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Will schon bald Profil zeigen: Nationalrat Caspar Baader (SVP, BL)


"Ich mute mir zu, mehr Stimmen als Miesch zu machen"

Nebiker-Nachfolger Caspar Baader zu seiner Zukunft als Baselbieter Nationalrat und die Konkurrenz zu Christian Miesch


Herr Baader, freuen Sie sich auf Ihr Nationalratsmandat, das Sie ab 1. April dieses Jahres wahrnehmen werden?

Caspar Baader: Ja, ich freue mich sehr darauf. Ich betrachte es als eine Herausforderung und eine Chance, einen neuen Aufgabenbereich anzupacken.

Sie haben jetzt gut ein Jahr Zeit, sich zu profilieren. Dann fängt bereits der Nationalrats-Wahlkampf an. Reicht die Zeit aus, um sich Profil zu verschaffen?

Baader: Ich bin im Baselbiet bereits heute nicht unbekannt. Das haben die letzten Wahlen gezeigt. Dort schaffte ich immerhin auf Anhieb über 8'000 Stimmen und den zweiten Platz auf unserer Liste. Das zeigt mir, dass ich doch einen relativ hohen Bekanntheitsgrad habe, der nicht über die Medien, sondern über meine berufliche und nebenamtliche Tätigkeit entstanden ist. Da reicht ein Jahr aus, mich einzuarbeiten und im Kanton noch bekannter zu werden.

Im Nationalrat gilt die Verhaltensregel, sich im ersten Jahr zurückzuhalten und nicht aus dem Fenster zu lehnen.

Baader: Diese Regel kenne ich nicht im Detail. Sicher sollte man in der ersten Session nur zuhören. Ich werde erst auch zuhören, aber nicht so lange. Dann werde ich in den Kommissionen mitarbeiten, da gibt es Kommissionssprecher zu verschiedenen Themen. In meinem ersten Jahr wird man auf alle Fälle bereits mit mir rechnen müssen.

In welchen Themenbereichen wollen Sie aktiv werden?

Baader: Ich gehe nicht mit einem Koffer voll Vorstössen nach Bern, um möglichst rasch in den Medien zu erscheinen. Ich will vor allem seriöse Kommissionsarbeit leisten.

Brennen Ihnen schon konkrete Anliegen unter den Nägeln, die Sie bald im Nationalrat zur Sprache bringen wollen?

Baader: Als Mitglied der SVP werde ich mich für die Anliegen und für die Stärkung des Mittelstandes einsetzen. Konkrete Prioriät hat für mich die Frage der Bundesfinanzen. Es darf nicht sein, dass unsere Verschuldung weiter derart zunimmt. Wo man im Detail sparen soll, will ich erst noch überlegen. Sicher will ich die Sozialwerke erhalten, aber nicht ausbauen. Auch ist mir die Erhöhung des Rentenalters für Frauen eine Diskussion wert. Als Agronom werde ich mich auch für die Landwirtschaft einsetzen.

Wo stehen Sie im Verhältnis der Schweiz zu Europa?

Baader: Erst müssen alle Dossiers der bilateralen Verträge abgeschlossen werden. Wenn das Gesamtpaket ausgewogen ist, dann soll man mit der EU einen bilateralen Vertrag abschliessen.

Wie stehen Sie zu Christoph Blocher?

Baader: Ich kenne ihn bis heute nicht persönlich. Gewissen Vorstellungen stehe ich offen gegenüber. Ich fühle mich aber weder ihm noch der Berner SVP-Seite verpflichtet. Ich gehe als Caspar Baader nach Bern und will dort meine Meinung vertreten können.

Und wie stehen Sie zu Blochers AUNS*-Vizepräsident Christian Miesch, der von der FDP in die SVP wechselte und jetzt in dieser Partei Karriere machen will?

Baader: Ich kenne Christian Miesch persönlich. Wir kommen auf dieser Ebene gut miteinander aus. Scheinbar fühlt er sich in dieser Partei wohler als in der FDP. Politisch unterscheiden wir uns dadurch, dass ich versuchen werde, meine Meinung zu vertreten, ohne mich der AUNS verpflichtet zu fühlen. Ich bin im Moment nicht Mitglied der AUNS, obschon ich heute klar gegen einen EU-Beitritt bin.

Haben Sie Angst vor Christian Miesch?

Baader: Nein, habe ich nicht. Die Ausgangslage wird in einem Jahr ja eine ganz andere sein als beim letzten Wahlkampf.

Miesch drängt auch ins Parlament. Dabei besteht die Gefahr, dass er Sie aus dem Nationalrat verdrängt.

Baader: Theoretisch besteht die Gefahr, aber die Ausgangslage ist eine andere.

Machen Sie als Bisheriger mehr Stimmen als Miesch?

Baader: Ich mute mir in jedem Fall zu, als Bisheriger mehr Stimmen zu machen als Christian Miesch.

Werden Sie dafür sein, dass Miesch auf die Nationalratsliste nominiert wird?

Baader: Letztlich muss der Parteitag entscheiden. Wenn er nominiert wird, dann werden wir miteinander und gegeneinander antreten. Ich stehe keinem davor, auf die Liste zu kommen. Wir brauchen ja gute Leute, um viele Stimmen zu machen.

Sie bekleiden neben Ihrer Anwaltstätigkeit zahlreiche Aemter. Von welchen Mandaten werden Sie nach Ihrem Eintritt in den Nationalrat zurücktreten?

Baader: Das will ich noch nicht sagen. Ich bin im Moment daran, gewisse Demissionen zu schreiben. Das Präsidium der Steuerrekurskommission werde ich voraussichtlich behalten, sofern mich der Landrat wieder wählt.

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Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz

12. Februar 1998

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