Heftiger Widerstand gegen Bahnlinien-Schliessung

Bürgerinitiative will Zugsangebot auf der alten Hauensteinlinie erhalten / Typisches Randgebiet-Problem

Gegen die Schliessung der alten Hauensteinlinie zwischen Olten und Sissach für den Regionalverkehr erhebt sich hartnäckiger Widerstand: Ein Randgebiet fühlt sich um die Bahn gebracht. Kommenden Monat wollen die Kantone Solothurn und Baselland entscheiden.

Die Geschichte des Baselbieter Dorfes Läufelfingen am Nordportal des Unteren Hauensteintunnels ist untrennbar mit der Bahn verbunden - bis hin zu den Dutzenden meist ausländischen Bauarbeitern, die beim historischen Juradurchstich Mitte letzten Jahrhunderts ihr Leben liessen und in Läufelfingen beerdigt wurden. Bis vor kurzem war die traditionsreiche Bahnstrecke zwischen Olten und dem Baselbieter Regionalzentrum Sissach nicht nur Schauplatz vom Dampffahrten durch das romantische Homburgertal mit seinem imposanten Rümlinger Viadukt. Die einspurige Linie, im Volksmund "Läufelfingerli" genannt, schuf vor allem eine bis auf den heutigen Tag geschätzte Bahnverbindung nach Olten am Jurasüdfuss.

Doch den zunehmend kostenbewussten SBB machte die Pionierlinie zunehmend Sorgen: Das Angebot geriet mit einem Kostendeckungsgrad von 20 Prozent zum Defizitgeschäft. Im Tunnel wurden nach offiziellen Angaben durchschnittlich nur noch sieben Passagiere pro antiquierte Zugskomposition gezählt. Weil ein Vergleich aufzeigte, dass die Bahn mit gut zwei Millionen Franken pro Jahr fast doppelt so teuer ist wie ein Busbetrieb, legten die SBB die Linie für den Regionalverkehr auf den 1. April hin still. Als Ersatz richtete der Kanton seither "provisorisch" einen Busbetrieb ein.

"Wir möchten nur den Regionalverkehr einstellen, die Linie aber nicht völlig schliessen. Denn als Ausweich- und Reservestrecke ist sie uns sehr willkommen", sagte SBB-Sprecher Christian Kräuchi gegenüber unserer Zeitung. Der Strang durch den Unteren Hauenstein könnte nämlich aktiviert werden, wenn die neue, von täglich 400 Zügen gespiesene Obere Hauensteinlinie von Olten über Tecknau-Gelterkinden nach Sissach blockiert wäre. Dies sei auch der Grund, weshalb der alte Tunnel derzeit mit einem Aufwand von sechs Millionen Franken "minimalsaniert" werde.

Kampflos wollen die Dörfer des schwach besiedelten Tals aber nicht einfach aufs Abstellgleis geführt werden. In diesen Tagen konstituierte sich eine "Vereinigung Homburg-Hauenstein-Bahn" mit dem Ziel, die Homburgerbahn für den Regionalverkehr zu erhalten. Mit zeitgerechtem Rollmaterial auf der Basis eines verkürzten "Kolibri"-Regionalzugs und einem Stundentakt, so die Vereinigung, habe die Bahn "die beste Chance für eine saubere Verkehrslösung".

"Buslinie boykottiert und sabotiert"

Dem Bus-Ersatz kann die Bevölkerung mehrheitlich nur wenig Positives abgewinnen. Im Homburgertal macht sich das Gefühl breit, man nehme ihm die Bahn weg. Nach Angaben von Ulrich Reinert von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion wird die Buslinie sogar "systematisch boykottiert und auch sabotiert". An den Bussen würden Sitze herausgerissen und Scheiben eingeschlagen.

Am meisten stört die Bus-Passagiere der Zeitverlust wegen des Umwegs über die Hauenstein-Passhöhe, aber auch die nicht gewährleisteten Anschlüsse in Sissach und Olten. Schliesslich werden auch die Kostenberechnungen zuungusten der Bahn angezweifelt. Die Bürgerinitiative, die im parlamentarischen Lager auf parteiübergreifende Unterstützung zählen darf, drängt den Kanton zudem, beim Bund eine teilweise Befreiung von den Trasseegebühren zu erwirken.

Entscheid im September

Die Regierungen von Baselland und Solothurn ziehen aus Kostengründen den Busverkehr eher vor. Nach Ablauf einer Vernehmlassung unter den Gemeinden und der Auswertung der Busbenützer-Zählungen wollen die beiden Exekutiven noch diesen September den Systementscheid treffen. Wie der Streit ausgehen wird, ist noch offen. Sicher aber ist, dass die Gemeinden im Homburgertal ihre Bahn nicht kampflos preisgeben: In der Gemeinde Buckten votierten in einer Konsultativabstimmung 59 Stimmen für die Bahn und nur drei dagegen.

26. August 1997

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