Neue Pflöcke im Basler Medienrevier

Medienfirmen und Telecom PTT mit neuen Regional-TV-Plänen

Bewegung in der Basler Medienszene: Die Basler Zeitung, die Holding von Radio Basilisk, die Telecom PTT und die Basellandschaftliche Zeitung planen den Eintieg ins Basler Regionalfernsehen.

Bereits seit Jahren sind BaZ und die Holding von Radio Basilisk 50-Prozent-Partner der Firma Metro Media AG, die jedoch kaum Aktivitäten entfaltete. Doch jetzt soll ihr Leben eingehaucht werden: Neben den bisherigen Eigentümern sollen auch die Telecom PTT und die Basellandschaftliche Zeitung (BZ) mit je 25 Prozent einsteigen. Telecom-Sprecher Sepp Huber bestätigte: "Wir sind mit der Metro Media als Zuständige für den technischen Part in Verhandlungen."

"Zürcher Einfluss abschirmen"

Das vorläufige Ziel: Ein regionaler Teletext mit Veranstaltungshinweisen und unbewegten Bildtafeln auf dem Regionalfernsen-Kanal von Tele Basel. Es gehe darum, drohenden Zürcher Medien-Einfluss abzuschirmen, heisst es aus Insiderquellen.

Beobachter glauben aber, dass die Pläne wesentlich weiter führen und die Produktion von TV-Magazinen schon der nächste Schritt sei. Die jetzigen Teletext-Pläne seien "nur das Vorgeplänkel zur Privatisierung des unabhängigen Senders durch die Hintertür", meint ein Branchenvertrauter, nachdem Basilisk-Mitbegründer Christian Heeb seit Jahresbeginn auf Tele Basel bereits in einer eigenproduzierten Talkshow mit Prominenten und Duzfreunden parliert. "Es geht klar um die Kontrolle der Neuen Medien in der Region Basel."

Tele Basel, der frühere "Stadtkanal", hat sich nach Startschwierigkeiten und der Ausweitung des Sendegebiets in den gesamten Juranordfuss kommerziell konsolidiert und damit die Machtgelüste privater Anbieter definitiv geweckt, nachdem noch vor einem Jahr ein erster Privatisierungsversuch gescheitert war.

Der Regionalsender wird formell von einer pluralistischen Stiftung als Konzessionsinhaberin getragen, faktisch aber durch die BaZ/Basilisk-Allianz massgeblich beeinflusst. Bereits haben die vier künftigen Partner der Metro Media AG ihre stärksten Trümpfe an der Spitze der Stiftung installiert: Metro-Media-Präsident Fritz Schuhmacher, Basilisk-Mitbegründer Hans-Ruedi Ledermann und Urs Gröflin, Geschäftsführer der Kabelgesellschaft "Balcab", an der die Telecom PTT zu 30 Prozent beteiligt ist. Schuhmacher, Generalkonsul von Monaco, ist auch Verwaltungsrat der Basler Zeitung und Vizepräsient der Publicitas-Holding, die 37 Prozent an der BaZ hält.

Diese drei Vertreter haben mit ihren Beziehungen, ihrem professionellen Know-how und dem Kapital, das sie vertreten, im Stiftungsausschuss einen bestimmenden Einfluss.

Basler Zeitung näher bei Radio Basilisk

Bekannt wurde dieser Tage auch, dass sich die Basler Zeitung kapitalmässig dem kleinen Medien-Imperium von Radio Basilisk annähert. Einzig noch die "Basilisk"-Betriebsfirma, im Frühjahr aus der Holding ausgegliedert, wird vollumfänglich von Heeb und Ledermann kontrolliert. Die Holding dagegen, zu der einige mehr oder weniger aktive Firmen aus den Bereichen Werbung, elektronische Medien und Verlag gehören, hat beträchtlichen Einfluss von aussen erhalten: Mit je 20 Prozent sind das Verlagshaus der "Basler Zeitung" (BaZ) und die Internationale Treuhand (Itag) eingestiegen.

Besonders deutlich macht sich die Gewichtsverschiebung im Verwaltungsrat: Die "Basilisken" stellen nur noch zwei von fünf Verwaltungsräten. Präsident wird der Itag-Delegierte Fritz Schuhmacher, für die BaZ nimmt gar Verwaltungsratspräsident Mathias Hagemann Einsitz, assistiert vom zweiten Itag-Delegierten Konrad Annasohn. Faktisch ist die Aenderung der Besitzverhältnisse als strategische Erweiterung des Einflussbereichs der Basler Zeitung als drittgrösstes Schweizer Medienunternehmen zu werten.

4. August 1997

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(c) by Peter Knechtli