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"Schweiz muss ihre Medien-Hoheit verteidigen"

Mathias Hagemann über seine Zukunft als Verwaltungsratspräsident des Medienkonzerns "Basler Zeitung"

VON PETER KNECHTLI

Seit zwei Monaten steht Mathis Hagemann (34) an der Spitze der "Basler Zeitung" - seit der Uebernahme der Zürcher Curti Medien das drittegrösste Verlagshaus der Schweiz mit einem Jahresumsatz von 530 Millionen Franken. Der junge Nachfolger seines Vaters Hans-Rudolf Hagemann will die "Hintergrundrolle" seiner Familie im Unternehmen fortsetzen, aber dennoch seinen "eigenen Stil" entwickeln.

Herr Hagemann, haben Sie den Laden schon im Griff?

Mathias Hagemann: Das ist eigentlich die Aufgabe unseres operativen Chefs Peter Sigrist. Er hat den Laden im Griff und ich schaue, das ich meinen Job im Griff habe.

Welches war der erste wichtige Entscheid, den Sie als Verwaltungsratspräsident gefällt haben?

Hagemann: Wichtig war für mich die Antrittsrede vor dem Kader, die ich gerade heute Nachmittag* hielt, in der ich versuchte, die Grundsätze zur Entwicklung unserer Gruppe zu vermitteln.

Welche Vision vermittelten Sie?

Hagemann: Ach, Vision, das ist wieder so ein abgegriffenes Wort. Ich vermittelte Ideen, nichts Revolutionäres.

Aber welches war Ihre zentrale Botschaft?

Hagemann: Dass wir ein unabhängiges, modernes Medienhaus sein und bleiben wollen.

Vor genau 20 Jahren erschien in Basel die erste Ausgabe der "Basler Zeitung", einer Verschmelzung von "National-Zeitung" und "Basler Nachrichten". Wie haben Sie die erste grosse Zeitungsfusion in der Schweiz mitbekommen?

Hagemann: Eigentlich nur am Rande. Ich war 14jähriger Gymnasiast und als Spätzünder politisch nicht interessiert. Die Fusion tangierte mich nicht. Mein Vater hat mir auch den Druck nicht vermittelt, der damals auf ihm lastete. Dass der in meiner Familie gross gewordene und national renommierte Titel "National-Zeitung" verschwand, hinterlässt bei mir keine sentimentalen Gefühle. Für mich und mein politisches Bewusstsein war die "Basler Zeitung" prägend.

Was bedeutet Ihnen Ihr Vater, Hans-Rudolf Hagemann, der die stürmische Wachstumsphase des Unternehmens begleitet hat?

Hagemann: Sehr viel. Da ich jetzt denselben Beruf ausübe wie er, ist er in gewissem Sinn auch mein Vorbild.

Ihr Vater ist neuerdings Präsident der faktischen BaZ-Tochtergesellschaft Curti Medien Holding AG. Als BaZ-Präsident stehen Sie hierarchisch über ihm. Würden Sie ihm widersprechen?

Hagemann: Sicher. Nur kann ich mich nicht erinnern, dass mein Vater und ich in den letzten zwanzig Jahren grundlegend Krach gehabt hätten. Wir können miteinander reden. Ich bin überzeugt, dass ich mit ihm alles auf dem Weg des Dialogs lösen kann. Im übrigen ist vereinbart, dass ich in zwei Jahren auch in Zürich seine Nachfolge antreten werde.

Haben Sie nicht Bedenken, dass Ihnen der Vater, der als Mitglied weiterhin im BaZ-Verwaltungsrat sitzt, dreinredet oder Haltungen erwartet, die Sie nicht erfüllen können oder wollen?

Hagemann: Das hätte ich mir überlegen müssen, bevor ich diesen Job annahm. Ich habe da keine Probleme. Mein Vater hat mir gegenüber nie Erwartungshaltungen gezeigt.

Werden Sie seine zurückhaltende Politik fortsetzen oder werden Sie vermehrt auch an der Front aktiv Einfluss nehmen?

Hagemann: Ich werde die Linie meines Vaters übernehmen. Die Rolle unserer Familie war immer eine Hintergrundrolle und das wird so bleiben. Das soll nicht heissen, dass ich im Rahmen dieser Rolle nicht meinen eigenen Stil entwickeln werde.

