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"Kann Wunder wirken": Heilpflanze Hanf

Basel testet Cannabis als Medikament

Positive Auswirkungen auf Muskelkrämpfe bei Querschnittgelähmten erwartet

VON PETER KNECHTLI

Mitten in der Diskussion über die Legalisierung von Cannabis wendet das Zentrum für Querschnittgelähmte und Hirnverletzte in Basel (Rehab) den Wirkstoff THC jetzt auch als Medikament bei Patienten an. Die Hoffnungen in den Versuch sind vielversprechend.

Im Rehab, dem früheren Schweizerischen Paraplegikerzentrum, ist seit wenigen Wochen ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt im Gang, das nach Angaben seiner Verantwortlichen "historische Bedeutung" hat: 20 Patientinnen und Patienten sollen in gestaffelten Perioden während sechs Monaten durch Kapseln und Zäpfchen mit dem Cannabis-Hauptwirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) gegen Muskelkrämpfe therapiert werden.

"Cannabis-Tee kann Wunder wirken"

Laut Angaben von Rehab-Chefarzt Mark Mäder ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Patienten gegen die unkontrollierbaren Schüttelkrämpfe, die Schmerzen, Verletzungen und Schlafstörungen auslösen, Cannabis konsumieren. Aus politischen und ideologischen Gründen sei es aber bis jetzt nicht möglich gewesen, Cannabis auch als erlaubte Therapie einzusetzen. Vielmehr müssten immer noch in hohen Dosen Medikamente wie Valium abgegeben werden, die unerwünschte Nebenwirkungen zeitigten.

Da die Aerzte von der Cannabis-Therapie gute Erfolgsaussichten erwarten, soll jetzt das Pilot-Forschungsprojekt die wissenschaftlichen Grundlagen liefern. Laut dem Berner Professor Rudolf Brenneisen, der die Studie als pharmakologischer Leiter begleitet, soll bewiesen werden, dass THC "mindestens so nebenwirkungsfrei ist wie die herkömmlichen Medikamente". Das Bundesamt für Gesundheitswesen habe den Versuch im Januar letzten Jahres unbürokratisch bewilligt. In den USA ist das THC-Medikament Marinol etwa zur Appetitsteigerung bei Aids-Patienten bereits im Handel. Auch sei bekannt, dass bei Migräne "ein Cannabis-Tee Wunder wirken" (Brenneisen) könne.

Keine Dosis für Rauschzustände

Die Aerztinnen und Aerzte des "Rehab" stellten gestern an einer Pressekonferenz aber klar, dass ein Joint keine akzeptierte Form der Therapie und Cannabis immer noch eine illegale Substanz sei. Im Basler Projekt gehe es denn auch um eine medizinisch kontrollierte Abgabe des seit Jahrtausenden bekannten Wirkstoffs. Beim angelaufenen Versuch werde THC bei den Patienten in einem Mass dosiert, dass keine Rauschzustände entstünden. Die medizinischen Fachleute liessen aber keinen Zweifel daran, dass sie die Kriminalisierung von Cannabis für "unhaltbar" halten.

Rehab-Patient Albert Meyer, seit 22 Jahren im Rollstuhl, ist der erste Proband, der seit kurzem eine Cannabis-Kapsel pro Tag schluckt - und bereits darauf schwört. Weil die Muskelkrämpfe teils in Form massiver Erschütterungen unerwartet aufträten, sei er bisher bei Weiterbildung, Kino- oder Konzertbesuchen schwer beeinträchtigt gewesen. Seit er THC zu sich nimmt, fühlt sich Meyer nicht nur psychisch, sondern auch körperlich entspannter: "Es ist eine spürbare Verbesserung da, ich habe weniger Krämpfe und weniger Schmerzen."

26. Februar 1997

 


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