In arger Bedrängnis: Nationalrat Theo Meyer


"Ich werde noch gestossen"

Nationalrat Theo Meyer über seine politisches Ende und seine Mühe mit den Genossen

Ein dubioser Immobilienhandel, geschuldete AHV-Gelder und eine sich abwendende Parteileitung besiegeln allmählich das politische Ende des Baselbieter SP-Nationalrats Theo Meyer. In einem Interview mit "Reports" beharrt Meyer auf seinem Berner Mandat und zeigt sich verbittert über die Art, wie ihn seine Partei fallenlässt.

Herr Meyer, treten Sie jetzt zurück, nachdem Sie die Baselbieter SP-Geschäftsleitung mehr oder weniger offen dazu auffordert?

Meyer: Ich bin für vier Jahre gewählt. Mein Mandat endet Ende 1999. Im Moment sehe ich keinen Grund, davon abzukommen.

Sie treten also nicht zurück?

Meyer: Wenn alles schiefgeht, das ich jetzt noch in Vorbereitung habe, dann schliesse ich einen Rücktritt nicht aus. Aber das ist jetzt kein Thema.

Sie haben etwas in Vorbereitung?

Meyer: Je mehr darüber geredet wird, umso schwieriger ist es, den Münchensteiner Liegenschaftenhandel in Ordnung zu bringen. Ich hatte einen kaufwilligen Kunden, da kam der Artikel in der "Basler Zeitung". Der Kunde bekam Angst, wegen mir ins Gerede zu kommen, und trat von seiner Absicht zurück.

Spielt auch eine Rolle, dass Sie als Nationalrat ein regelmässiges Einkommen haben?

Meyer: Ich habe durch das Nationalrats-Mandat mindestens noch eine gewisse Basis.

Auch Genossen Ihrer Partei anerkennen dies als Argument, noch nicht zurückzutreten.

Meyer: Was die Genossen umherplaudern, ist mir langsam egal. Ich hatte ein gutes Gespräch mit der Geschäftsleitung. Sie weiss, dass sie mich nicht zwingen kann - es sei denn, ich hätte silbrige Löffel gestohlen...

...strafrechtlich liegt nichts vor?

Meyer: Nein. Ich nahm vor bald dreissig Jahren das erste Amt für die SP an. Und wenn man einmal in gewissen Schwierigkeiten steckt, wird man wie ein heisse Kartoffel fallen gelassen. Wahnsinnig schön empfand ich das nicht.

Wurden Sie von Ihren Genossen unfair behandelt?

Meyer: Nein, das wäre auch nicht korrekt. Es ist einfach enttäuschend, dass eine Partei, die immer von Solidarität spricht, einem auf diese Weise fallen lässt.

Aber Sie haben doch Fehler gemacht.

Meyer: Ich habe gelernt, dass in den USA ein unterschriebener Vertrag über 2,7 Millionen Dollar nicht unbedingt gültig ist. Da habe ich einen Fehler gemacht.

Haben Sie die Münchensteiner Liegenschaft wirklich abschliessend gekauft?

Meyer: Formell ist unterschrieben. Das Eigentum wird aber erst an mich übertragen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind. Alles in allem - Land und Investition - kostet sieben Millionen Franken und da ist nicht mancher ohne weiteres bereit, einzusteigen.

Zu hören ist auch der Vorwurf, Sie schuldeten der AHV Prämien Ihrer Mitarbeiter.

Meyer: Wenn der Münchensteiner Fall gelöst ist - und ich gebe ihn noch nicht auf -, dann ist auch der Rückstand bei der AHV auch gegenstandslos.Man attestiert Ihnen bei allem, bei allen geschäftlichen Problemen ein sozialer Politiker und Geschäftsmann gewesen zu sein.

Meyer: Das meine ich auch. Es gab Zeiten, in denen wir recht gut verdienten. Da hatten meine Leute einen 14. Monatslohn. Hätte ich dieses Geld nicht verteilt, wäre ich vielleicht gar nicht in diese Situation gekommen. Bei Häusern, die ich günstiger realisieren konnte, gab ich den Käufern je 10'000 Franken zurück.

Wir hörten, Sie hätten im Auftrag des Eidgenössischen Departementes für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) eine Friedensmission in Burundi im Köcher.

Meyer: Das ist einer der bestehenden Möglichkeiten. Ich war in Bern zweimal mit Präsident Nyerere als Beauftrager der Zentralafrikanischen Staaten zusammen, um Möglichkeiten insitutioneller Reformen in Burundi zu besprechen. Jetzt ist noch nicht klar, ob er die Missionsaufgaben an spezielle Ländern oder an bestimmte Personen vergibt. Einer soll der ehemalige Staatspräsident von Mali sein. Ich bin natürlich nicht Staatspräsident! Insofern ist dieses Mandat durch das EDA, mindestens ein 50-Prozent-Job, noch nichts Sicheres. Ich habe aber noch zwei weiteres Projekte in Planung, die nicht politisch sind.

Worum geht es da?

Meyer: Das sage ich Ihnen nicht.

Sie lassen sich anstellen?

Meyer: Es ist etwas höher als bloss anstellen.

Ein Beratungsauftrag?

Meyer: Das ist die falsche Fährte.

24. Juni 1998

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(c) by Peter Knechtli