Welches ist Ihr Stil?

Hagemann: Ich bin so hundsnormal, dass es gar nichts Besonders über mich zu sagen gibt. Ich versuche, möglichst nahe am Geschäft zu sein und nicht abzuheben.

In welchen Fällen werden Sie direkt in publizistische Entscheide eingreifen?

Hagemann: Das ist eine sehr hypothetische Frage. Ich würde mich hüten, den Chefredaktoren in die Inhalte dreinzureden.

Wie stehen Sie zur Zentrums-Figur im BaZ-Konzern, Generaldirektor Peter Sigrist, der wie eine Spinne mitten im Organigramm der Gruppe sitzt und spartenübergreifend Einfluss nimmt?

Hagemann: Wir sind daran, ein sehr gutes Verhältnis zu etablieren. Wir sehen uns regelmässig und besprechen die aktuellen Fragen.

Wie muss man sich das Autoritätsverhältnis vorstellen: Hier der junge Präsident Mathias Hagemann, dort der erfahrene Durchsetzungsstratege Sigrist, der eine ganze Generation älter ist als Sie.

Hagemann: Das Meister-Lehrlings-Verhältnis, das Sie ansprechen, das gibt es bis zu einem gewissen Grad. Weniger im verlegerischen Bereich, aber es ist nicht zu bestreiten, dass Herr Sigrist über die Medienlandschaft mehr weiss als ich. Auf der andern Seite haben wir eine sehr klare Aufgabenteilung, die nicht zu Problemen führt. Ich vertrete die Mehrheit des Kapitals und versuche natürlich, von seinem Wissen und seiner Erfahrung möglichst viel zu profitieren.

Wie weit sind Sie von Sigrist abhängig?

Hagemann: Klar, wenn Herr Sigrist morgen unter's Tram kommt, habe ich ein Problem. Da hätte ich sogar ein grosses Problem.

Wie lange wird der 61jährige Delegierte noch operativer Chef bleiben?

Hagemann: Er ist für die nächsten Jahre unter Vertrag und ich hoffe, dass sich unsere Beziehung so entwickelt, wie wir es vertraglich geplant haben.

Sigrists grosser Coup war die schrittweise Uebernahme der Zürcher Curti Medien Holding, mit der Ihr Basler Unternehmen schlagartig zur Nummer drei im Schweizer Verlagsgeschäft aufstieg. Sind Sie immer noch glücklich mit der Akquisition?

Hagemann: Ja, sehr. Vor fünf Jahren konnte nicht vorausgesehen werden, dass sich diese Expansion mit der Curti Medien abspielt. Aber dass wir über die Nordwestschweiz hinaus expandieren müssen, das war klar.

Hat die Expansion auch mit der Sicherung Ihres Familienunternehems zu tun?

Hagemann: Ich stelle mir vor, dass ich den Präsidiums-Job bis zu meiner Pension machen werde. Und dazu ist eine Vergrösserung unserer Gruppe zwingend notwendig.

Wirklich rentabel ist nur der "Beobachter". Der "Sport" schreibt seit Jahren mehrere Millionen Franken Verluste, auch "Weltwoche" und "Bilanz" bringen kein Geld. Sind Sie nicht im falschen Moment eingestiegen?

Hagemann: Wenn sich so eine Chance wie die Uebernahme der Curti Medien anbietet, dann ist auch ein Risiko dabei. Hätten diese Betriebe floriert, dann hätte man uns nicht gebraucht. Wir sind im Moment aber daran, die sich stellenden Probleme zu lösen. Ich glaube immer noch daran, dass alle von Ihnen erwähnten Titel gute Erfolgsaussichten haben.

Wird der "Sport" nächstens verkauft?

Hagemann: Nein, es gibt keine solchen Pläne.

Aber Sie können doch nicht noch jahrelang Millionen in diesen Titel einschiessen. Was lief krumm?

Hagemann: Der Grundfehler lag darin, dass bei der Neulancierung im Jahr 1992 nicht deutlich gemacht wurde, dass es sich wirklich um eine Neulancierung als Sport-Wochenzeitung handelt. Hier wurden Kommunikationsfehler gemacht, die sicher viel Geld gekostet haben.

Haben Sie immer noch Hoffnung?

