Bildschirm-Lust auf Steuer-Pflicht

Digitale Deklaration im Baselbiet stösst auf unerwartet grosses Intresse

Die Steuererklärung am Computer auszufüllen, macht Spass. Dies zeigt ein Versuch im Baselbiet, der voll eingeschlagen hat. Doch die digitale Deklaration hat noch Kinderkrankheiten.

Der Baselbieter Finanzdirektor Hans Fünfschilling hat die Lust seiner Steuerzahler unterschätzt, ihre finanziellen Verhältnisse am Computer zu deklarieren. 7'000 Disketten mit dem Programm "Easy Tax" hatten die Steuerbehörden dieses Frühjahr den Gemeinden versuchsweise zur kostenlosen Weitergabe an interessierte Steuerpflichtige abgeliefert.

Laut Chefsekretär Paul Fraefel wurden bisher aber 24'000 Disketten verteilt. Das heisst: Mehr als jeder Sechste der 125'000 unselbständig Erwerbenden im Kanton tippt seine Angaben über Personen, Einkommen, Vermögen und Wertschriften in die Computer-Diskette. Eingereicht werden aber nur die ausgedruckten Papiere und das offizielle Steuerformular, in das noch sechs Kernzahlen eingetragen werden müssen.

"Wir werden die digitale Deklaration beibehalten, die Nachfage liegt weit über unseren Erwartungen", bestätigt Steuerverwalter Hans Peter Salzgeber. Und seine Mitarbeiter freuen sich darüber, "dass die Disketten vermutlich weiterkopiert werden". Noch schwer abschätzbar ist der Wegwerf-Effekt. Fraefel: "Wir glauben aber, dass bis Ende Mai gegen 15'000 per Diskette ausgefüllte Deklarationen eingereicht werden."

In der nächsten Steuerperiode dürften es noch mehr sein, wenn auch eine Macintosh-Software-Version verfügbar ist. Das Pilot-Programm läuft zum Aerger der Mac-Fans erst unter Windows 3.x und Windows 95.

Mit der in aller Eile nachgefertigen zweiten Auflage wurden gleichzeitig die Kinderkrankheiten beseitigt. So konnte anfänglich der effektive Liegenschaftsunterhalt nicht erfasst werden und die Kinderalimente wurden bei der Staatssteuer zu Unrecht als steuerbares Einkommen eingetragen. Auch die zweite Auflage ist laut Steuerverwalter Salzgeber noch "minim korrekturbedürftig": Die Baurechtszinsen werden bei der Bundessteuer zugleich Einkommen und Abzug zugewiesen statt nur dem Abzug. Eine "Wirrlete" blieb auch bei den Vermögensverwaltungskosten bestehen.

Aufgrund der täglich zwischen 25 und 45 Anrufe, die bei der Helpline eingingen, geht die Steuerverwaltung davon aus, dass es sich beim Gros der Benützer um über 40jährige mit höherem Schulabschluss und "gut bis sehr gut situierten" Steuerzahler handelt. Der Frauenanteil der Hilfesuchenden liege bei steigender Tendenz derzeit bei rund einem Drittel.

Dagegen reagierten die Veranlagungsbeamten auf die digitale Deklaration mit Reserve. Fraefel: "Die meisten können sich damit nicht anfreunden. Es gibt keine aktive Teilnahme." Grund für die Vorbehalte dürfte jedoch weniger die angeblich schlechtere Verarbeitungsfähigkeit der Unterlagen sein als vielmehr das Rationalierungspotential, das in der elektronischen Verarbeitung steckt.

27. März 1997

Zurück zu Politik
Zurück zur
Hauptseite

(c) by Peter Knechtli