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Kabel-Kapitän: Leo Fischer

Der Kleine ist der grosse Zampanoo


Ein Porträt von Cablecom-Erfinder Leo Fischer: Wie aus dem einstigen PTT-Feind ein Partner wurde

Mit der Uebernahme von Rediffusion durch Cablecom ist der Schweizer Kabelnetzmarkt bereinigt. Drahtzieher war ein Kleinaktionär der besonderes agilen Sorte: Leo Fischer (62), CATV-Unternehmer aus Luzern.

Als Leo Fischer am Dienstagnachmittag in sein Büro zurückkehrte, stand, gestiftet von Mitarbeitern, eine riesige Champagnerflasche auf seinem Tisch. Schon mehrmals in seiner Karriere hatte er Gelegenheit, auf eine Akquisition anzustossen. Diesmal ganz besonders, als Cablecom für 660 Millionen Franken den bisherigen Kabelnetz-Marktführer Rediffusion übernahm und mit über 1,1 Millionen Fernsehanschlüssen zum marktbeherrschenden Versorgungsgiganten wird.

Mit der Cablecom hat Leo Fischer innerhalb von zwei Jahren den Schweizer Kabelnetzmarkt im Direttissima bereinigt. Der Luzerner Mittelunternehmer war es, der im Mai 1994 zur Ueberwindung seiner eigenen kritischen Grösse die Fischer Holding mit der Siemens-Albis (Schweiz) und der Telecom PTT in der Cablecom AG zusammenführte. Der erste Wachstumsschub des anschlusshungrigen Konglomerates liess nicht lange auf sich warten. Obschon neben dem deutschen Mischkonzern Veba auch die amerikanische Time Warner als grösster Medienkonzern der Welt offerierte, erhielt Fischers Cablecom zum Preis von 270 Millionen Franken sogleich den Zuschlag für das Ascom-Netz.

Ein stimmenmässig potenter Partner war Leo Fischer nur kurze Zeit. War anfänglich eine 30-Prozent-Beteiligung angekündigt, blieben es bei der Zeichnung noch 20 Prozent. Als später auch Veba in den kraftstrotzenden Verbund eintrat, schmolz die Fischer-Teilhabe auf 4 Prozent.

Kooperation oder Konfrontation

Investition im grossen Stil war auch nie Fischers Absicht. In der Schweiz ist seine 185-Personen-Holding zwar erfolgreich, doch ihr Deutschland-Ableger fuhr Verluste ein. Fischer über das Motiv seiner Neuorientierung: "Man sah den sich abzeichnenden Quantensprung vom Kupfer- aufs Glasfaserkabel. Und gleichzeitig stellte sich die Frage Kooperation oder Konfrontation."

Wendig und instinktsicher zog Fischer die Fäden zum richtigen Zeitpunkt Richtung Kooperation. Spie der begnadete Selbstdarsteller noch wenige Jahre zuvor "Gift und Galle gegen die PTT" (so ein Konkurrent), um ihr Netz- und Dienstmonopol zu Fall zu bringen, machte er nun mit dem potentiellen Erzfeind gemeinsame Sache - in "visionärer Absicht", wie er sagt.

Dabei spielte der gelernte Radio- und Fernsehelektriker gegenüber den akademisch gebildeten Führern der Cablecom-Partner seine grösste Stärke aus: Mit erprobtem Sinn für die Praxis setzte der CATV-Pionier auf die nicht unbedingt liberalisierungsfreundliche Karte einer mächtigen Allianz. Die Interessenbindungen und Konkurrenzverhältnisse unter Siemens, Telecom PTT, Rediffusion-Besitzerin Alcatel und Veba waren so etwas wie ein kordischer Knoten, den nur ein Mann wie Leo Fischer - halb Mischler, halb Moderater und Macher - durchhauen konnte. Mit seiner regionalen Bedeutung (Umsatz: 60 Millionen Franken) war er auch weitgehend frei von Sachzwängen.

"Verrat an der Liberalisierung"

Für seinen von ihm als "innovativ" empfundenen Kurs erfährt Fischer unter den Berufskollegen im Verband Schweizerischer Kabelfernsehbetriebe, den er während zwölf Jahren präsidierte, aber zunehmend bittere Kritik. Da ist auch schon mal von "Verrat an der Liberalisierung" die Rede. Er habe grosse Worte vom Wettbewerb gepredigt und nun einen gemischtwirtschaftlichen Giganten geschaffen, der die kleine Konkurrenz in die Knie zwinge.

"Es geht mir darum, das Netz gemeinsam ökonomisch zu nutzen. Im Bereich der Telekommunikationsdienste wird es durchaus Konkurrenz geben", widerspricht Fischer unverdrossen.

Vor zwei Jahren hielten es Branchenkenner für "eine Frage der Zeit, bis Leo Fischer ausmanövriert wird". Doch noch heute sitzt der Kleinaktionär bei Cablecom als Vorsitzender der Geschäftsleitung und Verwaltungsrats-Delegierter fest in den Schlüsselpositionen. Die grossen Player, insbesondere Siemens und die Telecom PTT, bleiben auffällig im Hintergrund. War der Mister Cablecom von ihnen bloss instrumentalisiert worden? "Die drei Grossaktionäre schätzen sehr, dass ich nicht aussteige", sagt Fischer erst wie bestätigend, um dann sogleich klarzustellen: "Ich habe den Kontakt zur Telecom gesucht, nicht sie zu mir. Es brauchte grosse Ueberzeugungsarbeit."

Aus seiner Luzerner Umgebung heisst es, der Patron sei "sehr zielbewusst". Er habe "bisher alle seine beruflichen Ziele erreicht". Auf der Champus-Flasche der Mitarbeiter stand denn auch folgerichtig: "Kabel-König Leo Fischer, wir gratulieren Ihnen zum Erfolg." Der König hatte dem nichts beizufügen.

25. Juni 1996

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(c) by Peter Knechtli