Tritt nach 22 Jahren zurück: SVP-Nationalrat Hans-Rudolf Nebiker

Miesch sitzt Baader im Nacken

Caspar Baader geht nach Bern, doch Christian Miesch plant sein Comeback

Nach dem Rücktritt des Baselbieter Nationalrats Hans-Rudolf Nebiker steht die SVP vor einem Problem: Wird der Nachrutschende Caspar Baader schon bald vom neuen Parteikollegen Christian Miesch verdrängt?

Wenn der einstige Nationalratspräsident und SBB-Vizepräsident Hans-Rudolf Nebiker in einigen Wochen zu seiner letzten Session ins Bundeshaus nach Bern aufbricht, schnürt schon sein Nachfolger die Akten: Der Anwalt und Agronom Caspar Baader aus Gelterkinden.

Doch in der Baselbieter SVP wird gleichzeitig ein personelles Dilemma zu Diskussionen Anlass geben: Im Hintergrund wartet schon alt-Nationalrat Christian Miesch auf sein Comeback unter neuen Parteiflaggen. "Doch, ich würde mich interessieren", antwortete Miesch im "Reports"-Interview auf die Frage, ob er nochmals in Bern politisieren möchte.

Miesch war von 1991 bis 1995 für die Baselbieter Freisinnigen im Nationalrat, fiel dann jedoch wegen seiner rechtsradikalen Haltung und seinen konsequent europagegnerischen Kurs bei seiner Partei in Ungnade: Obschon der AUNS-Vizepräsident und Kampfgefährte von Christoph Blocher kämpfte wie ein Löwe, wurde er nicht mehr nominiert, worauf er frustriert aus der Partei austrat und - nach einem Intermezzo als Wilder - in die SVP wechselte. Sein Wunsch, nochmals nach Bern zu reisen, ist aber unverkennbar. Allerdings sei eine Nomination für die Nationalratswahlen bei seinem Eintritt in die SVP weder Versprechen noch Bedingung gewesen.

Für Nebikers Nachrutschenden Caspar Baader ist die Situation darum eher ungemütlich: Miesch sitzt ihm im Nacken. Baader hat nur noch eineinhalb Jahre Zeit, um Profil zu gewinnen - Miesch gilt als äusserst potenter Stimmensammler und Repräsentant aller unzufriedenen Rechten. Bei seiner wilden Kandidatur von 1995 erzielte er doppelt so viele Stimmen wie Baader, scheiterte aber an der Hürde der Listenstimmen.

Vorerst sieht es so aus, dass Baaders Nationalratspräsenz nur mit einem zweiten SVP-Sitz nicht zu einem kurzen Gastspiel wird. Und dieser zweite Sitz ist mindestens momentan noch in weiter Ferne.
INTERVIEW



Recherchen-Bewertung

SVP Baselland Steht vor einem riskanten Poker: Miesch will auf die Nationalrats-Liste, könnte damit aber Baader das Leben sauer machen, wenn die SVP das zweite Mandat nicht schafft. Erste Wahl-Prognose: Vieles liegt drin - vom Wunder bis zum Debakel.
Caspar Baader Hat wenig Zeit, sich in Berner Pfauenhaus zu profilieren. Muss einige seiner vielen Aemter abgeben. Fährt moderaten SVP-Kurs, hat mit Blocher wenig am Hut - und mit Miesch wohl auch. Muss noch offensiver auf das Volk zu gehen. Und Perspektiven entwickeln: "Ich wünsche mir für die Zukunft, dass alles so bleibt, wie es ist." (Zitat "Basler Zeitung" Ende April 1998)
Christian Miesch Zieht immer noch an seiner Pfeife und gründete die SVP-Sektion Reigoldswil und Umgebung. Bern, saftige Statements und öffentliche Beachtung sind seine grössten Sehnsüchte. Scheint immer noch stolz darauf, als "Populist" zu gelten.
Die Schweiz Geht unter, wenn Miesch in Bern nicht zum Rechten sieht.

29. Januar 1998

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(c) by Peter Knechtli