführung der Bade-Exklusivität engagiert.

Sogar die Gelterkinder Gemeindeversammlung stimmte dem Plan des Gemeinderates zu und widersetzte sich einem Antrag, die Fensterfront müsse während des Nacktbadens "gegen Einsicht von aussen gesichert sein".

Besucher aus der ganzen Region

Der Textilfrei-Erlass schlug ein. Laut Gemeindeverwalter Peter Plattner lockte das "unbekleidete Baden" (so der Beschluss des Gemeinderates) auch Besucher ausserhalb der Kantonsgrenzen an.

Doch jetzt ist das Vergnügen vorbei: Die Betriebskommission beantragt dem Gemeinderat, das Barfuss-bis-zum-Hals-Experiment auf Anfang Wintersaison abzubrechen und den Freitagabend wie weiland für bekleidetes Baden freizugeben.

"Das Nacktbaden ist nicht mehr gefragt", argumentiert der Gemeinderat trocken. Statt, wie in Spitzenzeiten, gegen sechzig verlieren sich heute nur noch durchschnittlich zehn Nackedeis im Gelterkinder Bade-Tempel. Gemeindeverwalter Plattner: "Die Rentabilität war bei weitem nicht mehr gegeben."

Regierung hiess Beschwerde gut

Der Gelterkinder Nudisten-Abend hatte im Vorfeld seiner Einführung zu heftigen - auch moralischen - Debatten geführt. So erhoben fünf Stimmbürger gegen den Entscheid des Gemeinderates Beschwerde beim Regierungsrat. Darin wiesen sie auf die "sehr folgenschweren" Konsequenzen des dörflichen Nacktbadens hin. Die Kantonsregierung hiess die Beschwerde gut mit der Auffassung, dass sich der angefochtene Gemeinderats-Beschluss "nicht an die für Ausnahmebewilligungen geltenden Schranken hält". Die Kommunalbehörden verzichteten auf eine Anfechtung des Bechwerde-Entscheids und beschlossen, die nackten Tatsachen dem Stimmvolk zu unterbreiten.

Seit Gutheissung der neuen Betriebsordnung für das Hallen-Freibad sind inzwischen fast zwanzig Jahre verflossen. Die Gelterkinder sind nicht verdorben - im Gegenteil: Sie wollen sich freiwillig wieder dem altmodischen Badebekleidungs-Regime unterwerfen.

29. August 1999

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(c) by Peter Knechtli