Hagemann: Ich gehe nicht davon aus, dass wir noch zehn Jahre grosse Verluste tragen. In ein paar Jahren sollte der "Sport" den Break-even erreichen. Wir haben den Mut und die finanziellen Möglichkeiten, diesen Titel in eine Region zu führen, in der er uns Freude macht.

Steht zur Diskussion, den 50-Prozent-Anteil an der "Bilanz" abzustossen?

Hagemann: Das ist auch nicht vorgesehen. Wir haben in Zürich keinerlei Verkaufspläne.

Wo wollen Sie angesichts der massiven Konkurrenz durch den "K-Tip" den "Beobachter" positionieren?

Hagemann: In der heutigen wirtschaftlichen Zeit wird die Funktion des "Beobachters" als Ratgeber-Magazin Nummer eins immer wichtiger. Darum sehe ich auch für dieses Produkt sehr gute Chancen.

Wären Sie am "K-Tip" nicht interessiert?

Hagemann: Wir sind mit unseren Titeln im Moment zufrieden.

Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass es schon einmal eine Kauf-Offerte an den "K-Tip" gegeben hat.

Hagemann: Das wäre mir neu.

Die BaZ hat im Dezember ihren Anteil an Curti Medien auf 74 Prozent erhöht und im Rahmen einer Kapitalerhöhung 6,4 Millionen Franken zugeschossen. Drohte dem Unternehmen Illiquidität?

Hagemann: Nein, es wurde und wird investiert - in Liegenschaften, Umzüge und Titel.

Die "Bilanz" schätzt das Vermögen Ihre Vaters auf 100 bis 200 Millionen Franken. Stimmt die Zahl?

Hagemann: Keine Ahnung (lacht). Ehrlich gesagt, es interessiert mich nicht. Wir haben ja nicht im Sinn, unsere Anteile zu verkaufen und uns nach Barbados abzusetzen. Entscheidend ist, ob wir die Mehrheit an der Gruppe halten oder nicht.

Ist mit Curti Medien die Expansions- und Akquisitionsphase Ihres Unternehmens abgeschlossen oder ist Peter Sigrist weiter auf Schatzsuche?

Hagemann: Im Augenblick sind wir mit der Stabilisierung und der Konsolidierung unseres Unternehmens beschäftigt. Es gibt keine spektakulären Neu-Akquisitionen.

In welchen Medienbereichen sehen Sie die grossen neuen Tätigkeitsfelder Ihres Unternehmens?

Hagemann: Da sind die regionalen und nationalen Titel, das mit einem Umsatz von 250 Millionen Franken wichtige Druckgeschäft und die Informatik, die wir auch zu einem wichtigen Umsatzträger entwickeln möchten.

Ihr Delegierter Sigrist hat gegenüber Neuen Bildschirm-Medien immer wieder Reserven angemeldet.

Hagemann: Durchaus zu Recht, wie mir scheint. Euphorie in dieser Beziehung ist nicht der richtige Ratgeber. Da kann man viel Geld verlieren. Sicher kommen Neue Medien in irgendeiner Form. Doch die Bedürfnisse der privaten Nutzer sind noch sehr schwierig abzuschätzen.

Weshalb beteiligt sich die BaZ nicht beim "Regio-Online"-Projekt in der Region Basel?

Hagemann: Wir haben uns im Internet-Bereich für eine Zusammenarbeit mit dem Joint venture "PressWeb" entschieden. "Regio Online" ist für uns gegenwärtig kein Thema.

Im traditionell fürstentümlich organisierten Pressewesen verschwimmen die Grenzen. Sind Sie offen für enge Kooperationen mit andern Partnern?

Hagemann: Es ist mein höchstes Ziel, dass unser Unternehmen auf lange Sicht selbständig bleiben wird. Projektbezogen wird es aber Kooperationen mit Schweizer Verlagen geben, wo solche vernünftig sind. Wichtig ist zuallererst, dass die Gesamtheit der Schweizer Verlage in der Lage ist, die medienpolitische Hoheit über das Land zu verteidigen. Zu einem Ausverkauf, wie er in Nachbarländern stattfand, darf es nicht kommen.

* Das Gespräch fand am 29. Januar 1997 statt.

2. Februar 1997

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(c) by Peter Knechtli